DTM-Reglement: Sinn oder Unsinn?

Von Andreas Reiners
DTM
Timo Glock im Zweikampf mit Mike Rockenfeller

Timo Glock im Zweikampf mit Mike Rockenfeller

Das Rennen in Budapest sorgte für einige Diskussionen. Glock kritisierte die Zwei-Sekunden-Strafen. Und Timo Scheider hatte einen ganz besonderen Blick auf das Geschehen.

Timo Glock wütete in seinem BMW. Der 31-Jährige gestikulierte und lamentierte. Doch es half nichts. Audi-Konkurrent Edoardo Mortara hatte den früheren Formel-1-Piloten endgültig gegen sich aufgebracht. Denn nach einigen teilweise überharten Duellen beim dritten DTM-Saisonrennen in Ungarn hatte der Italiener den Deutschen ausgebremst. Und das, obwohl Mortara eigentlich eine Strafe absaß.

Was war passiert? Mortara hatte auf dem Hungaroring das Track-Limit nicht beachtet und die Strecke mehrmals mit allen vier Reifen verlassen. Zunächst gab es eine Verwarnung, schließlich bekam Mortara eine Zwei-Sekunden-Strafe aufgebrummt. Was bedeutete, dass er in der Runde nach dem Vergehen zwei Sekunden langsamer fahren musste als in der Referenzrunde zuvor.

Das tat Mortara. Auf seine Weise. Denn die Konkurrenz kam nicht vorbei. «Er ist mir bewusst ins Auto gefahren, hat mich auf die Außenlinie gezwungen und ist mir dann zweimal ins Auto gefahren, so dass ich nicht überholen konnte. Und das kann nicht Sinn der Sache sein. Ich weiß nicht, wie man diese Regel dementsprechend ändern kann, aber so ist es natürlich schwierig», wetterte Glock.

Glock hatte das Thema bei der Rennleitung unmittelbar nach dem Rennen angesprochen. «Ich habe gesagt, dass es, in Anführungszeichen, unfair ist, wenn sich jemand einen Vorteil erarbeitet, indem er zweimal über die Track-Limits rausgeht, danach zwei Sekunden langsamer fahren muss und alle anderen blockiert.»

Stimmt die Verhältnismäßigkeit?

Eine weitere Frage, die sich auch Glock stellt: Stimmt die Verhältnismäßigkeit überhaupt? Also zwei Sekunden verlangsamen zu müssen, wenn man zweimal über die Limits hinausschießt? «Irgendwie tut man sich in der DTM generell schwer, diese Regel einzuhalten. Ich glaube, es gibt wenige Serien, die da so viele Probleme haben wie wir.» Die Fahrer hatten sich bereits in der vergangenen Saison über die Durchgängigkeit bei der Einhaltung der Regeln und den ausgesprochenen Strafen beschwert.

Für Glock war es zudem ein gutes Beispiel für das neue Reglement mit nur noch einem Pflichtstopp und der beschränkten Nutzung der Optionsreifen. Denn dadurch entstehen quasi zwei Rennen in einem. «Und wenn du die Strategie, mit dem Optionsreifen loszufahren, nicht so umsetzen kannst, weil du in den Verkehr kommst – dann wirst du aufgefressen von denen, die zum Schluss auf Option fahren. Und du kannst dann nichts mehr machen, du bist dem einfach ausgeliefert.»

Scheider: Ein langweiliges Rennen

Wie spannend sind solche Rennen denn, von außen betrachtet? Bringen die zahlreichen neuen Regeln mehr Verwirrung als Spannung? Einen ganz besonderen Platz zur Beobachtung des Geschehens hatte Audi-Pilot Timo Scheider. Nach seiner gebrochenen Radaufhängung musste der zweimalige Champion seinen Boliden neben der Strecke abstellen. Allerdings so ungünstig, dass er das komplette Rennen von dort verfolgen musste, wie er SPEEDWEEK.com verriet. Und schließlich dachte: «Was ist das für ein langweiliges Rennen?».

Scheider hatte natürlich keine TV-Übertragung und auch keinen Zeitenmonitor zur Verfügung. Scheider hatte also keinerlei Info über Rundenanzahl oder Abstände. «Und wenn du diese Informationen nicht hast, dann verstehst du am Ende überhaupt nicht, wieso da jetzt plötzlich noch einmal so ein Durcheinander reinkommt. Am Ende will der Fan natürlich, dass überholt wird und dass es am Ende spannend wird. Aber ich fand es von außen ziemlich schwierig zu durchblicken, was da gerade passiert. Und Mittelteil ist schon ziemlich langweilig», so Scheider.

Glock fand sein Duell mit Mortara natürlich alles andere als langweilig. Er hatte während des Rennens ebenfalls eine Verwarnung erhalten. Der BMW-Mann war allerdings über die Linie gefahren, da ihm zuvor ein Fahrfehler unterlaufen war. Glock konnte das Auto kurzzeitig nicht mehr kontrollieren. Und verlor Zeit.

«Das Auto ist ein bisschen über die weiße Linie hinausgekommen und ich habe in der Runde eine halbe Sekunde verloren. Die Rennleitung sieht aber nur diese Kamera. Dass ich vorher einen Fehler gemacht habe, sieht die Rennleitung nicht, und Regel ist Regel», so Glock, der beobachtet hatte, dass Mortara sogar noch öfter zu weit rauskam und die weiße Linie überfuhr. «Diese Regel kann man mit Sicherheit diskutieren.»

Allerdings, das weiß auch Glock, wird man nie alle Unebenheiten komplett ausräumen können. Man dürfte nicht anfangen jedes Rennen zu analysieren und sagen, man müsse die Regeln «so und so ändern. Du kannst es nicht. Das gibt es nicht. Es gibt keine perfekte Regel für das perfekte Rennen, mit dem jeder happy ist. Es gibt immer mal Situationen, wo es halt mal so und mal so ist. Diese perfekte Super-Regel gibt es halt einfach nicht.»

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