2013 wird ein Übergangsjahr. Mal wieder!

Kolumne von Guido Quirmbach
FIA WEC
Das Reglement der Grand-Am passt auf keine andere Serie

Das Reglement der Grand-Am passt auf keine andere Serie

Vor einem Jahr noch konnte man bei den Sportwagen nicht nur vom Boom sprechen, es gab ihn auch. Und heute?

Vor 12 Monaten war die Sportwagen-Welt zumindest scheinbar in Ordnung.Audi und Peugeot lieferten sich einen faszinierenden Zweikampf derHersteller. Zu Recht forderte Peugeot vehement den offiziellen WM-Statusfür den bis dahin ILMC genannten World-Cup des Le-Mans-VeranstaltersACO. Toyota stand in den Startlöchern, um sich mit Audi und Peugeot inLe Mans erstmals zu messen und dann in der WM mitzumischen. Neben denWerksteams gab es engagierte Privatiers in der LMP1, und die LMP2erlebte bereits 2011 einen regelrechten Boom. Und auch die GT-Szeneinnerhalb des ILMC versprach Spannung, zwar haderte BMW noch mit einerFortsetzung im internationalen Geschäft, doch bei Corvette gab es 2011Andeutungen, sich möglicherweise werksseitig zu engagieren, auch dortbegrüsste man das WM-Programm.

Die ELMS hatte 2011 zwar volle Felder, ging aber vor allem medial in derILMC unter. Grund genug für den damaligen Promoter Patrick Peter,zukünftig eigene Wege zu gehen.

November 2012: Die WEC ist mit einem blauen Auge davongekommen. Dankdem Einsatz von Toyota, vor allem aber dank Audi und derenZugeständnissen. So fuhren in der zweiten Jahreshälfte zwei Audi gegeneinen Toyota. Kein Vergleich zu drei Audis gegen drei Peugeot, aberbitte, es war toller Sport. Doch dahinter? JRM, OAK, Strakka und diebeiden Rebellion, das waren insgesamt 5 private LMP1. Schöne Autos mitschönen Duellen auf der Piste, aber ein stabiler, privater Unterbausieht anders aus. Leider ist da für 2013 keine Besserung zu erwarten,auch wenn dann voraussichtlich auch Toyota zwei Werksautos über diegesamte Saison einsetzen wird. Ob vor allem die Japaner beim neuenReglement 2014 mitspielen, steht aber noch in den Sternen.

An den GT ging die WM vorbei. Das lag sicherlich zum einen daran, dasses für die GT keine WM gab. Jedenfalls nicht im Rahmen der WEC. Dennochhätte es wesentlich mehr geben müssen als gerade einmal vier Fahrzeugein der Pro-Kategorie. Schlimmer noch, es gab auch nur deren fünf bei denAmateuren. Wenn die eine Sportwagen-Serie nicht annehmen, ist etwasfaul. Da ist es auch nur ein schwacher Trost, dass die LMP2 die nichtnur quantitativ beste Klasse in der WM war. Das dürfte sich auch 2013nicht ändern.  Die  eigentliche GT-WM wurde nun auch eingestellt, leiderhatte sich trotz grossartigem Sport  kaum wer dafürinteressiert. Was sich bei der neuen FIA-GT-Series nicht ändern wird.

Ob die ELMS nach neuem Baumuster eine echte Alternative darstellt, wageich zu bezweifeln. Fünf Veranstaltungen mit Rennen über 3 Stunden, dasist wahrscheinlich nicht das Gelbe vom Ei. Vor allem die Verkürzung derRennen um die Hälfte geht an den Wünschen vieler Privatiers vorbei: Esfehlt ausreichend Fahrzeit! Wenn man ein Rennen zu zweit bestreitet,muss man die Kosten durch zwei teilen. Fährt man zu dritt, kommt mankaum noch zum Fahren. Dazu hat es das gleiche Rennformat wie dieBlancpain Endurance Series, die mit den in Anschaffung und Unterhaltgünstigeren, aber fast gleichschnellen GT3-Wagen ausgetragen wird.

Überhaupt GT3: Mit der Ankündigung, langfristig ein neues, weltweiteinheitliches GT-Reglement schaffen zu wollen, hat der ACO vor allemeins erreicht: Verunsicherung! Damit hat er seiner GTE-Klasse sicherkeinen Gefallen getan. Anstelle das zu nehmen, was es gibt, will erwieder etwas Neues. Neues, was wahrscheinlich wieder mit langerAnlaufzeit verbunden ist. Irgendwann wurde die GT1 zum Auslaufmodell undwurde von der GT2 als Spitzenklasse abgelöst, deren Funktion übernahmdie GT3. Nun ist die GT2, inzwischen zur GTE umbenannt, dasAuslaufmodell und wird von der GT3 als Spitzenklasse im GT-Sportabgelöst. Das sind normale Entwicklungen, so wird auch die GT3 inabsehbarer Zeit zum Auslaufmodell, wenn die Kosten die Schmerzgrenzeerreicht haben. Momentan nähert man sich der mit Riesenschritten.  DieRegelmacher sollten lieber heute an eine sinnvolle, kleinere Kategoriedenken, die dann spätestens dann vollwertig einspringen kann, wenn dieGT3 das Zeitliche gesegnet hat.

Und dann ist da noch Amerika. Die Grand-Am dümpelt seit zehn Jahren vorsich hin, die ALMS ist nach dem werksseitigen Ausstieg von Audi undPorsche Ende 2008 nur noch ein Schatten ihrer selbst. Das GTE-Feld istsicher noch qualitativ und quantitativ das beste der Welt, aber hat auchschon deutlich bessere Tage gesehen. Wenn schon Teams, wohlgemerktTeams und nicht Hersteller, BoP-Vergünstigungen bekommen, damit dieMarke auch in deren Händen erfolgreich ist, stimmt ebenfalls etwasnicht.

Nun spannen ab 2014 Grand-Am und ALMS zusammen. Oder die Grand-Am hatdie ALMS übernommen. Doch wie genau  ist eigentlich egal. Bleiben dieAmerikaner bei dem starren Grand-Am-Reglement mit den Daytona-Prototypenund deren merkwürdigem GT-Reglement, was sonst nirgendwo reinpasst, dannwerden sie bald unter sich sein, wie sie es bei der Grand-Am heuteschon sind. Die 24h von Daytona, Sebring und vielleicht inzwischen dasPetit Le Mans werden auch mit diesem Reglement überleben. Doch nur mitdrei gesunden Rennen ist auch eine solche Serie nicht wirtschaftlich zubetreiben.

Die Europäer und Japaner werden niemals Oval-Racing wie NASCAR oderIndyCar erfolgreich organisieren können. Die Amerikaner hattenerfolgreiche Sportwagen-Epochen, aber auch nur dann, als sie sich aneuropäische Reglements angepasst oder diese gar übernommen haben.

WEC, ELMS, GT1, Grand-AM, ALMS, es trifft fast für alle Serien zu: 2013wird, wie leider so oft schon, wieder einmal ein Übergangsjahr. Es gibtwohl im Motorsport keine Kategorie, die in der Historie schon so vieleÜbergangsjahre hatte.

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