Barcelona: Ricciardo 1., Alonso (McLaren) rückt vor

Von Mathias Brunner
Formel 1
​Kurze Zwischenbilanz nach dem ersten Testtag auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya: Die Renault-befeuerten Autos sind gut unterwegs, das Wetter macht den zehn Rennställen grosse Sorgen.

«Gebt nicht allzu viel auf die Zeitenliste in dieser Woche», hatte uns Christian Horner gewarnt, Teamchef von Red Bull Racing. «Denn erst in der zweiten Woche werden die Top-Teams ihre scharfen Bauteile aus den Transportkisten zaubern. Dies um zu verhindern, dass die Konkurrenz das noch im Windkanal nachbauen und austesten kann. Erst dann werden wir einen Anhaltspunkt erlangen, wo wir wirklich stehen.»

Auf den ersten Blick steht Red Bull Racing mit dem TAG-Heuer genannten Renault-Motor ganz manierlich da: Bestzeit für den fünffachen GP-Sieger Daniel Ricciardo. Der Australier legte als einziger Fahrer mehr als 100 Runden zurück, damit war er der fleissigste Fahrer auf der Bahn, vor – wir staunen –Brendon Hartley im Toro Rosso-Honda!

Die Arbeit an diesem Montag war elementar. Nicht nur, um die Saison auf dem richtigen Fuss zu beginnen, wie es Horner genannt hat, sondern auch deshalb, weil die spanischen Wetterfrösche quaken – besser wird es nicht. Schon am Montagnachmittag begann es zu regnen, morgen sollen sogar weisse Flocken fallen, über sechs Grad wird es nicht warm. Da kann keiner etwas über das Verhalten der Reifen lernen. Auch am Mittwoch könnte es schneien. So weit zum wettersicheren Barcelona.

Drei Renault-motorisierte Renner unter den schnellsten Sechs – die Franzosen scheinen echte Fortschritte gemacht zu haben. Nico Hülkenberg im gelben Werksrenner hielt lange die Bestzeit und ist bestens gelaunt. «Gemessen am ersten Testtag vor einem Jahr ist das ein Riesenunterschied, wir haben viele Fortschritte gemacht und es lief super. Ich habe mich gleich von Anfang an wohl gefühlt. Das Auto war zuverlässig und deshalb konnten wir jedes einzelne Detail unseres Programms abarbeiten. Das passiert am ersten Tag nicht so oft. Unsere Jungs haben da einen super Job gemacht und sich optimal vorbereitet.» Nach einem halben Tag übernahm Carlos Sainz den Wagen und tauchte nach wenigen Runden auf Rang 6 auf.

Die Arbeit aufteilen, das hat Schule gemacht: Mercedes begann damit im vergangenen Jahr, um die Fahrer frisch zu halten. Am ersten Barcelona-Testtag gingen auch Renault und Williams so vor.

Fernando Alonso unterstrich im neuen McLaren, dass Renault Fortschritte gemacht hat: fünftbeste Zeit. Dabei verlor der Asturier mehrere Stunden, in welchen sein Auto gründlich gereinigt werden musste. Dies nachdem er das rechte Hinterrad verloren hatte. «Ein Problem mit der Radmutter», wie McLaren-Direktor Zak Brown verriet.

Wie wenig die Zeit für den Wohlfühlfaktor bedeutet, das zeigte Sauber-Teamchef Frédéric Vasseur. Der Franzose zeigte sich von der Arbeit mit dem neuen Auto sehr angetan. «Wir sammeln viele Aero-Daten, das ist eine Arbeit, die ein Racer wie Marcus Ericsson natürlich nicht so schätzt. Aber es gehört eben auch dazu. Am ersten Tag eines Wintertests musst du reichlich Kilometer fahren, um Daten zu sammeln.»

Was Vasseur meinte, zeigte sich an fast allen Autos: Zahlreiche Autos rückten mit grossen Messgittern aus, um Strömungswerte zu erfassen. Viele Rennställe schmierten Teile des Autos mit der zähflüssigen Paste FloViz ein. Bei der Rückkehr des Piloten an die Box werden Luftströmungen auf diese Weise sichtbar gemacht.

