Jorge Lorenzo: «MotoGP zu F1 einfacher als umgekehrt»

Von Mathias Brunner
Formel 1

​Der fünffache Motorrad-Weltmeister Jorge Lorenzo (31) sagt in der Jahres-Gala von «Sport und Talk aus dem Hangar-7»: «Im Wechsel zwischen Renn-Bike und Formel 1 haben es wir Motorradfahrer leichter.»

In der Jahresabschluss-Gala von «Sport und Talk aus dem Hangar-7» von ServusTV trafen zwei Welten aufeinander: Motorrad-Weltmeister Jorge Lorenzo und Red Bull Racing-Star Max Verstappen. Piloten der beiden Königsklassen von zwei und vier Rädern haben aneinander immer grosses Interesse gezeigt, Formel-1-Stars wie Hamilton und Alonso lassen sich keinen MotoGP-Lauf entgehen, umgekehrt schalten viele Motorrad-Asse den Fernseher ein, wenn Formel 1 läuft. 2018 rückten die MotoGP-Idole Marc Márquez und Dani Pedrosa in einem Rennwagen von Red Bull Racing aus, Formel-1-Champion Lewis Hamilton zeigte vor kurzem mit einer Superbike-Yamaha, dass er tüchtig Gas geben kann. Unvergessen auch die Testfahrten von Valentino Rossi für Ferrari. Aber die Zeiten von John Surtees und Mike Hailwood, die erfolgreich von zwei auf vier Rädern umsattelten, die sind wohl vorbei.

Anfangs Oktober 2016 ist für den MotoGP-Star Jorge Lorenzo ein lange gehegter Traum in Erfüllung gegangen: Er durfte auf der englischen Rennstrecke Silverstone einen Formel-1-Renner testen, und zwar nicht irgend einen – Lorenzo setzte sich in jenen Mercedes W05, mit dem Lewis Hamilton 2014 zum zweiten Mal Formel-1-Weltmeister geworden ist. «Es war schon immer ein Traum von mir, einmal ein Formel-1-Auto zu steuern», sagte der fünffache Motorradweltmeister. «Ein Motorrad zu fahren, das ist für mich wie spazieren gehen. Ein Rennauto ist etwas ganz Anderes. Aber ich war neugierig darauf herauszufinden – was kann ich in kurzer Zeit im Rennauto erreichen? Gleichzeitig wollte ich Spass haben. Es ging nicht um Rekordrunden, schliesslich weiss ich, dass ich kein Formel-1-Weltmeister mehr werde. Ich wollte diese Momente vollauf geniessen.»

Es war nicht das erste Mal, dass Lorenzo in einem Einsitzer Platz genommen hat: Im März 2012 durfte er in Valencia einen GP2-Renner bewegen. Der Spanier hat sogar schon Rennen auf vier Rädern bestritten, allerdings nicht in einem Monoposto, sondern mit einem Ferrari-Sportwagen.

Jorge Lorenzo jetzt bei ServusTV: «Am meisten hat mich vor zwei Jahren der Abtrieb umgehauen, den diese Autos erzeugen. Da kannst du in Silverstone mit Vollgas und im fünften Gang durch Kurven pfeifen, da sind wir mit der MotoGP-Maschine im dritten Gang mit vielleicht dreissig Prozent Gas! Und wie du dich in die Kurven hineinbremsen kann, das ist unfassbar. Aber ich finde, für uns Motorradfahrer ist es einfacher, sich in ein Formel-1-Auto zu setzen als es umgekehrt für die Autorennfahrer ist, wenn sie auf eine Rennmaschine klettern. Auf dem Bike musst du viel mehr mit dem Körper arbeiten, die Maschine in die Kurven lenken, umsteigen. Und wenn du ausrutschst, dann bist du nicht von einer Kohlefaserzelle umgeben, sondern du sitzt auf dem Hosenboden.»

Red-Bull-Rennchef Dr. Helmut Marko meint: «Dani Pedrosa und Marc Márquez haben bei ihrem Formel-1-Test auf dem Red Bull Ring auf Anhieb wettbewerbsfähige Zeiten hingelegt. Die Frage ist, ob sich solche Piloten nach einer langen Karriere in ihrer Kategorie nochmals motivieren können, etwas Neues zu versuchen. Von den fahrtechnischen Fähigkeiten wären MotoGP-Asse absolut fähig, auch in der Formel 1 vorne mitzufahren.»

