Erste Fotos: Der neue Williams FW41-Mercedes

Von Mathias Brunner
Formel 1
​In London ist am Donnerstagabend der Williams FW41 präsentiert worden, Hoffnungsträger des englischen Traditionsrennstalls. Mit diesem Auto sollen sich die jungen Lance Stroll und Sergey Sirotkin behaupten.

Zu Beginn der Turbo-Ära sah für Williams alles vielversprechend aus: 2014 und 2015 wurde der drittälteste Formel-1-Rennstall (nach Ferrari und McLaren) jeweils WM-Dritter, hin und wieder wurden die beiden Top-Teams tüchtig geärgert, 2014 waren das Mercedes und Red Bull Racing, 2015 dann Mercedes und Ferrari. Das erklärte Ziel des damaligen Technikchefs Pat Symonds: Der erste Sieg seit Pastor Maldonado 2012 in Barcelona musste her.

Aber 2016 folgte die grosse Ernüchterung: Rückfall auf WM-Rang 5 hinter Mercedes, Red Bull Racing, Ferrari und Force India. Pat Symonds wurde verabschiedet, Paddy Lowe kam von Weltmeister Mercedes zu Williams, als Technikchef und Teilhaber.

2017 wurde der 18jährige Lance Stroll von seinem Vater Lawrence Stroll bei Williams eingekauft. Felipe Massa wurde aus dem Ruhestand geholt, weil Valtteri Bottas zu Mercedes zog. Die Saison verlief enttäuschend: Williams konnte von Glück reden, dass Renault den grössten Teil der Saison lang ein Einwagen-Team war, das aus Nico Hülkenberg bestand. Jolyon Palmer versagte meist. Toro Rosso verlor zu viele Punkte wegen der mangelnden Standfestigkeit der Renault-Aggregate. Und McLaren hatte den Mühlstein namens Honda-Motor am Bein. So wurde Williams wieder WM-Fünfter.

Und nun soll der Platz gegen die starken Mittelfeld-Teams ausgerechnet mit dem jüngsten Fahrerduo verteidigt werden, mit Lance Stroll (19) und Sergey Sirotkin (22). Die bringen eben mal 20 Grands Prix Erfahrung mit, die allesamt der Kanadier Stroll beisteuert, denn Sirotkin ist ein GP-Novize.

Dennoch glaubt Paddy Lowe fest an seine beiden Talente, und ihr Arbeitsgerät soll helfen, reiche Ernte einzufahren – der neue Williams FW41 mit dem bärenstarken Mercedes-Motor.

Paddy Lowe: «Wir mussten im Sommer 2017 entscheiden, ab welchem Punkt wir die Ressourcen auf die Entwicklung des neuen Autos verlegen wollten. Das war eine Aufgabe, die allen Mittelfeld-Rennställen wohl einiges Kopfzerbrechen bereitete.»

Der in Nairobi (Kenia) geborene Brite sagt: «Wir haben am Wagen beträchtliche Änderungen vorgenommen. Es gab einige Bereiche, in welchen wir die Fahrzeugphilosophie ändern mussten.»

Der FW41 ist das erste Williams-Modell, das die Handschrift von Lowe trägt. Auf den Fotos sind interessante Bereiche wie die seitlichen Luftleitelemente (barge boards) in Schwarz gehalten, das verwischt Konturen. Auffällig weiss hingegen der Kopfschutz Halo. Das Hauptelement seitlich des Lufteinlasses der Seitenkästen ist überdies sehr simpel – das ist kaum die Version, die wir Ende Februar bei den Wintertests erleben werden.

Williams zeigt die gleichen Luftleiter am oberen Ende der Seitenkästen, die Ferrari 2017 salonfähig gemacht hatte und inzwischen auch am neuen Force India zu erkennen waren.

Die Frontflügellösung erinnert hingegen an den Weltmeister-Silberpfeil von Mercedes-Benz. Bei so viel Schwarz kaum zu erkennen: ein Luftleiter unter der Fahrzeugnase à la Mercedes.

Williams enthüllte in London kein Auto, sondern zeigte lediglich Bilder. Auch dies ein Kniff, um der Konkurrenz nicht zu früh zu viel zu verraten.

Ebenfalls fällt auf: In die Nase eingebaut ist ein S-Schacht, der dabei hilft, die Luft eng am Wagenkörper geschmiegt zu halten. Die Luft wird unter der Überlebenszelle abgezweigt und tritt an der Oberseite des Monocoques in Form eines Schlitzes wieder aus. Weil der Luftkanal durch die Nase S-förmig verläuft, heisst dieser Kniff «s-duct» oder S-Schacht. Der S-Schacht hilft der Umströmung von Nase und glättet den Luftstrom zu Seitenkästen, Airbox und Heckflügel hin.

