Martin Brundle: «Das wird Vettel ewig schmerzen»

Von Mathias Brunner
Formel 1

​Ferrari-Star Sebastian Vettel schmeisst einen Sieg in Hockenheim in die Pistenbegrenzung. Sportwagen-Weltmeister und Sky-GP-Experte Martin Brundle ist überzeugt: «Das wird Vettel ewig schmerzen.»

Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg spricht bereits von einem Hockenheim-Fluch, der über Sebastian Vettel hängt. Wieder ist es nichts geworden mit dem ersehnten Sieg des Heppenheimers auf seiner Heimstrecke. Ohne Not hat der Ferrari-Star einen sicher geglaubten Triumph in der Sachskurve weggeschmissen, dabei hatte er selber vor dem Rennen noch festgehalten: «Auf dieser Bahn zu gewinnen, das wäre in meiner Rennkarriere ein Meilenstein.»

Sebastian Vettel war knapp sechs Jahr alt, als er zum ersten Mal den Hockenheimring erblickte. «Wir waren nur fürs freie Training da, das war 1993, und es schüttete wie aus Eimern. Wir stoffelten die Waldgerade hinunter, um zur ersten Schikane zu gelangen. Alle Autos waren erst auf ihrer Installationsrunde, fahren wollte bei dem Wetter eigentlich keiner, aber alleine schon bei geringem Tempo das Röhren der Motoren zu hören, der Boden zitterte, du hast die Autos mehr als gehört, du hast sie gespürt, gerochen, das war unfassbar, so etwas vergisst du nie wieder.»

Der langjährige Formel-1-Fahrer Martin Brundle, heute in Diensten der britischen Sky, sagt in seiner Kolumne: «Sebastian Vettel hatte mit seinem Ferrari dieses Rennen komplett in seiner Kontrolle. Bis zu jenem Moment, als er hinter seinen Stallgefährten Kimi Räikkönen zu liegen kam und Zeit verlor. Dann rutschte er im Stadtverkehrs-Tempo von der Bahn. Wir hatten alle schon dumme Ausrutscher wie diesen, aber nicht so oft beim Heimrennen, auf Rang 1 liegend, mit der Aussicht, die WM-Führung beträchtlich auszubauen. Das wird Vettel ewig schmerzen.»

Der 59jährige Brundle, Sportwagen-Weltmeister 1988 und 1990 mit Jaguar auch Le-Mans-Sieger, sagt weiter: «Gewiss, die Strecke war schmierig, und die heutigen Bremsen sind zwar unheimlich effizient, aber auch nicht einfach zu managen. Dennoch war ich vom Ausritt Vettels so überrascht wie wohl alle Zuschauer. Er liess kurz ein Rad blockieren, das reicht für den entscheidenden Tempo-Überschuss.»

«Wenn er zurückblickt, würde er wohl eine andere Linie in die Kurve wählen, jene Ideallinie, die du üblicherweise mit den Trockenreifen wählst. Hockenheim ist eine Rennstrecke von altem Schrot und Korn, also haben wir am Ausgang der Sachskurve nicht ein asphaltierte Zone, sondern ein Kiesbett. Wenn du da mal drinsteckst, ist die Chance gross, dass du nicht wieder herauskommst. Ich hätte erwartet, dass Vettel den Rückwärtsgang einlegt und es mindestens versucht.»

«Viele Fans fragen sich: Wieso dieser Fehler scheinbar ohne Druck? Aber Druck war durchaus da. Lewis Hamilton holte mit Riesenschritten auf, und Vettel fand, er habe hinter Räikkönen unnötig Zeit verloren, wie seine Funksprüche belegen. Das Team kehrte dann die Reihenfolge um, das war offensichtlich.»

«Wir kehren vielleicht nach Hockenheim zurück, vielleicht aber auch nicht. Vielleicht war das für lange Zeit der letzte Grosse Preis von Deutschland, den wir erleben durften. Alles läuft aufs liebe Geld hinaus, aber auf mich wirkt das schon seltsam: Deutschland hat eine fabelhafte Auto-Industrie, sie hatten Weltmeister mit Michael Schumacher, Sebastian Vettel und Nico Rosberg, sie haben Mercedes-Benz, und doch steht das Rennen erneut auf der Kippe. Ich verstehe es nicht.»

Deutschland-GP, Bilanz Sebastian Vettel

2008 Hockenheim: 8. (mit Toro Rosso)
2009 Nürburgring: 2. (Red Bull Racing)
2010 Hockenheim: 3. (Red Bull Racing)
2011 Nürburgring: 4. (Red Bull Racing)
2012 Hockenheim: 5. (Red Bull Racing)
2013 Nürburgring: 1. (Red Bull Racing)
2014 Hockenheim: 4. (Red Bull Racing)
2016 Hockenheim: 5. (Ferrari)
2018 Hockenheim: Unfall (Ferrari)

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