Pascal Wehrlein: Erst der DTM-Titel, dann zu Manor?

Von Andreas Reiners
DTM
Pascal Wehrlein

Pascal Wehrlein

Mercedes stattet Manor-Marussia ab 2016 mit Motoren aus. Diese am heutigen Donnerstag verkündete Nachricht könnte für allem bei Pascal Wehrlein für Freude sorgen.

Denn der 20-Jährige steht schon länger vor dem Sprung in die Formel 1. In der DTM hat Wehrlein mit Mercedes den Titelgewinn vor Augen, und in die Königsklasse konnte er als Testfahrer für die Silberpfeile sowie Force India auch bereits schnuppern. Doch bis jetzt war für 2016 schlicht kein Cockpit frei. Bei Mercedes sind Weltmeister Lewis Hamilton und Nico Rosberg gesetzt, bei den anderen Kundenteams ist die Tür vorerst ebenfalls zu.

Doch nun rüstet Mercedes ab der kommenden Saison Manor-Marussia mit den Antriebseinheiten aus. Und für Wehrlein könnte sich für 2016 wieder eine Tür geöffnet haben. Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff hatte zuletzt erklärt, Wehrlein müsse sich erst einmal auf seine aktuellen Aufgaben konzentrieren und den Titel im Tourenewagen holen. Nun, bei 37 Punkten Vorsprung bei noch 50 zu vergebenen Zählern dürfte das nur noch Formsache sein.

Wehrlein gibt sich aber natürlich erst einmal zurückhaltend, was eine Zukunft in der Formel 1 bereits ab der kommenden Saison angeht. «Das muss Toto entscheiden. Ich bin sehr happy in der DTM und dieses Jahr ist es wirklich sehr cool verlaufen und es hat sehr viel Spaß gemacht. Wenn Toto eine Möglichkeit sieht, mich in die Formel 1 zu stecken, dann nehme ich die gerne an», hatte Wehrlein am vergangenen DTM-Rennwochenende auf dem Nürburgring erklärt.

«Bei Mercedes wäre es am schönsten, aber da wird es im nächsten Jahr glaube ich keine Möglichkeit geben», so Wehrlein. Und konkret auf Manor-Marussia angesprochen, grinste der Youngster und sagte: «Man muss schauen, wie sich das entwickelt und wie da die Möglichkeit ist.»

Grundsätzlich wäre die Möglichkeit bzw. die Verbindung zu Mercedes jetzt natürlich da. Aber: Trotz der Motoren muss sich das Team weiter selbst finanzieren und ein Budget auf die Beine stellen. Paydriver waren in der Vergangenheit eine Voraussetzung für die Finanzierung. Und klar ist auch: Wehrlein wird sich in kein Hinterbänkler-Cockpit setzen, nur um an der Königsklasse teilnehmen zu können. Dafür ist der 20-Jährige zu ehrgeizig.

Und wenn man grundsätzlich wissen will, wie ehrgeizig Pascal Wehrlein wirklich ist, war das vergangene Rennwochenende auf dem Nürburgring ein perfektes Beispiel. Im ersten Lauf am Samstag war er nach dem Start mit dem späteren Sieger Maxime Martin kollidiert und hatte sich dabei sein Auto beschädigt. Während des zwischenzeitlichen Rennabbruchs war er wütend zum BMW des Belgiers gestapft und hatte wild gegen dessen Scheibe gehämmert. Dass er im Unrecht war, sah er auf der anschließenden Pressekonferenz schließlich ein.

Im zweiten Rennen am Sonntag hatte der Youngster gerade seinen Pflichtboxenstopp absolviert, da fing er wie ein Rohrspatz an zu schimpfen. «Bleib cool, Pascal, bleib cool», mahnte Wehrleins Ingenieur. «Ich habe deswegen drei verfickte Plätze verloren», erwiderte Wehrlein nach dem verpatzten Stopp. Im Laufe des Rennens forderte er dann auch ganz unverblümt die Hilfe seiner Teamkollegen an, sagte via Teamfunk immer wieder: «Ich brauche DRS.» Die Teamkollegen gaben Wehrlein Schutz, ließen ihn passieren und sich teilweise so extrem zurückfallen, dass es nach dem Rennen sogar Zoff zwischen Audi und Mercedes gab.

Wehrlein sah das ganz entspannt. «Es gibt immer Situationen, über die man sich beschweren kann. Zum Beispiel haben sich am Anfang der Saison viele Audis über das Performance-Gewicht beschwert. Jetzt sind sie leichter als ich und jetzt hört man nichts mehr. Ich beschwere mich jetzt aber nicht darüber, so sind die Regeln. Man hat auch nicht verboten, als Team zu fahren. Ich glaube nicht, dass Audi jetzt etwas sagen sollte. Wenn sie in unserer Situation wären, würden sie es genauso machen», sagte er.

Wehrlein besticht in dieser Saison aber vor allem durch seine Konstanz und ist damit die eindeutige Speerspitze bei Mercedes. Mal fährt er auf volles Risiko, dann wieder abwartend und taktierend und wohl wissend, was möglich ist und was nicht. Dabei aber fast immer fehlerfrei, ganz im Gegensatz zur Konkurrenz. Den Titel hat Wehrlein sich verdient, wenn er die letzten Punkte dann auch noch einfährt. Und damit seinen Beitrag zu einem möglichen Formel-1-Cockpit erfolgreich geleistet.

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