Porsche-Ausstieg: Was ist ein Wort heute noch Wert?

Kolumne von Oliver Müller
FIA WEC

SPEEDWEEK.com machte sich Gedanken zum LMP1-Abschied von Porsche aus FIA WEC. Mit dem 919 Hybrid fuhr der Sportwagen-Hersteller seit 2014 in der Serie mit. Was bedeutet die Entscheidung für den traditionellen Motorsport?

Nun steht es fest: Porsche wird sich schon zum Ende der Saison 2017 aus der LMP1-Klasse der FIA WEC zurückziehen. Mit der offiziellen Bekanntmachung des Ausstiegs am Freitagmorgen, wurden nun Wochen von Spekulationen über das Porsche-Engagement in der Sportwagen-WM beendet. Grundsätzlich hat das Aus des LMP1-Projekts einen etwas fahlen Beigeschmack. Denn im August 2015 verkündete Porsche großspurig die Verlängerung des LMP1-Einsatzes bis inklusive der Saison 2018. Doch dazu wird es nun also nicht mehr kommen.

Nicht nur im Motorsport, sondern überall im Leben, bilden getroffene Aussagen von Anderen die Planungsgrundlage für eigene Entscheidungen. Und so haben sich nicht nur die Organisatoren der FIA WEC sondern auch Hauptkonkurrent Toyota auf das Kommitment von Porsche verlassen. Nun stehen insbesondere diese Beiden vor einem Scherbenhaufen, der wahrhaft unermesslich erscheint.

Aber nicht nur bei den Verantwortlichen der FIA WEC und denen von Toyota dürfte die Porsche-Entscheidung für eine Schockstarre gesorgt haben. Als die Weissacher im Juni 2011 den Wiedereinstieg in der Königsklasse der Sportwagen für 2014 verkündeten, war die Vorfreude in der gesamten Szene riesig. Porsche gilt als die 'Mythos-Marke' dieser Sparte des Rennsports und hatte zu diesem Zeitpunkt bereits 16 Gesamtsiege bei den prestigeträchtigen 24 Stunden von Le Mans eingefahren. Über Jahrzehnte prägte Porsche das Bild des Prototypen-Sports. Nach dem Ausstieg im Jahre 1998 und die darauf folgende lange Abstinenz, freute sich die Szene über einen wieder heimgekehrten Messias, der sich seiner Prototypen-Tradition bewusst sei und diese langfristig weiter fortführen würde. Doch nach nur vier Saisons ist dieser Traum jetzt begraben.

Die Einzelentscheidung des Ausstiegs ist grundsätzlich nachvollziehbar. Der Porsche 919 Hybrid kam ans Ende seines Entwicklungszykluses. Das wurde vor allem bei den 24 Stunden von Le Mans deutlich. Zwar siegte Porsche beim Klassiker an der französischen Sarthe, doch in der Qualifikation fehlten dem Wagen knapp 2,5 Sekunden auf Toyota. Um 2018 noch konkurrenzfähig zu sein, hätten die Weissacher Ingenieure einen komplett neuen Motor entwickeln müssen. Doch wie sinnvoll wäre diese teure Arbeit, wenn Ende 2018 sowieso der Stecker gezogen worden wäre?

Und natürlich gibt es auch ganz viele Aspekte, die von Außen in keinster Weise sichtbar sind (und es auch nie sein werden) und die zu dem nun verkündeten Ausstieg ebenfalls beigetragen haben. Dennoch steht die Tatsache fest, dass die Zusage aus 2015 nicht eingehalten wurde. Die FIA WEC kommentierte den Abschied sogar als einen «überstürzten».

Auf der anderen Seite: Ginge man philosophisch das Thema an, müsste sogar darüber nachgedacht werden, ob in der heutigen Business-Welt, die geprägt ist von sich täglich ändernden Vorzeichen, langfristig bindende Zusagen überhaupt noch einhaltbar sein können.

Porsche setzt mit dem Einstieg in die Formel E (ab 2019) nun also auf das aktuell hübscheste Kind der Motorsport-Branche. Gerade in Zeiten, in denen sich Meldungen über Abgas-Skandale häufen, ist dies aus Marketing-Sicht sicherlich nicht die schlechteste Idee. Es liegt dabei jedoch an jedem Betrachter selbst, wie er diesen Schritt für sich persönlich bewertet – und vor allem, welche Werte ihm wichtig sind.

Nach Audi, BMW und Mercedes hat sich somit der vierte deutsche Hersteller für die so sauber wirkende Elektro-Rennserie entschieden. Damit stellt sich natürlich auch die Frage nach der grundsätzlichen Zukunft von Werksengagements im traditionellen Motorsport. Geht hier eine über Jahrzehnte andauernde Ära nun zu Ende?

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