Rockenfeller: «Dann kommt alles wieder hoch»

Von Andreas Reiners
DTM
Mike Rockenfeller: «Da war ich auch kurz davor zu sagen, ich kann das nicht mehr so weitermachen»

Mike Rockenfeller: «Da war ich auch kurz davor zu sagen, ich kann das nicht mehr so weitermachen»

Der neue DTM-Champion im Interview mit SPEEDWEEK.COM über den Titelgewinn, Erleichterung und Genugtuung sowie Schlüsselszenen der Saison.
Mike, herzlichen Glückwunsch zum Titelgewinn. Wie fühlst du dich?

Erleichtert. In der Runde nach dem Rennen ist der Druck von mir gefallen. Da wurde mir bewusst wie lange ich dafür gekämpft habe, bis ich den Titel endlich im Sack hatte. Das habe ich realisiert und das hat mich glücklich gemacht. Jetzt bin ich tiefenentspannt. Noch entspannter als sonst. Die Anspannung und der Druck waren ja immer da. Ich habe einfach immer versucht mein Ding zu machen. Du weißt ja, wie viel daran hängt. An dem Start heute kann man sehen wie eine Millisekunde über irgendwas entscheiden kann.

Gab es einen Moment im Rennen ab dem du wusstest: Das Ding hab ich im Sack?

Den gab es relativ früh. Einmal als mein Ingenieur gesagt hat, dass die Rennleitung keine Strafe wegen des Frühstarts ausgesprochen hat. Und als Wittmann hinter mir war und Scheider mich vorbeigelassen hat und er dann hinter mir war. Das Auto war zwar schwer zu fahren, aber ich musste es nur Heim bringen. Da wusste ich, wenn ich keinen Fehler mache oder etwas kaputt geht, gewinne ich die Meisterschaft heute. Trotzdem sind es dann verdammt lange Runden.

Hast du denn im Rennen mal gezweifelt, dass es heute klappen könnte?

Nein, ich habe auch vor dem Rennen nicht gezweifelt. Ich wusste wir hatten eine Chance. Ich wusste aber auch, dass die Pace für einen Sieg nicht ganz reichen würde. Sicher kann man sich aber nie sein. Wäre ich beim Start minimal früher losgefahren hätte ich eine Strafe gekriegt und wäre wohl ohne Punkte nach Hause gefahren.

Hast du denn gedacht, dass es ein Frühstart sein könnte?

Ja, ich habe gedacht, dass es knapp wird. Aber nicht wegen der Ampel, sondern weil die anderen nicht losgefahren sind. Wir sprechen ja von einem halben Zehntel Reaktionszeit. Du guckst, die Ampel geht aus und du fährst los. Bei mir war es halt perfekt. Im ersten Moment, als keiner losgefahren ist, habe ich Gas weggenommen und gedacht: Scheiße, das war vielleicht ein Frühstart. Ich habe mir das nicht erklären können. Dann habe ich gelupft, und wenn ich nicht gelupft hätte, wäre ich nach der ersten Kurve Erster gewesen.

Wer hat denn alles schon gratuliert?

Über 100 SMS habe ich schon bekommen. Mein Vater ist hier, meine Mutter ist Zuhause und meine Freundin kommt jetzt noch hierhin. Sie landet um 22 Uhr in Amsterdam. Ich habe gesagt schau doch mal nach, vielleicht findest du noch einen Flug. Und eben hat sie angerufen und gesagt: ‚Ich bin gleich da.‘

Warum ist sie nicht vorher schon gekommen?

Das war eigentlich nicht geplant. Sie ist auch fast nie bei einem Rennen. Ich arbeite hier und da muss nicht unbedingt meine Freundin dabei sein. Ich bin hier nur unterwegs. Wir machen das schon seit vielen Jahren so. Jetzt habe ich ihr aber gesagt dass ich sie vermisse und dass es schön wäre wenn sie hier wäre. Und da hat sie sich jetzt auf den Weg gemacht.

Wie lange wird gefeiert?

Ich hoffe heute gibt es eine lange, schöne Nacht. Das reicht mir dann aber auch. Ich bin grundsätzlich nicht so der Party-Typ. Das brauche ich jetzt nicht ein paar Tage hintereinander.

Du hast gesagt, die Erleichterung war groß. Die Genugtuung auch?

Ja. Es gibt immer Leute, die an mir gezweifelt haben. Ich bin zu Audi gekommen und wollte schnell Erfolg haben. Und schneller in ein neues Auto kommen. Das hat sich nicht ergeben und dann war es manchmal schon bitter. Da war ich auch kurz davor zu sagen, ich kann das nicht mehr so weitermachen. Dann hat es sich verbessert und ich habe den Spaß wiedergefunden. Und jetzt habe ich natürlich noch mehr Spaß. In diesem Moment kommt alles wieder hoch: Die Misserfolge, die harte, aber natürlich auch die schöne Zeit. Es ist schön zu sehen wie die Leute sich für mich freuen.

Was waren die Schlüsselszenen der Saison für dich?

Norising und Nürburgring. Das waren die wichtigen Punkte die wir gemacht haben. Die Siege sind immer wichtig. Aber die Rennen in denen du hinten bist und trotzdem noch vorne ankommst – das macht eine Meisterschaft aus, gerade wenn es so eng zugeht.

Wann wusstest du, dass in diesem Jahr der Titel drin ist?

Eigentlich von Anfang an im Winter. Die Tests waren gut und als in Hockenheim die Pace sehr gut war, habe ich gedacht: ‚Oh, wir sind gut‘. In Brands Hatch haben wir das bestätigt mit der Pole und dem Sieg. Und dann entwickelte das eine Dynamik. Wir haben meiner Meinung nach zwar nicht das schnellste Auto. Aber wir haben es konstanter hingekriegt. Insgesamt ist es eine Kombination aus dem Auto, der Mannschaft und den Umständen.

Deine Zukunft ist immer noch offen. Hast du nach dem Gewinn der Meisterschaft jetzt auch das Gefühl, den Titel in der DTM für Audi verteidigen zu wollen?

Nein, das Gefühl habe ich im Moment noch nicht. Da denke ich noch nicht dran. Schauen wir mal im Winter, was passiert. Ich bin entspannt, ich habe auf vieles Lust. Warten wir mal ab.

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