Schock für Williams: Kult-Sponsor Martini geht!

Von Mathias Brunner
Formel 1

​Nach fünf Jahren mit Williams verabschiedet sich Apéritiv-Hersteller Martini Ende 2018 aus der Formel 1. Der GP-Sport verliert einen Kult-Sponsor, der uns wunderschöne Rennwagenlackierungen beschert hat.

Die Barcardi-Gruppe (Sitz auf den Bermudas, Umsatz mehr als 6 Milliarden Dollar pro Jahr) besitzt den Apéritiv-Hersteller Martini, 1863 als Martini & Rossi gegründet (dank Handelsvertreter Alessandro Martini und Kellermeister und Kräuterexperte Luigi Rossi). In der Neuzeit trat Martini als einer der markantesten Sponsoren im Rennsport auf – die blau-roten Streifen der Marke auf weissem Grund sind weltberühmt geworden und längst Kult.

2014 kam Martini in die Formel 1 zurück, nun wird das Fünfjahresabkommen mit dem englischen Traditionsrennstall jedoch nicht fortgesetzt. Bacardi will den Schwerpunkt künftig auf andere Marken setzen und richtet die Werbestrategie neu aus. Bacardi besitzt auch die Marken Bombay Sapphire (Gin), Patron (Tequila), Grey Goose (Vodka), Dewar’s (Whisky) und viele mehr.

Das Ende des Sponsoring-Abkommens mit Martini bedeutet, dass Williams noch stärker am Tropf von Lance Strolls Vater Lawrence Stroll hängt sowie vom SMP-Racing-Geld von Sergey Sirotkin abhängig ist. Williams selber bezeichnet sich als finanziell stabil. Im Fahrerlager wird das bezweifelt.

Martini im Rennsport

Die deutsche Sportwagenlegende Hans-Dieter Dechent, im September 2014 verstorben, brachte Martini 1969 in den Sport, sein Rennstall Martini Racing Team gewann 1971 mit dem Porsche 917 die 12 Stunden von Sebring (mit Vic Elford/Gérard Larrousse) und die 24 Stunden von Le Mans mit Dr. Helmut Marko und Gijs van Lennep.

Als Dechent bei Porsche eigentlich nur einen weiteren 908 bestellen wollte, bot ihm Ferdinand Piech für Le Mans 1970 einen Porsche 917 Langheck an. Dechent griff zu und machte seinen 917er zu einem der legendärsten Fahrzeuge in Le Mans. Von Porsche-Designer Anatole Lapine liess er den Porsche in einem psychedelischen Farbmuster in lila und grün lackieren, die Lackierung ist bis heute legendär. «Das Auto kam weiss in Le Mans an, wir haben es mit 3.000 Spraydosen vor Ort zwischen den Trainings lackiert.»

1971 übernahm Dechent von Louise Piech das gesamte Material von Porsche Salzburg, gewann für Porsche mit dem 917 Le Mans und Sebring. Noch vor Ablauf der Saison 1971 sperrte Dechent das Martini Racing Team zu. Martini wanderte samt Streifenmuster zu Porsche ab und Dechent sich anderen Tätigkeiten zu.

Seither war Martini Racing mit Porsche, Ferrari, Alfa Romeo, Lotus, Brabham, Lancia und Ford unterwegs.

Der erste WM-Titel folgte 1976, als das Porsche Martini-Team sowohl die Gruppe-5-WM als auch die Gruppe-6-WM für Zweisitzer gewann – und nebenbei in Le Mans triumphierte. Danach mussten sich die Fans bis 1982 gedulden: Mit dem Lancia Beta Montecarlo Turbo folgte der zweite Titel.

In der Formel 1 konnte Martini Racing nichts gegen die damalige Übermacht von Ferrari, McLaren und Lotus ausrichten. Unvergessen die bildschönen Brabham-Renner in Martini-Farben mit GP-Legenden wie Carlos Pace oder Carlos Reutemann. Mit Kimi Räikkönen und Ferrari wurde Martini 2007 Formel-1-Weltmeister.

Grosse Erfolge feierte Martini Racing in der Rallye-WM. Mit dem Modell Delta kam der Erfolg und der Name Lancia-Martini Racing stand für viele Rennsiege und WM-Titel in den 80er und 90er-Jahren. 1983 feierte man mit dem Lancia 037 Erfolge und gewann mit dem Delta in sechs aufeinanderfolgenden Jahren von 1987 bis 1992 mit Juha Kankunnen und Mika Biasion die WM. 1995 und 1996 konnte Martini Racing in der DTM mit dem Alfa Romeo 155 Erfolge feiern – genau wie in der italienischen GT-Meisterschaft.

Seit 2014 ist auch Martini wieder in der Formel 1 vertreten und die Entscheidung, bei Williams als Hauptsponsor aufzutreten, scheint goldrichtig gewesen zu sein. Obwohl das Martini-Logo erst seit vergleichsweise kurzer Zeit auf den weißen Williams-Boliden prangt, wurden die Italiener am vierthäufigsten genannt.

«Ich finde es großartig, dass ein Sponsor, der erst eineinhalb Jahre in der Formel 1 zurück ist, schon wieder so populär ist», freut sich die stellvertretende Teamchefin Claire Williams. «Ich glaube das zeigt, dass Williams Martini Racing irgendetwas richtig macht.» Bei den «passionierten» Fans rangiert Martini sogar auf Platz zwei, gleichauf mit Shell bei 29 Prozent.

Im Falle Martini spielt jedoch sicher auch die Tatsache eine Rolle, dass die Italiener schon früher lange und erfolgreich im Motorsport involviert waren. In der Formel 1 fuhren Brabham und Lotus mit Martini-Unterstützung, in den 1970er Jahren sah man die blau-roten Streifen auch bei den 24 Stunden von Le Mans und in der Rallye-WM. 1995 war Martini in der Lackierung der Alfa Romeos in er DTM zu sehen.

In einer Umfrage 2015 unter den Formel-1-Fans, welche Sponsoren am meisten auffallen, wurden diese Marken am häufigsten genannt:

1. Red Bull 46%
2. Shell 27%
3. Marlboro 24%
4. Martini 22%
4. Petronas 22%
6. Santander 20%
7. Pirelli 14%
8. Ferrari 13%
8. Mercedes-Benz 13%
10. Rolex 11%

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