Sportwagen-WM: Spannend wird die WM erst jetzt

Von Oliver Runschke
FIA WEC
Wie ist das Kräfteverhältnis in der WEC? Hat sich Toyota seinen Vorsprung im Sommer bewahrt?

Wie ist das Kräfteverhältnis in der WEC? Hat sich Toyota seinen Vorsprung im Sommer bewahrt?

Audi, Toyota oder Porsche: Wer hat in der Sommerpause seine Hausaufgaben am besten gemacht? Porsche hat das meiste Potenzial für einen guten Auftritt in der zweiten Saisonhälfte.

Le Mans überstrahlt alles – drei Monate nach dem Wirbel um das bedeutendste Langstreckenrennen der Welt geht das Tagesgeschäft in der Sportwagen-WM FIA WEC mit dem «Lone Star Le Mans», den 6h von Austin, nun seinen regelten Gang. Bis Mitte Juni dominiert nur das Rennen in Frankreich das Sportwagengeschäft, WM hin oder her. Nach der Le-Mans-Pause geht der Spass in der WEC nun aber erst richtig los und auch wenn Toyota die ersten beiden Saisonläufe über die Sechs-Stunden-Distanz dominierte, steht der WEC ein spannender Herbst ins Haus.

Der Audi-Le-Mans-Sieg macht fast vergessen, dass die Ingolstädter bei den beiden ersten Saisonrennen über ein viertel der Le-Mans-Distanz noch nicht in der Lage waren, aus eigener Kraft um Siege zu fahren. Auch in Austin wird wieder Toyota die Messlatte sein. Die Japaner gewannen in Silverstone und in Spa, machten bis zum Ausfall in Le Mans das Tempo und müssen folglich auch in Texas als Top-Favoriten gelten. Ab dem vierten WM-Lauf am Wochenende wird wieder die High-Downforce-Aerodynamik an die LMP1 geschraubt und Toyota fährt mit dem Aeropaket, dass dem TS040 in Silverstone einen Doppelsieg beschert hat. Dazu gibt es bei Toyota mit dem bisherigen Ersatz- und Testfahrer Mike Conway ein neues Gesicht im Cockpit.

Audi war in der Sommerpause nicht untätig, hat das Hybridsystem des R18 e-tron quattro optimiert, dazu gibt es für den V6-Diesel marginal andere Einstufungen. Joest Racing-Teamchef Ralf Jüttner: «Beim Kräfteverhältnis gab es minimale Verschiebungen: Uns steht pro Runde etwas weniger Diesel-Energie zur Verfügung, aber die Durchflussmenge, die einen Einfluss auf die Motorleistung hat, ist nun ein ganz klein wenig höher. Zugleich haben Toyota und Porsche minimal größere Betankungs-Durchflussbegrenzer bekommen. Daraus können sie einen leichten Vorteil bei den Boxenstopps ziehen. Ich erwarte ein sehr spannendes Rennen, bei dem wir um den Sieg kämpfen wollen.»

Audi-LMP1-Leiter Chris Reinke wittert einen minimalen Vorteil für Toyota und Porsche, die nach wie vor mit einem leistungsstärkeren Hybridsystem antreten: «Es gibt in Austin gleich mehrere enge Kehren, in denen potenziell die Hybrid-Rennwagen mit höheren Energiemengen einen Vorteil haben könnten. Aber wir treten mit einem betriebsoptimierten System in Texas an, weil auch wir siegfähig sein wollen.»

Dass das Rennen in Texas in die Nacht führt, könnte Audi in die Karten spielen und die R18 e-tron quattro näher an Toyota bringen. Sowohl in Spa wie auch in Le Mans wurden die Audi immer schneller, je tiefer die Sonne am Himmel stand. Das Rennen wird erst um 17:00 Uhr Ortszeit (Mitternacht in Deutschland) gestartet, für Audi sicherlich kein Nachteil.

Das grösste Potenzial hat für die zweite Saisonhälfte hat Porsche. Bei den ersten drei Saisonrennen war der 919 Hybrid schon überraschend schnell, ab Austin wird der Schwaben-LMP1 mit einer neuen Aerodynamik für viel Abtrieb ausgerüstet. Wie die aussieht, weiss so recht noch niemand. Für die Bilder, die Porsche von Tests auf dem Lausitzring und in Magny-Cours veröffentlicht hat, haben die Stuttgarter eigens die alte und bekannte Aero auf den 919 geschraubt.

Die neue Aero wird Porsche in Austin brauchen, denn der «Circuit of the Americas» ist deutlich langsamer als die bisherigen drei Strecken, wo Topspeed die entscheidende Waffe war. Porsche hat nicht nur an der Aero gearbeitet, sondern intensiv auch an der Rennperformance, die zu Saisonbeginn noch hinter die Zuverlässigkeit ins zweite Glied rücken musste.

Wie ernst man Porsche bei den noch ausstehenden fünf Rennen auf Kursen, auf denen viel Abtrieb gefragt ist, nehmen muss und wie spannend die WM wirklich noch wird, zeigt sich am Wochenende. Kurios: Im Gegensatz zu den Audi- und Toyota-Piloten kennt keiner der Porsche-Kutscher die Strecke aus der LMP1-Perspektive.

Porsche-Projektleiter Fritz Enzinger ist überzeugt auch in der zweiten Saisonhälfte an der Spitze mitzumischen: «Mit der Mannschaft in Weissach haben wir Zuverlässigkeitsprobleme und eine beträchtliche Liste an Detailverbesserungen für die verbleibenden fünf WM-Läufe abgearbeitet. Unser neues Aerodynamikpaket für den Porsche 919 Hybrid hat beim Testen auf Anhieb funktioniert. Wenn wir es schaffen, das alles im Rennen umzusetzen, habe ich keinen Zweifel an unserer Konkurrenzfähigkeit, und dann sollten auch die Ergebnisse entsprechend gelingen.»

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