Martin Brundle: «Verstappen, Talent nicht vergeuden!»

Von Mathias Brunner
Formel 1
​Der langjährige Formel-1-Pilot Martin Brundle staunt über die Vorkommnisse in Monaco: Wie Daniel Ricciardo trotz kaputten Autos siegte, was in Monaco-Pechvogel Max Verstappen vor sich gehen muss.

Auch der 158fache Grand-Prix-Teilnehmer Martin Brundle findet nach dem WM-Lauf von Monaco: «Was für ein seltsames Rennen! Daniel Ricciardo gewann in einem angeschlagenen Wagen – in jedem Training wäre ein solches Fahrzeug im Dunkel der Box verschwunden, die Mechaniker hätten ihre Werkzeugkisten geöffnet und die Ärmel hochgekrempelt.»

Brundle, Sportwagen-Weltmeister 1988 und Le-Mans-Sieger 1990 mit Jaguar, arbeitet seit vielen Jahren als Formel-1-Experte der Sky und schreibt in seiner Kolumne: «Daniel fehlten 160 PS, das ist gut ein Sechstel der üblichen Leistung mehr mehr als 900 Pferdchen. Seine Rundenzeiten lagen bisweilen neun Sekunden über der eigenen Pole-Position-Marke. Ricciardo kam mir vor wie ein Flugverkehrslotse, der während seiner Arbeit noch rasch jonglieren lernt.»

«Ich war nicht überrascht, dass Fahrer wie Vettel oder Hamilton nicht an ihm vorbeikamen. Das hat ein gewisser Nigel Mansell 1992 gegen Ayrton Senna auch nicht geschafft. Ich war vielmehr verblüfft, wie sehr Ricciardo das Tempo kontrollieren konnte.»

«Viel davon hat mit den Reifen zu tun, den Mischungen hyperweich, ultraweich und superweich. Ja, mir gehen diese Bezeichnungen auch auf den Wecker. Ich finde, die modernen Rennen sind zu sehr vom Verhalten der Reifen bestimmt. Der hyperweiche Pirelli war ein prima Quali-Reifen, aber kaum brauchbar im Rennen. Fast alle Piloten rutschten damit nur herum.»

«Das war einer der Gründe, wieso das Rennen auf den ersten Blick spannungsarm verlief und natürlich wieder Stimmen aufkamen, man müsse Monaco in Pension schicken. Ich hingegen fand es prickelnd mitzuerleben, was Daniel Ricciardo nun tun würde.»

«Ohne den Unfall von Max Verstappen und mit einem gesunden Auto hätte Red Bull Racing in Monaco die Konkurrenz in Grund und Boden gefahren. Der Vorteil von RBR war so gross, dass Daniel mit angeschlagenem Wagen gewinnen konnte. Er hatte so wenig Leistung, dass er kaum mehr über den sechsten Gang hinauskam. Zur Erinnerung: Wir verwenden in der Formel 1 Achtganggetriebe.»

«Im Grunde ist der Generator für die kinetische Energierückgewinnung nichts anderes als ein Dynamo. Er lädt auf, wenn gebremst wird, er hilft dabei auch dem Bremsvorgang. Das ist ein wenig so, als würden Sie beim Privatauto beim Bremsen noch etwas an der Handbremse ziehen. Weil die Teams das wissen, haben sie die Bremsen bewusst kleiner dimensioniert. Das spart Gewicht und erlaubt kleinere Bremsbelüftungen, das wiederum dient der Windschlüpfigkeit.»

«Nur: Wenn die so genannte MGU-K dann den Geist aufgibt, dann sind die Bremsen schnell überfordert. Wir haben das vor einigen Jahren bei beiden Mercedes in Kanada erlebt. Ricciardo stellte richtig die Bremsbalance nach vorne, aber dann neigen die Vorderräder zum Blockieren.»

«Es wird noch komplizierter: Um seinem verwundeten Wagen zu helfen, rollte Ricciardo mehr in die Kurven hinein, das führt zu niedrigeren Reifentemperaturen, überdies wird Benzin gespart, was auf dieser Strecke kein Thema ist und sich nun als nicht verbrannter Ballast bemerkbar machte.»

«Als Verstappen in China einen möglichen Sieg wegwarf, weil er mit Vettel zusammenrumpelte, dachte ich – das ist ein Wendepunkt. Ich ging davon aus, dass er umsichtiger fahren würde, aber ich habe mich wohl geirrt. Der Leitschienenkuss vom Samstagmorgen bedeutet, dass er eine weitere Siegchance weggeworfen hat.»

«Max darf sein grandioses Talent nicht vergeuden. Und es bringt auch nichts, Vorfälle als unwichtig zu bezeichnen oder Schuld zu leugnen. Als er Ricciardo auf dem Siegerpodest sah, muss das am Selbstvertrauen genagt haben. Ich will einen Verstappen in Top-Form erleben. Er ist die Zukunft dieses Sports zusammen mit einigen so vielversprechenden Piloten. Aber dazu müssen die Räder auch alle in die richtige Richtung weisen.»

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