Nur wer das Foto von Williams einer starken Überbelichtung aussetzt, erkennt – Paddy Lowe hat einen Bereich unter dem Heckflügel genutzt, um einen Zusatzflügel unterzubringen. Die so genannten T-Flügel, die filigranen, an Kleiderbügel erinnernden 2017er Elemente am oberen Bereich der Haiflosse sind zwar zum Glück verschwunden, aber wo die Airbox abfällt, ist ein Bereich geblieben, in welchem die Team etwas mehr Abtrieb finden können.

Technikchef Paddy Lowe spricht von «grossen Fortschritten bei der Aerodynamik». Dabei spielt auch der neue Aerodynamikchef Dirk de Beer eine grosse Rolle, der seine Arbeit wie Paddy Lowe Anfang 2017 aufgenommen hatte und zuvor bei Ferrari tätig war.

Lowe: «Die meisten Neuheiten am FW41 fallen nicht sofort auf. Was aber gewiss sein sollte – wir wenden uns vom bisherigen aerodynamischen Konzept ab, und das hat es uns erlaubt, erhebliche Fortschritte zu erzielen. Natürlich sind die meisten Autos in der Regel eine Entwicklung des Vorgängermodells, aber beim FW41 beschreiten wir neue Wege. Wir erhoffen uns von diesem Auto einen stattlichen Vorteil in Sachen Leistungsfähigkeit.»

Claire Williams, Tochter von Firmengründer Sir Frank Williams: «Ich freue mich sehr, endlich das Auto zeigen zu können und eine so aufregende Fahreraufstellung zu haben wie mit Lance, Sergey und Robert Kubica. Wir haben in den vergangenen Monaten sehr viel Arbeit in den FW41 gesteckt, und wir können es nicht erwarten, damit auf die Bahn zu gehen.»

«Lance hat 2017 einige überaus eindrucksvolle Rennen gezeigt, wir fanden seine Debütsaison bemerkenswert. Er war der einzige Fahrer abgesehen von den Piloten der Top-Teams, der einen Podestplatz erringen konnte. Darauf wollen wir aufbauen.»

«Wir freuen uns, dass wir Sergey und Robert im Team haben. Sergey hat bei seinem Test die Techniker tief beeindruckt. Und Robert wird uns mit seiner gewaltigen Erfahrung dabei helfen, als Team weiter zu wachsen.»

Robert Kubica meint: «Es ist eine Weile her, dass ich Teil eines Formel-1-Rennstalls war, es fühlt sich gut an! Ich bin wieder zurück, obgleich in einer etwas anderen Rolle. Aber ich bin wieder fester Bestandteil des GP-Fahrerlagers.»

Kubica spricht von Freitageinsätzen in Barcelona und Österreich, Williams selber hatte bei der Verpflichtung des Polen erklärt, ihn auch im Rahmen der kommenden Wintertests einsetzen zu wollen, dazu bei den Testfahrten innerhalb der Saison.

Die wichtigsten Termine 2018

Team-Präsentationen
19. Februar: Red Bull Racing (Internet)
20. Februar: Renault (Internet)
20. Februar: Sauber (Internet)
22. Februar: Ferrari (Maranello)
22. Februar: Mercedes (Silverstone)
23. Februar: McLaren (Internet)
26. Februar: Toro Rosso (Barcelona)

Wintertests
26. Februar bis 1. März: Cirucit de Barcelona-Catalunya
6. bis 9. März: Circuit de Barcelona-Catalunya

Testfahrten innerhalb der Saison
15./16. Mai: Circuit de Barcelona-Catalunya
31. Juli/1. August: Hungaroring

Formel-1-WM
25. März: Australien (Melbourne)
8. April: Bahrain (Sakhir)
15. April: China (Shanghai)
29. April: Aserbaidschan (Baku)
13. Mai: Spanien (Barcelona)
27. Mai: Monaco (Monte Carlo)
10. Juni: Kanada (Montreal)
24. Juni: Frankreich (Le Castellet)
1. Juli: Österreich (Spielberg)
8. Juli: Grossbritannien (Silverstone)
22. Juli: Deutschland (Hockenheim)
29. Juli: Ungarn (Budapest)
26. August: Belgien (Spa-Francorchamps)
2. September: Italien (Monza)
16. September: Singapur
30. September: Russland (Sotschi)
7. Oktober: Japan (Suzuka)
21. Oktober: USA (Austin)
28. Oktober: Mexiko (Mexiko-Stadt)
11. November: Brasilien (São Paulo)
25. November: Abu Dhabi (Insel Yas)

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