History: GP-Exoten – Drogen, Fusstritte, Adel, Mäuse
Formel-1-Fans aus neun Ländern mussten sehr genügsam sein: Lediglich ein Fahrer ihrer Nation hat es in die Formel 1 geschafft. Nur einer von ihnen hat gewonnen. Sie alle verbindet kuriose Lebensläufe.
161 verschiedene Fahrer aus Grossbritannien haben an Läufen zur Formel-1-WM teilgenommen, seit die Königsklasse in Silverstone 1950 aus der Taufe gehoben wurde. 99 Fahrer aus Italien haben bei den WM-Läufen mitgekämpft, dazu 71 aus Frankreich. Ein so kleines Land wie die Schweiz hatte immerhin 24 Fahrer, Österreich brachte 16 Piloten hervor, Deutschland 52.
Neun Länder haben in der Formel-1-Historie einen gemeinsamen Nenner: Nur ein Pilot ihres Landes hat es in die Formel 1 geschafft. Die Geschichten dieser Grand-Prix-Exoten sind teilweise kurios.
Chile: Eliseo Salazar
1981–1983
24 Grands Prix
Beste Platzierung: 5. in Imola 1982
In der Formel 1 hat er zwar keine Bäume ausgerissen, aber in seiner Heimat Chile ist Eliseo Salazar ein Volksheld. Der heute 63-Jährige aus Santiago, der von 1981 bis 1983 insgesamt 24 Grand Prix bestritt und dabei immerhin drei WM-Punkte erzielte, wurde im GP-Sport vor allem durch eine skurrile Szene berühmt. In Hockenheim 1982 schoss er den Brabham-Star Nelson Piquet ab, als der Brasilianer den ATS-Fahrer überrunden wollte. Piquet sprang fuchsteufelswild aus seinem Renner und deckte Salazar mit Boxhieben und Fusstritten ein, die Bilder gingen damals um den ganzen Planeten. Die Szene sehen Sie hier:
2013 holte der heute 32-Jährige den WRC2-Titel. 2014 bestritt er die komplette WM, ein sechster Rang in Argentinien war das Highlight. Doch Kubica träumte immer davon, auf die Rundstrecke zurückzukehren. Im Sommer fuhr er einen Test für Renault, aber den gelben Renner für 2018 erhielt Carlos Sainz. Im November sass Kubica im Williams, aber den GP-Stammplatz für 2018 erhielt der Moskauer Sergey Sirotkin. Immerhin hat Williams Kubica als Test- und Ersatzfahrer verpflichtet, der regelmässig im Simulator sitzen wird und den echten Rennwagen testet, bei der Saisonvorbereitung in Barcelona, in Freitagtrainings sowie bei Testfahrten. Der Traum geht also weiter.
Thailand: Prinz Birabongse Bhanudej Bhanubandh
1950–1955
19 Grands Prix
Beste Platzierung: 4. in Bremgarten 1950 und in Reims 1954
Der in Bangkok geborene Prinz Bira (voller Name: Birabongse Bhanutej Bhanubhandhu) war Sohn von Prinz Bhanurangsri Sawangvongse und Enkel von König Mongkut (1851 bis 1868 König von Siam, heute Thailand). Der Prinz wurde in seiner Heimat erzogen, bis er 13 Jahre alt war, dann ging es für die weitere Ausbildung nach Grossbritannien – ans Eton-College und die Uni von Cambridge. Sein Cousin Prinz Chula Chakrabongse brachte ihn zum Rennsport, da war Bira erst 21 Jahre alt. Zunächst bewegte der Prinz ERA-Renner in der Voiturette-Klasse, aus welcher später die Formel 2 hervorging. Bira schlug sich sehr gut und gewann unter anderem den Voiturette-GP von Monaco 1936.
Nach dem Weltkrieg nahm er an zahlreichen Formel-1-Rennen teil, darunter an 19 WM-Läufen im Rahmen der Weltmeisterschaft. Markenzeichen: sein blau-gelber Maserati. Sein Cousin organisierte inzwischen die Einsätze des White-Mouse-Teams, auf deren Wagen wirklich eine weisse Maus aufgepinselt war! Bira trug die Maus auch auf seinem Helm. 1955 trat Bira vom Rennsport zurück und wurde ein erfolgreicher Segler. Vier Mal trat er für Thailand bei Olympischen Sommerspielen an. 1985 erlag Prinz Bira im Alter von 71 Jahren in London einem Herzinfarkt.
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