Pierre Gasly über toten Freund: «Hat Jahre gedauert, das zu verarbeiten»
2019 verlor der heutige Alpine-Pilot Pierre Gasly seinen Freund Anthoine Hubert bei einem Unfall in der Formel 2. Gasly über seine Trauer und einen Moment mit seinem Freund, an den er oft zurückdenkt.
Es ist ein Rennwochenende, das wohl allen Motorsport-Fans in Erinnerung geblieben ist: Am 31. August 2019 verunfallte Anthoine Hubert in Spa-Francorchamps tödlich. Er wurde nur 22 Jahre alt. Der heutige Alpine-Pilot Pierre Gasly war eng mit Hubert befreundet. Er erlebte auch schon vor dem Unfall ein emotionales Wochenende, war gerade von Red Bull Racing zu Toro Rosso zurückbeordert worden. Mit Gespräch mit formula1.com sagte Gasly über das bislang emotionalste Wochenende seines Lebens: «Am Donnerstag kam ich an der Rennstrecke an und es waren alle Kameras auf mich gerichtet. So viele Fragen zu meinem Teamwechsel, wie ich mich fühle und so weiter. Es war keine positive Energie, ich wollte einfach nur mein Ding machen. Da war viel Negativität und ich wollte einfach nur fahren. Und dann kam der Samstag…»
Am Samstag, diesem 31. August 2019, fuhr die Formel 2 das erste Rennen des Wochenendes. In der zweiten Rennrunde kam es zum schweren Unfall zwischen Gaslys Freund Anthoine Hubert und Juan Manuel Correa. Hubert starb, Correa wurde schwerverletzt.
«Wir waren damals wie Brüder»
Gasly und Hubert kannten sich seit Jahren: «Wir waren im Alter von etwa zehn bis 15 Jahren im selben Nachwuchsprogramm. Wir waren Mitbewohner, Klassenkameraden, haben zusammen gefrühstückt, Mittag gegessen, gemeinsam trainiert. Wir haben einander herausgefordert. Wenn ich 13 Liegestütze gemacht habe, hat er 14 gemacht und ich dann 15. Wir haben immer mehr auseinander rausgeholt. Wir waren damals wie Brüder, haben im Prinzip zusammengewohnt, sind gemeinsam aufgewachsen, sind im Kart gegeneinander gefahren.»
Doch dann kam der 31. August 2019. Gasly war natürlich auch an der Rennstrecke, hatte gerade ein Meeting: «Ich habe wie immer versucht, das Formel-2-Rennen zu schauen. Ich habe den Unfall gesehen, die rote Flagge. Am Anfang wusste ich nicht, wer am Unfall beteiligt war, nur, dass es schlimm aussah. Mein Teammanager hat mir dann gesagt, dass Anthoine involviert war. Als dann das Briefing beendet war, bin ich sofort runtergelaufen in die Hospitality und habe versucht, mehr Infos zu bekommen. Als ich die Treppen runter bin, habe ich in der Ferne meine Eltern gesehen, die geweint haben. Da habe ich dann leider direkt verstanden, was passiert war, und ich dachte nur… Wow… Es war einfach nur schmerzhaft.»
Gasly: «Es ist nicht das erste Mal gewesen, dass ich so etwas mit einem meiner engsten Freunde durchleben musste. Ich hatte zwei Jahre zuvor einen Freund zu Hause verloren. Dann Anthoine, dem ich extrem nahestand. Und 18 Stunden später hat man dann einen Grand Prix. Die Leute fragen mich das ganze Wochenende über meine Versetzung aus, aber wenn man sich das Gesamtbild anschaut, geht es im Leben um so viel mehr als das.»
«Es hat Jahre gedauert, so richtig zu verarbeiten, was passiert ist.»
Rückblickend sagt Gasly: «Es war extrem schwierig, mit diesen ganzen Emotionen klarzukommen. Es hat Jahre gedauert, so richtig zu verarbeiten, was passiert ist, und das Leben so zu akzeptieren, wie es ist.» Jedes Jahr in Spa veranstaltet Gasly beim Belgien-GP nun zum Gedenken einen «Lauf für Anthoine» über die Strecke, legt Blumen an der Unfallstelle nieder.
Gasly: «Man lernt in der Schule und von den Eltern viel. Aber man lernt nie, wie man in solchen Situationen mit sich selbst umgeht. Eine Sache, die ich bereue, ist, als ich in Budapest nach dem Rennen mit Anthoine feiern war.» Also beim letzten Rennen vor der Sommerpause. Spa war der erste GP nach der dreiwöchigen Pause. Gasly: «Ich wollte nicht zu spät nach Hause kommen, habe also etwas früher die Party verlassen. Ich habe Anthoine gesucht und schließlich draußen auf der Terrasse gefunden auf dem Weg nach draußen. Ich habe ihm zugewunken und einen schönen Sommer gewünscht, ‹Wir sehen uns in Spa›. Ich hatte in Spa nicht mehr die Gelegenheit, ihn vor dem Unfall zu sehen. Ich wünschte nur, ich hätte im Club länger gewartet, ihn vielleicht umarmt oder anders verabschiedet. Es hat mich gelehrt, die Momente zu schätzen zu wissen mit den Menschen, die wir leben, und nichts für selbstverständlich zu halten.»
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