Mario Isola (Pirelli): «Diese Reifenregel ist Unsinn»

Von Adam Cooper
Formel 1
​Stellen Sie sich vor, eine Firma hat ein besseres Produkt zu bieten, aber sie darf es nicht auf den Markt bringen. Merkwürdig? Mitnichten. Genau das droht Pirelli in der Formel 1 mit den neuen Regenreifen.

Nachdem die Formel-1-Fahrer nicht mit Kritik gespart hatten an den Regenreifen von Pirelli, haben die Mailänder reagiert. In Paul Ricard (Südfrankreich) ist im Juni mit Red Bull Racing ein neuer Regenreifen ausprobiert worden, mit McLaren-Honda folgte der nächste Test auf nasser Bahn im Juli in Magny-Cours. Aber mehr lag vom Reglement her nicht drin.

Pirelli-Formel-1-Projektleiter Mario Isola: «Wir werden auch weiterhin eine härtere und eine weichere Mischung bauen. Wir entscheiden von Piste zu Piste, welche dieser blau gekennzeichneten Regenreifen wir mitnehmen. Wir haben komplett neue Regenwalzen entwickelt, die wir bei zwei Tests ausprobieren konnten. Aber wir brauchen noch mehr Erkenntnisse, bevor wir die heutigen Reifen ersetzen.»

Nun steht Pirelli jedoch das Reglement im Weg: Denn dort ist verankert, dass der Alleinausrüster der Formel 1 bis 1. Dezember des Vorjahres die entsprechenden Mischungen der neuen Saison homologieren lassen muss.

Isola hofft nun, dass die FIA über ihren Schatten springt – und aus Sicherheitsgründen die Einführung des neuen Reifens auch während der laufenden Saison erlaubt.

Isola: «Sollte sich bestätigen, dass die neuen Regenreifen einen erheblichen Fortschritt darstellen, dann werde ich Rennleiter Charlie Whiting um eine Sondererlaubnis bitten, diese Reifen schon früher einzuführen. Für mich ist es Unsinn, ein besseres Produkt anbieten zu können und nicht einsetzen zu dürfen. Wenn wir bei den Autos Änderung basierend auf der Sicherheit ohne die üblichen Vorlaufzeiten umsetzen können, dann sollte das auch für Reifen gelten. Schliesslich haben alle etwas davon.»

«Wenn wir bei den profillosen Trockenreifen, also den Slicks in der Saison keine anderen Reifen einführen, dann finde ich das selber auch gut. Weil dies die Balance einer Weltmeisterschaft verändern könnte – der neue Reifen passt vielleicht besser zum einen Auto als zu einem anderen. Aber Regenreifen werden selten gebraucht, da lasse ich dieses Argument nicht gelten.»

In Texas konnte kurz mit unmarkierten Regenreifen gefahren werden, aber die Piste trocknete schnell ab. Nach Brasilien brachte Pirelli Versuchsreifen mit, doch am Freitag blieb das Wetter stabil.
Mario Isola: «Wir haben in Austin neue Intermediates versucht, von einer weicheren Mischung, aber bei gleicher Konstruktion. Die Ergebnisse entsprachen unseren Erwartungen. Die Reifen wärmten schneller auf und boten mehr Haftung, aber sie sind deutlich weicher als die gegenwärtigen Walzen. In Mexiko montierten wir keine Regenreifen, weil das Wetter schön blieb. Wir hofften dann auf den Freitag von Interlagos, aber auch da lachte die Sonne.»

Der geplante Zweitagestest mit McLaren schliesslich wurde nach den Überfällen auf Mitglieder des Formel-1-Zirkus abgesagt.

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