Zanardi: Aus der Coronakrise «etwas Gutes lernen»

Von Andreas Reiners
DTM
Alex Zanardi

Alex Zanardi

Der Coronavirus hat in Europa Italien am härtesten getroffen. Alex Zanardi weiß, wie man kämpft und positiv denkt und gibt einen Rat, gegen die Ängste und Sorgen anzugehen.

Ein Scherz, ein Spruch, natürlich, was auch sonst. Damit muss man rechnen, wenn man mit Alex Zanardi spricht.

Selbst wenn es um das lebensbedrohliche Coronavirus geht. Sogar selbst dann, wenn er im Corona-Hotspot Norditalien lebt. Der 53-Jährige setzt immer auf eine Portion Humor.

Doch der Italiener spricht in gewisser Weise aus Erfahrung, er hat in seinem Leben schon den einen oder anderen Kampf ausgetragen, auch schon den um sein Leben, als er 2001 bei einem Horrorunfall beide Beine verlor und sich anschließend sogar in den Leistungs- und Motorsport zurückkämpfte.

Erst im vergangenen November ging er als Gaststarter im «Dream Race» von DTM und Super GT an den Start.

Das Beeindruckende ist seine Aura: Zanardi strahlt eine positive Einstellung aus, lebt die Zuversicht. Ist durch seine Lebensgeschichte für viele Menschen eine Inspiration. Hat Humor. Und lachen soll ja besonders helfen.

Auf die Frage, was er basierend auf seiner Erfahrung seinen italienischen Landsleuten und dem Rest der Welt in diesen schwierigen Zeiten inmitten der Coronavirus-Pandemie mit auf den Weg geben möchte, scherzte er: «Zunächst möchte ich sagen, dass die Tatsache, dass ich im Laufe meines Lebens mit einigen schwierigen Situationen kämpfen musste, nicht bedeutet, dass mir diese Art Kämpfe Spaß machen.»

Er hat aber festgestellt, dass negative Geschehnisse auch etwas Positives haben können. Selbst wenn man vom Virus so hart getroffen wird wie die Italiener, die in Europa die meisten Infizierten und Toten zu beklagen haben.

«Immer, wenn du in deinem Leben ein Problem bewältigst, ist das eine Erfahrung, für die du neue, sagen wir Werkzeuge, entwickeln musst. Und wenn du diese Erfahrung hinter dir gelassen hast, können diese Werkzeuge vielleicht ein Teil deines Repertoires bleiben und dir helfen, weitere Probleme zu überstehen, die auf deiner Lebensreise unvermeidbar auf dich zukommen werden», sagte er: «Die Gemeinsamkeit zwischen dem, wie ich diese Tage persönlich erlebe, und dem, was mir in einer anderen Phase meines Lebens passiert ist, ist die Fähigkeit, sich für die positiven Aspekte zu interessieren, die man immer in allem finden kann. Das hat mir ermöglicht, aus dem, was mir passiert ist, eine große Chance zu machen.»

Die Menschen seien anders geworden, so seine Beobachtung: «Ich kann beobachten, dass sie Dinge wiederentdecken wie den Sinn für Gemeinschaft, den Sinn für Freundschaft, den Sinn dafür, sich gegenseitig zu brauchen, um wirklich komplette Menschen zu sein.»

Seine Hoffnung: «Wir müssen sicherstellen, dass jeder aus dieser Erfahrung etwas Gutes lernt, dass wir all dies mit besseren ‚Werkzeugen’ hinter uns lassen, um in unserem Leben weiterzumachen und ein besseres Leben zu leben. Früher oder später wird die Sonne wieder aufgehen, und dann wird Zeit für andere Dinge sein. Doch nun ist wichtig, dass wir diesen Feind auf die richtige Art und Weise überwinden.»

Aktuell geht es ihm trotz der schlimmen Situation in Italien gut. «Wir haben das Gefühl, dass wir sehr viel Glück haben. Wir haben ein Haus, ich habe alle meine Trainingsgeräte hier, wir sind gesund – deshalb geht unser Gefühl, dass wir ‚leiden’, nicht über ein akzeptables Maß hinaus», sagte er.

Seine ehrgeizigen Ziele sind durch den Virus allerdings auf Eis gelegt, er wollte im Sommer bei den Paralympics in Tokio mit seinem Handbike an den Start gehen, unter anderem vier Goldmedaillen hat er 2012 und 2016 bereits gewonnen, die Spiele wurden verlegt. 2021 wird er 55 Jahre alt.

«In meinem Alter entspricht aus sportlicher Sicht jedes Jahr einem Hundejahr, es ist wie sieben Jahre», sagte er. «Es ist schon eine Art Wunder, dass ich mir zum Ziel setzen konnte, kurz vor meinem 54. Geburtstag in Tokio anzutreten. Es wird noch schwieriger, dies ein Jahr später zu tun, wenn ich auf die 55 zugehe. Aber eines kann ich Ihnen mit Bestimmtheit sagen: Was meinen Willen angeht, bin ich perfekt. Wenn es dann darum geht, diesen Willen in Erfolge umzusetzen – das wird die Zeit zeigen, wir werden sehen.»


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