Marc Marquez’ Debüt im sechs Jahre alten und 750 PS starken Formel-1-Boliden (Red Bull Racing RB8 in Farben von Toro Rosso) zog eine Horde von Berichterstattern an den Red Bull Ring in Spielberg. Márquez zeigte sich begeistert. «Dieser Tag bleibt immer in meiner Erinnerung. Ich lache den ganzen Tag», waren die ersten Worte des Repsol-Honda-Stars Marc Márquez. «In der Nacht zuvor war ich nervös, nervöser als an einem Rennwochenende. Ich konnte kaum schlafen.»

Für den Spanier hat sich bewahrheitet: «Der grösste Unterschied ist der Bremspunkt. Ich denke mir immer, es wird nicht reichen. Man bremst ganz anders. Wir haben mit Mark und Helmut daran gearbeitet. Das Coolste sind die schnellen Kurven. Mark Webber und Helmut Marko sagten immer, du hast noch mehr. Aber man muss auch Respekt haben.»

«Im Auto fühlt man sich anfangs etwas sicherer. Aber dann ist das Gefühl entgegengesetzt. Im Auto ist dann nämlich die Sicht das Problem. Wenn man fährt, blickt man weit voraus, weil das Tempo so hoch ist. Mark hat mir das beigebracht. Als Kind habe ich immer zwei Räder gewählt. Man muss immer den richtigen Weg wählen. Im Moment sind Autorennen nicht im Plan. Man benötigt das perfekte Team um sich und vieles mehr.»

Der Spanier zog auch Vergleiche zu anderen Fahrern, die vom Rennwagen auf ein Bike gestiegen sind: «Ich hatte ja in diesem Bereich schon Erfahrung mit Fernando Alonso in Motegi. Er hat damals auf der Honda viel zu spät gebremst vor der ersten Kurve. Ich rief unter dem Helm ‚brems, brems endlich!‘ Er ging sehr schnell in die Kurven, genau wie mit dem Auto.»

Auch Dani Pedrosa rückte im GP-Renner aus. «Das Schwierigste sind wohl die Kurventempi, denn du erwartest nicht, dass das Auto die engen Kurven mit einem derart hohen Speed schafft. Du glaubst, das ist unmöglich. Das Auto hilft dir, auf Speed zu kommen. Es braucht einfach Zeit, bis dein Hirn erst einmal begreift, wie schnell du fahren kannst.»

Valentino Rossi im Ferrari: Michael Schumacher baff

Luigi Mazzola arbeitete von 1995 bis 2006 bei Ferrari. Als Chef des Test-Teams erinnert sich auch gut an die Testfahrten von Motorrad-Star Valentino Rossi bei Ferrari. Zwischen 2004 und 2010 testete der neunfache Weltmeister mehrfach für den berühmtesten Rennstall der Welt. Seine Rundenzeiten liessen aufhorchen – auch Michael Schumacher.

Luigi Mazzola verriet auf seiner Facebook-Seite: «Ich weiss nicht mehr genau, wie oft wir mit Rossi gearbeitet haben, gewiss mindestens sieben Mal. Beim ersten Test hat er ungefähr ein Dutzend Dreher gezeigt. Aber mit der Zeit zeigte er wirklich verblüffende Rundenzeiten. Ich erinnere mich gut daran, wie ich mir mit Michael Schumacher in der Box die Daten anschaute. Schumi hatte einen verblüfften Gesichtsausdruck, fast schon ungläubig.»

Die Traumkombination von Ferrari und Valentino Rossi ist leider nie an den GP-Start gegangen. «The Doctor» erklärte damals: «Die letzten zwei Sekunden bis auf das Niveau der Gegner zu finden, das ist das Schwierigste.» 2013 gab Rossi dann zu: «Bedauerlicherweise ist mein Formel-1-Traum beendet.» Er wollte lieber auf zwei Rädern bleiben.

Der Rekord des im März 2017 verstorbenen John Surtees hat damit Bestand: Der Brite ist bis heute der einzige Rennfahrer, der es auf zwei und auf vier Rädern zu Motorrad- und Formel-1-WM-Titeln gebracht hat.

Surtees war 1956 erstmals 500-ccm-Weltmeister, ehe er von 1958 bis 1960 eine beeindruckende Serie schaffte: In diesen drei Jahren holte er jeweils den 350-ccm- und auch den 500-ccm-Titel! 1960 gab der MV-Agusta-Star ausserdem sein Debüt in der Formel 1, 1964 wurde er in der automobilen Königsklasse ebenfalls Weltmeister. Mit Ferrari.

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