Neues Rätsel Racing-Raritäten: Als Rauchen normal war

Von Mathias Brunner
Formel 1
​​​Das neue Rätsel «Racing-Raritäten» zeigt einen Moment, der zeigt, wie sehr sich die Zeiten geändert haben: Rauchen war ganz normal, das Herumstehen unmittelbar an einer Rennstrecke auch.

Aus dem Archiv unserer Partner der britischen Foto-Agentur LAT stellen wir bekanntlich jede Woche ein kleines Stück Motorsporthistorie vor. Das Vorgehen ist kinderleicht – sagen Sie uns, wer zu erkennen ist, wo und wann das Bild entstand (Beispiel: Jo Siffert, Monza, 1970) und gewinnen Sie mit etwas Glück einen kleinen Preis. Bitte Namen, Adresse, Geburtsjahr und Telefonnummer nicht vergessen. Schicken Sie Ihre Lösung an: mathias.brunner@speedweek.com. Einsendeschluss ist jeweils Sonntag der laufenden Woche, 24.00 Uhr.

Die richtige Lösung vom letzten Mal: Der Italiener Gabriele Tarquini mit seinem AGS-Ford beim vergeblichen Versuch, sich für den Grossen Preis von Monaco 1990 vorzuqualifizieren. Ja, ich weiss, stilistisch nicht elegant formuliert, aber es gab damals nun mal die Vorqualifikation, das Training vor dem Training, weil wir Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre fast doppelt so viele Autos am GP-Wochenende hatten als heute. Tolle Zeiten!

Wir haben dieses Foto von Tarquini aus zwei Gründen gewählt: Erstens, weil wir nicht jeden Tag einen Formel-1-Renner mit Fragezeichen zu sehen bekommen. AGS wollte damals auf die chronische Sponsorenmisere aufmerksam machen. Und zweitens, weil der tapfere Gabriele einen traurigen Rekord aufgestellt hat. Er ist der Fahrer mit den meisten Nichtqualifikationen in der Formel-1-Geschichte, deren 40!

Nach einer erfolgreichen Kartkarriere startete Tarquini von 1985 bis 1987 in der Formel 3000 (heute Formel 2), nach nur 17 Autorennen! Ab 1988 sass er im GP-Renner, bei Coloni, AGS und Fondmetal konnte er jedoch sein unbestrittenes Talent nie in entsprechende Ergebnisse umwandeln. 1995 kehrte er für ein Rennen zurück, als Ersatzmann von Ukyo Katayama bei Tyrrell.

Henri Julien (1927–2013) war Gründer von AGS, «Automobiles Gonfaronnaises Sportives», jenes kleinen Rennstalls aus Le Luc (beim Ort Gonfaron), den der gelernte Automechaniker Julien aus einfachsten Verhältnissen bis in den Grand-Prix-Sport hochbrachte. Dafür wurde er nicht nur in Frankreich verehrt.

Sein erstes Auto (Modell JH1) baute er für die «Formule France», im Jahre 1969. Zusammen mit dem Belgier Christian Vanderpleyn wuchs das Team aus Südfrankreich langsam, aber stetig. Ein AGS-Renner schrieb Motorsport-Geschichte, als Philippe Streiff mit dem Modell JH19C das letzte Formel-2-Rennen gewann, das war 1984.

Der Einstieg in die Formel 1 im Spätsommer 1986 geschah mit einer Rumpfmannschaft von – jetzt tief durchatmen! – sieben Angestellten! Das «Werk» war noch immer die gleiche «Garage de l’Avenir» von Henri Julien wie fast 20 Jahre zuvor. Die Saison mit dem jungen Ivan Capelli war selbst als Fingerübung ein Desaster.

Für 1987 wurde Fabre engagiert und dem Wagen ein Ford-Cosworth-Motor spendiert. Der Erfolg blieb aus.

Erst als der frühere Pilot Philippe Streiff zurückkehrte, ging es aufwärts: Philippe qualifizierte sich in der Regel solide, doch der Wagen war überaus unzuverlässig. Endlich wurde mit der Baugruppe Bouygues auch ein potenter Sponsor gefunden. Doch die Firma liess AGS aus heiterem Himmel fallen. Henri Julien war gezwungen, sein Lebenswerk zu verkaufen – an den französischen Unternehmer Cyril de Rouvre.

1987 ein Highlight: der erste WM-Punkt, mit Roberto Moreno als Sechstem beim WM-Finale von Adelaide (nur ein weiterer Zähler sollte folgen, 1989 durch Gabriele Tarquini in Mexiko-Stadt).

Von da an ging es nur noch bergab: Streiff erlitt bei Testfahrten in Rio 1989 einen schweren Unfall und sitzt seither im Rollstuhl. Sportlich ging nichts vorwärts. De Rouvre verkaufte schliesslich den Rennstall an die Italiener Patrizio Cantù und Gabriele Raffanelli. Ohne Erfolg – nach dem Spanien-GP 1991 sperrten die Hinterbänkler zu.

Henri Julien war noch nicht rennmüde: 1997 baute er zusammen mit Bernard Boyer ein Weltrekord-Fahrzeug der Klasse 500 ccm. Damit wurde ein 44 Jahre alter Rekord für Fahrzeuge mit Halbliter-Motoren gebrochen, mit flotten 222,557 km/h.

Einmal Racer, immer Racer.

Das gilt auch für Tarquini: Nach Abschluss seiner GP-Karriere wurde der Italiener einer der weltbesten Tourenwagenfahrer – britischer Meister 1994, Europameister 2003, Weltmeister 2009.

Dieses Mal ist die Aufgabe ein wenig kniffliger: Rauchen war offensichtlich noch normal, ebenfalls das gepflegte Herumstehen in der Nähe des Kurvenscheitelpunkts. Die Autos: zeitlos hübsche Zigarren, zaghaft beflügelt.

Wer ist es?

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Viel Spass beim Rätseln und viel Glück!

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