Zoff zum Jubiläum: Politische Eigendynamik in der DTM

Von Andreas Reiners
DTM
Zoff zum Jubiläum

Zoff zum Jubiläum

Vor dem siebten Rennwochenende der DTM auf dem Lausitzring hat es ordentlich geknallt, die Stallorder-Geschichte drohte zu eskalieren. Die Verantwortlichen hoffen auf ein Ende der Dauernummer.

Zoff in der DTM! Und das ausgerechnet zum Jubiläum. SPEEDWEEK.com weiß: Vor dem 500. Rennen der Geschichte am siebten Rennwochenende auf dem Lausitzring hat es hinter den Kulissen geknallt. Und zwar ordentlich.

Im Mittelpunkt: Audi, deren beiden Titelkandidaten René Rast (206 Punkte) und Nico Müller (169) sowie SAT.1-Experte Timo Scheider (40). Der Streit um Stallorder, Nicht-Angriffspakt und Ehrlichkeit drohte zuletzt zu eskalieren. Mit Aussagen, die den Verantwortlichen teilwiese zu weit gingen. Der berühmte Schuss über das Ziel hinaus. Die Folge: Die deutliche Ansage, endlich Tempo und Schärfe aus der Sache zu nehmen.

Scheider hatte vor den letzten Rennen in Brands Hatch enthüllt: «Bei Audi ist ordentlich Feuer unter dem Dach, dort gibt es sehr, sehr große Spannungen unter den Fahrern.» Gemeint waren vor allem Rast und Müller. Und: Die Priorisierung der Fahrer im Titelkampf habe begonnen, so Scheider.

Den Beweis lieferte Audi im zwölften Saisonrennen, als das starke Qualifying mit acht Audis auf den ersten acht Startplätzen ausgespielt wurde. Strategie-Schach auf der Strecke. Inklusive Nicht-Angriffspakt zwischen Rast und Müller, die sich auf Platz eins und zwei nicht weh taten. Freies Racing?

Sieht anders aus. Legitim und nicht verboten, bei Fans aber verpönt. Audis Motorsportchef Dieter Gass erklärte, man werde die beiden Titelkandidaten nicht in einen Fight schicken. Müller verteidigte sein verhaltenes Verhalten damit, dass er kein Risiko eingehen wolle.

Anschließend kritisierte Scheider seinen Ex-Arbeitgeber live im TV erneut scharf: «Nico war schneller, er hätte es probieren können, hat es aber nicht, weil er nicht durfte. Wenn wir schon so weit sind, dass der Erste nicht mehr gegen den Zweiten kämpft, ist das schlicht langweilig. Audi verkauft uns freies Racing, ich habe aber kein freies Racing gesehen.»

Seitdem geht es hoch her hinter den Kulissen. Es ist ein Paradebeispiel, wie in der DTM Politik gemacht wird. Wie sich Dinge verselbständigen, eine Eigendynamik entwickeln können.

Mit einem Hersteller, der urplötzlich am Pranger steht, obwohl er eigentlich nichts Regelwidriges getan hat. Audi hat ohne Frage das beste Auto, dominiert, und spielt diese Überlegenheit aus. Aus Sicht des Herstellers richtig, aus Sicht des Fans und des Sports allerdings der Sargnagel für die Saison. Es sei denn, BMW findet doch noch rechtzeitig das Gaspedal.

Allein: Es sieht weiter alles nach einem Audi-Alleingang aus. Zuletzt schaltete sich DTM-Chef Gerhard Berger ein, versuchte Dampf aus der Diskussion zu nehmen. Mahnte bei SPEEDWEEK.com zu Sachlichkeit: «Man muss in der Debatte sachlich sein und differenzieren. Niemand wurde vorbeigewunken, niemand hat einen Sieg hergeschenkt.» Für ihn ist es vor allem interessant, wie Müller nun reagiert. Ist der Schweizer Racer und Champion? Oder doch nur ewiger Wasserträger?

In Ingolstadt versucht man sich zu wehren. Rast kritisierte Scheider: «Er hat die Leute aufgehetzt gegen uns und gegen die DTM. Es waren viele falsche Fakten dabei, die er falsch kommentiert hat. Die Leute haben durch ihn ein falsches Bild bekommen.»

Den Fakt, dass Audi die Push-to-Pas-Funktion (erzeugt kurzzeitig 30 PS mehr) nur selten nutzt, erklärten Gass und Rast mit der schwankenden Zuverlässigkeit des empfindlichen Vierzylinder-Turbomotors. In Brands Hatch hatte Rast aber noch erklärt, er habe schlicht vergessen, den Knopf zu drücken. Scheider kontert: «Das verfehlt völlig das Thema.» Er stellt klar: «Worum es mir geht, und das ist das große Ganze: Dass die Fans nicht irgendwelche Geschichten erzählt bekommen.»

Die Hoffnung der Verantwortlichen: Dass diese Geschichte endlich beendet ist.

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