DTM-Jubiläum: Wenn Österreicher Schlagzeilen machten

Von Gerhard Kuntschik
Gerhard Berger

Gerhard Berger

Als im Mai 2018 Gerhard Berger seine zweite Saison als Vorsitzender des DTM-Veranstalters ITR begann, waren nach langer Zeit wieder zwei österreichische Fahrer – Lucas Auer und Philipp Eng – am Start.

Dazu gab es bei Mercedes einen Wiener Sportchef mit Toto Wolff, bei Audi hatte jahrelang (bis 2016) der Wiener Wolfgang Ullrich die Fäden gezogen. Da meinte ein deutscher Kollege süffisant: «Die DTM wird langsam zur ÖTM.»

Na ja, ganz so dramatisch war es noch nicht, doch der Rückblick auf 33 abwechslungsreiche Jahre der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft/des Deutschen Tourenwagen Masters fördert zutage: Rotweißrot war stark präsent bei den Nachbarn.

Mit Ullrich (sechs Marken-, sieben Fahrertitel) und Wolff (1/2) waren die Chefs in ihren Amtszeiten die erfolgreichsten DTM-Österreicher. Bei den Fahrern musste der erfolgreichste die Serie im vergangenen Herbst wegen des Rückzugs von Mercedes verlassen: Lucas Auer hatte von 2015 bis 2018 73 Rennen bestritten und dabei vier gewonnen.

Einziger anderer DTM-Sieger aus Österreich ist Eng (bisher 32 Starts), der heuer in Zolder im dritten Saisonrennen triumphierte. Elf andere Österreicher waren in der DTM dabei – sei es als mehrjährige Stammpiloten wie Dieter Quester (70 Rennen), Franz Klammer (46), Karl Wendlinger und Mathias Lauda (je 41) sowie Alex Wurz (20) - oder mit Einzelauftritten wie Mercedes Stermitz (13), Rallye-As Sepp Haider (6), Roland Ratzenberger (2), Karl Baron und – der aktuelle DTM-Chef Gerhard Berger selbst (je 1).

Schlagzeilen waren oft garantiert, wie durch Quester, der nach einem Überschlag in der letzten Kurve auf dem Dach seines BMW M3 schlitternd und unverletzt das Ziel auf der Avus erreichte (1990).
Zuvor geschah auf dem Salzburgring bemerkenswertes: Im Finalrennen 1987 erzielte BMW-Pilotin Ellen Lohr als Zweite das beste «weibliche» DTM-Resultat.

Die Titelentscheidung zwischen den BMW-Junioren Eric van der Poele und Marc Hessel endete im Chaos, nachdem Hessel verwirrt vor dem Ziel abbremste. Noch verwirrter waren offenbar Rennleitung und Fahrer wegen «Hitzekollers» 1988, als im Nesselgraben nach mehreren Unfällen kein Lauf gewertet wurde.

Die DTM kehrte 2011 nach Österreich, auf den Red Bull Ring, zurück. Der unrühmliche Höhepunkt passierte 2015 mit dem geöffneten Mikro von Audi-Sportchef Ullrich, aus dem Pilot Timo Scheider die legendäre Anweisung «schieb ihn raus» vernahm und mit Pascal Wehrlein kollidierte – einige Sanktionen für Ullrich, Scheider und Audi folgten.

Doch während das Projekt Spielberg nach Auslaufen des DTM-Vertrags 2018 auf eine Verlängerung für den Red Bull Ring aus finanziellen Gründen verzichtete, hängt das lang angestrebte DTM-Comeback in Salzburg von Umbauarbeiten ab, die eine Grade-2-Lizenz der FIA ermöglichen sollen.

Salzburgring-Fan Gerhard Berger kennt die Anziehungskraft der Hochgeschwindigkeitsstrecke für Fahrer und Publikum (vor allem aus Süddeutschland), sagt aber pragmatisch: «Wenn der Salzburgring die Lizenz bekommt, fahren wir, wenn nicht, dann nicht.»

Österreich ist mittlerweile längst zur Wahlheimat etlicher DTM-Protagonisten geworden. Die Ex-Champions Manuel Reuter (Saalfelden), Hans-Joachim Stuck, Mattias Ekström (beide Going/Tirol), Timo Scheider und René Rast (beide Bregenz) leben in der Alpenrepublik, in die es auch Langzeit-Chef Hans-Werner Aufrecht zog (Bregenz). Und Innsbruck ist die zweite Heimat des aktuellen Chefs von R-Motorsport (St. Gallen), Florian Kamelger: Der Südtiroler aus Brixen studierte dort und besitzt auch dank der Mutter einen österreichischen Pass. So hat Ferdinand von Habsburg einen halben Landsmann als Boss.


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