Formel 1

Jody Scheckter über Fernando Alonso: «Überbewertet»

Von - 15.08.2018 09:21

​McLaren-Star Fernando Alonso hat bestätigt: Er fährt 2019 keine Formel 1. Die Reaktion der Rennwelt – keine Verblüffung, aber Bedauern. Doch nicht alle wissen die Grösse des Spaniers zu schätzen.

Die Formel 1 nach siebzehn Jahren ohne Fernando Alonso, das ist eine ärmere Formel 1. Wer etwas Anderes behauptet, hat nicht verstanden, was für ein Ausnahmerennfahrer hier am Werk ist. Wir haben uns in den sozialen Netzwerken ein wenig umgeschaut. Die meisten Fans bedauern, dass Alonso geht, weil sie sein Talent und Feuer erkennen. Ein kleiner Anteil ist froh, dass Alonso geht, weil ihnen seine Jammerei auf den Keks gegangen ist. Alonso stösst auf viel Verständnis. Tenor der Formel-1-Anhänger: Weniger leidenschaftliche Fahrer hätten viel früher das Handtuch geworfen.

Jody Scheckter ist anderer Ansicht. Der einzige Formel-1-Champion aus Südafrika (Weltmeister 1979 mit Ferrari) sagt auf BBC Radio 5Live: «Ich glaube, Fernando Alonso wird von den Menschen überbewertet. Ich schaue mir einfach an, wie viele Titel ein Fahrer gewonnen hat. Klar können wir sagen, dieser oder jener Fahrer hatte mehr Glück oder Pech. Aber eines der Probleme von Fernando Alonso war immer, dass er Unruhe in die Rennställe gebracht hat. Und das ist nicht der zielführendste Weg, um WM-Titel zu gewinnen. Du musst mit dem Team arbeiten und eine echte Führungspersönlichkeit sein.»

Scheckter sieht Alonso nicht auf einer Stufe mit Michael Schumacher: «Schumacher ist der Beste. Alonso ist schlicht nicht in der gleichen Kategorie.»

Ex-GP-Pilot Martin Brundle war im Frühsommer einer der ersten Insider, die witterten – Alonso ist zermürbt. «Ich führte ein Interview mit ihm und hatte am Ende den ausgeprägten Eindruck, dass Fernando Alonso der Formel 1 den Rücken wenden wird. Ich werde seinen feurigen Charakter vermissen und seinen unerbittlichen Speed. Ich erkenne ganz viel unerschlossenes Potenzial und doch enorme Errungenschaften. Vielleicht hätte er einen starken Charakter an seiner Seite gebraucht, um die destruktiven Momente unter Kontrolle zu halten. Aber ich bin nicht sicher, ob es auf der Welt solch einen Menschen gibt.»

Felipe Massa hat seinen früheren Stallgefährten Alonso vor wenigen Tagen im brasilianischen Fernsehen an Michael Schumacher gemessen. Massa meinte: «Was das pure Talent angeht, so würde ich Michael und Fernando auf die gleiche Stufe stellen. Alonso hat diese Gabe, diese Leichtigkeit, ein Rennen zu verstehen und unfassbar schnell zu fahren. Ein hochintelligenter Fahrer mit umfassendem Können, und das alles würde ich auch über Michael sagen. Mit Fernando ist das so eine Sache. Wenn er das Visier herunterklappt, dann wird er zu einer anderen Persönlichkeit. Er kann ein Team spalten. Wir haben das bei vielen Rennställen gesehen, für die er gefahren ist. Ich sehe das als sein Problem. Vielleicht hätte er ohne diesen Charakterzug aus seinem Talent mehr machen können.»

Nun hat Massa getwittert: «Gratulation, Fernando. Sei glücklich und geniesse deine nächste Herausforderung. Für mich bist du einer der besten Fahrer auf dem Planeten. Pass gut auf dich auf, und Gott schütze dich.»

Force-India-Fahrer Sergio Pérez: «Es war ein Vergnügen, einige Jahre lang die Piste mit dir zu teilen. Du bist ein Grosser. Alles Gute zu deiner nächsten Lebensetappe.»

Romain Grosjean: «Es war ein Privileg und eine Ehre, dein Freund zu sein, dein Stallgefährte, und gegen dich zu fahren. Ich werde dich vermissen.»

Nico Hülkenberg verabschiedete sich auf Spanisch! Übersetzung: «Ich wünsche dir alles Gute für die Zukunft.»

Carlos Sainz schreibt: «Wir werden sich sehr vermissen. Meine Leidenschaft für den Sport ist von dir geweckt worden, und ich darf mich glücklich schätzen, die Formel-1-Rennstrecken vier Jahre lang mit einem der Besten aller Zeiten geteilt zu haben.»

Sein McLaren-Stallgefährte Stoffel Vandoorne twittert: «Fernando, alles Gute für die Zukunft. Es war eine Freude, neben dir zu fahren.»

Alonsos Landsmann Pedro de la Rosa findet: «Die Formel 1 verliert ohne dich an Wert. Das ist ein harter Tag für alle, welche den Grand-Prix-Sport lieben. Alles Gute, wo auch immer du 2019 fahren wirst.»

Der Circuit de Catalunya postet: «Danke, Fernando, für all die phantastischen Jahre, die wir zusammen verbringen konnten. Die Formel 1 ist dank dir reicher geworden. Unsere Strecke wird immer dein Zuhause sein.»

Vielleicht am wegweisendsten ist ein Tweet von Indianapolis Motor Speedway: «Schick uns eine Nachricht, wenn du plaudern willst.» Dazu stellen die US-Amerikaner zwei Kronen (für Monaco und Le Mans) und ein Fragezeichen. Alonso träumt bekanntlich vom Triple-Crown, und nur das Indy 500 fehlt ihm noch.

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