Lewis Hamilton: Sie sagten mir – aus dir wird nichts

Von Mathias Brunner
Formel 1
Lewis Hamilton

Lewis Hamilton

​Formel-1-Champion Lewis Hamilton schwimmt gegen den Strom. Er hat Ecken und Kanten, das polarisiert. Im Gegensatz zu anderen Piloten gibt der Mercedes-Star aber immer wieder viel von sich preis.

Einer der Momente des Jahres war für mich: Eine Pressekonferenz in Singapur, bei welcher Mercedes-Star Lewis Hamilton davon zu sprechen beginnt, wieso er vegan leben will. Und dann einen Bogen schlägt zu seiner Sorge über den Zustand unserer Welt. Seine Gedanken, die er mit den Medienvertretern teilte, lesen Sie hier lesen Sie hier.

Lewis Hamilton polarisiert, das erleben wir in Form vieler Reaktionen der Fans. Vielleicht spaltet der vierfache Champion die Menge auch, weil er sich seiner Ecken und Kanten nicht schämt. In der Menge mitschwimmen, das liegt ihm weniger.

Hamilton ist einer der wenigen modernen Formel-1-Fahrer, sich sich nicht davon scheuen, sehr persönlich zu werden. Das macht ihn verletzlich, das zeugt aber auch von Selbstsicherheit.

Hamilton besitzt die grösste Fangemeinde aller GP-Fahrer. Das liegt nicht nur an seiner starken Präsenz auf den sozialen Netzwerken. Das liegt eben auch daran, dass er etwas von sich preisgibt. So wie jetzt bei einer Zusammenarbeit mit Mercedes-Rennstallpartner UBS. In einem Film für die Schweizer Grossbank erlaubt der Engländer tiefe Einblicke in die Psyche eines Champions.

«Wenn du in Angst lebst, dann wirst du ein Gefangener der Furcht. Ich bin kein Gefangener. Ich bin frei. Ich bewege mich, wo immer ich hin will. Für mich ist das eine Geisteshaltung. Wenn sich die Angst einschleicht, dann erzeugt das Unsicherheit. Ich bin glücklich genug, das nicht zu haben.»

Hamilton blättert weit zurück: «Als ich anfing, da war das alles einfach nur Spass. Der Kartsport machte mir Freude, und ich war nicht schlecht, auch wenn ich nicht immer überall gut gewesen bin. Ich hatte beispielsweise Mühe in der Schule. Auf die Rennstrecke hinauszufahren, das schenkte mir die Möglichkeit, mich zu entfalten. Die Anerkennung für eine gute Leistung in den Augen meines Vaters zu sehen, Rennen zu gewinnen, das sind wunderschöne Gefühle, also wandte ich mich mehr und mehr dem Sport zu.»

«In Rennsport lesen die Leute die ganzen Geschichte der älteren Fahrer, was sie alles erreicht haben und wie sie das schafften. Dann stellen sie sich vor einen jungen Piloten wie mich hin und sagen – du muss das so machen, um der Beste zu werden. Aber das halte ich für falsch. Die Fahrer damals mussten das auf ihre Weise machen, um an die Spitze zu gelangen. Aber für alle Anderen ist der Weg anders.»

«Natürlich kannst du dich inspirieren lassen von Sportlern, die ständig gegen Widerstände kämpften und sich unaufhörlich verbessern wollten. Du kannst ihrem Beispiel folgen und dir sagen: Heute arbeite ich noch härter an mir.»

«Ich kann mich gut an Videos von Ayrton Senna erinnern, die ich mir anguckte. Ich hatte Poster von Muhammad Ali an der Wand. Ich staunte darüber, wie der Boxer in der Öffentlichkeit auftrat. Seine Mentalität erfüllt mich mit der Vorstellung – wenn er das alles schafft, dann kann ich das auch. Das finde ich fabelhaft, denn ich bin nun selber in der Situation, dass ich für jüngere Menschen eine solche Vorbildrolle übernehmen kann.»

«Wir tragen alle Besonderes in uns. Es ist nur die Frage, ob wir wirklich an uns selber glauben und dieses Potenzial erschliessen können.»

«Klar hatte ich ich Höhen und Tiefen. Klar schleichen sich hin und wieder Bedenken und Sorgen ein. Allein, wenn ich daran denke, was mein Vater alles geleistet hat, um die Familie zu ernähren und mich auf der Kartpiste zu halten. Dort hat sich bei mir der Funke entzündet.»

«Es gab Eltern anderer Fahrer, die zu mir gekommen sind und meinten: Du bist nicht gut genug, du schaffst es nie. Ich hatte Lehrer, die mir sagten, aus mir würde nie etwas. (Kichert.) Ich meine: Erwachsene sagen einem Zehn- oder Elfjährigen, dass aus ihm nie etwas Gescheites wird. Solche Begebenheiten haben mich nur noch entschlossener gemacht, es ihnen allen zu zeigen. Es gab mir weitere Stärke, die Hürden in meinem Leben zu überwinden.»

«Und immer konnte ich mich immer auf meinen Dad verlassen, der mir den Rücken stärkte. Das ist etwas, das dir unheimlich Kraft schenkt.»

«Ich musste als Fahrer meinen eigenen Weg finden. Ich wusste: Es wird auf die Dauer nicht funktionieren, wenn mir andere sagen, was ich tun soll. Also ging ich meinen Weg basierend auf Versuch und Scheitern.»

«Noch heute ist es so: Wenn ich auf die Rennstrecke gehe, dann entdecke ich immer wieder etwas Neues. Ich fahre nicht für Andere, ich fahre nur für mich selber. Ich fahre nicht, um meinen Wert jemandem zu beweisen. Ich fahre, weil ich es liebe. Ich weiss: Wenn ich weiterhin hart genug arbeite, dann kann ich Grosses erreichen.»

«Ich bin an der Spitze der Königsklasse angekommen. Aber ich habe noch immer das Gefühl, mich weiter zu entwickeln. Ich bin alles andere als perfekt. Ich habe noch sehr viel zu lernen. Ich habe 25 harte Jahre investiert, um dahin zu kommen, wo ich heute bin. Mir ist klar, dass Erfolg brüchig ist. Ich glaube auch, dass mir das alles nicht zu Kopfe gestiegen ist. Ich finde nicht, dass ich etwas Besseres bin, nur weil ich mich Weltmeister nennen darf.»

«Ich bin in einer Phase meines Lebens, in welcher ich mehr Wissen abseits der Strecken aufbaue. Es ist nicht so, dass ich im Sport auf Autopilot fliege, aber ich kenne den Sport nach all den Jahren durch und durch. Doch früher oder später wird die Karriere enden. Wenn ich bis dahin nicht meine Hausaufgaben gemacht habe, was andere Dinge in meinem Leben betrifft, dann könnte ich feststecken und keinen Schimmer haben, was ich nun mit mir anfangen will.»

«Wenn ich Neues abseits des Sports lerne, dann stellt sich erneut die Frage: Bin ich dafür gut genug? Aber ich weiss – wenn ich mich so reinhänge wie für den Rennsport, dann kann ich fast alles erreichen.»

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