Trotz klammer Temperaturen konnten die Pirelli-Reifentechniker feststellen: Bereits sind Daniel Ricciardo (Red Bull Racing) und Valtteri Bottas (Mercedes) auf mittelharten Reifen schneller gefahren als vor einem Jahr mit der gleichen Mischung. Das liegt zum einen daran, dass die Mailänder ihre Walzen generell weicher gestaltet haben. Und andererseits daran, dass die Barcelona-Bahn einen neuen Asphalt erhalten hat, «der tüchtig Grip bietet», wie Renault-Fahrer Nico Hülkenberg festgesellt hat.

Während des Tests fiel die Temperatur von elf auf sechs Grad, was für Luft und Asphalt gilt. Das erschwert den Teams den Lerneffekt. Sauber und Haas brachen den Tag vorzeitig ab – so liess sich nicht mehr viel lernen.

Die grösste Spielwiese der Aerodynamiker: Der Bereich zwischen den Vorderrädern und dem Eingang der Seitenkästen. Die Luftleit-Elemente sind wahre Kunstwerke. Alleine am RBR-Renner haben wir da zehn verschiedene Elemente entdeckt, und die Konkurrenz arbeitet ähnlich aufwändig. Im Auge der Techniker ist hier eine saubere Anströmung von Heck und Unterboden, aber auch optimierte Kühlung. Wer effizienter kühlt, der kann die Lufteinlässe verkleinern, und das wiederum verbessert den Luftwiderstand. Kleiner Kühler bedeutet auch: noch extremere Taillierung der Seitenkästen. Auch das verbessert die Anströmung des Hecks.

Ein heisses Thema im Fahrerlager bleibt die Beleidigung fürs Auge namens Halo. Wir haben noch keinen Fan oder Fachmann getroffen, der den Heiligenschein wirklich toll findet und auch dazu steht. Die Techniker fluchen über das hoch angebrachte Gewicht und die Kosten, um den Halo ins Auto einzupassen. Die Fahrer sprechen den Fans aus dem Herzen, wenn sie wie Lewis Hamilton festhalten: «Ende 2017 hatten wir letztmals richtig schöne Autos.»

Das finden offenbar auch die wenigen Zaungäste in Katalonien. Kennen Sie den Unterschied zwischen Barcelona in der Testwoche und Barcelona am Rennwochenende? Am GP-Wochenende kennt jeder Zuschauer jeden Fahrer. In der Testwoche kennt jeder Fahrer jeden Zuschauer.

Barcelona-Test, Tag 1

1. Daniel Ricciardo (AUS), Red Bull Racing RB14-TAG Heuer, 1:20,179 (103 Runden)
2. Valtteri Bottas (FIN), Mercedes W09 EQ Power+, 1:20,349 (58)
3. Kimi Räikkönen (FIN), Ferrari SF71H, 1:20,506 (80)
4. Nico Hülkenberg (D), Renault R.S.18, 1:20,547 (73)
5. Fernando Alonso (E), McLaren MCL33-Renault, 1:21,339 (47)
6. Carlos Sainz (E), Renault R.S.18, 1:22,168 (26)
7. Lewis Hamilton (GB), Mercedes W09 EQ Power+, 1:22,327 (25)
8. Brendon Hartley (NZ), Toro Rosso STR13-Honda, 1:22,371 (93)
9. Lance Stroll (CDN), Williams FW41-Mercedes, 1:22,452 (46)
10. Romain Grosjean (F), Haas VF-18-Ferrari, 1:22,578 (55)
11. Marcus Ericsson (S), Sauber C37-Ferrari, 1:23,408 (63)
12. Nikita Mazepin (RU), Force India VJM11-Mercedes, 1:25,628 (22)
13. Sergey Sirotkin (RU), Williams FW41-Mercedes, 1:44,148 (23)

Und so geht es am Dienstag, 27. Februar, weiter:

Barcelona-Test, Tag 2, Fahrer

Sebastian Vettel (D), Ferrari SF71H
Estaban Ocon (F), Force India VJM11-Mercedes
Kevin Magnussen (DK), Haas VF-18-Ferrari
Stoffel Vandoorne (B), McLaren MCL33-Renault
Lewis Hamilton (GB), dann Valtteri Bottas (FIN), Mercedes W09 EQ Power+
Carlos Sainz (E), dann Nico Hülkenberg (D), Renault R.S.18
Max Verstappen (NL), Red Bull Racing RB14-TAG Heuer>
Charles Leclerc (MC), Sauber C37-Ferrari
Pierre Gasly (F), Toro Rosso STR13-Honda
Lance Stroll (CDN), dann Robert Kubica (PL), Williams FW41-Mercedes

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