Mark Webber: «Ferrari brauchte eine Veränderung»

Von Gerhard Kuntschik
Formel 1
Mark Webber

Mark Webber

​Neun GP-Siege, Langstreckenweltmeister 2015 – Mark Webber hat viel erreicht. Mit uns sprach der Australier, Markenbotschafter von Porsche und Red Bull, über die Formel 1 und die Formel E.

Mark, wird die Formel 1 2019 spannender als 2018?

Wenn ein Team zwei, drei Zehntelsekunden schneller ist als der Rest, sieht das schon langweilig aus. Es hängt auch von den Strecken ab, manche Teams sind da stark, wo andere etwas schwächeln. Wenn aber ein Team wie Mercedes 2018 auch dort zuschlägt, wo es nicht Favorit war, dann entscheidet das wohl eine Weltmeisterschaft. Toto Wolff, Lewis Hamilton und das ganze Team verdienen die Titel, weil sie über die Saison die Besten waren.

Was bewirken die Personaländerungen bei Ferrari?

Ferrari war nach 2018 in der Situation, etwas ändern zu müssen. Da war viel Druck. Also war das konsequent. Für Sebastian Vettel ist das eine neue Chance.

Droht ihm vom jungen Charles Leclerc Gefahr?

Der wittert seine Chance, muss aber erst Erfahrung in einem großen Team sammeln. Er könnte Seb Kopfschmerzen vor allem im Qualifying bescheren, aber ich denke, Seb ist darauf vorbereitet. Kimi Räikkönen war letztes Jahr zeitweise sehr stark, aber am Ende der Karriere hat er weniger Potenzial übrig als ein Junger, Hungriger. Ich mag Leclerc sehr – er ist gut für den Sport, ist intelligent, schnell, ich würde ihn fast elegant nennen. Er ist außerdem ein richtiger Kämpfer.

Was kann Red Bull Racing mit Honda erreichen?

Zuerst einmal: Die Entscheidung war weitblickend, von Renault zu Honda zu wechseln, Red Bull Racing brauchte einen Wechsel. Er vermittelt neue Energie aus einem neuen Konzept. Die größte Herausforderung für Honda wird sein, die größtmögliche Leistung über die gesamte geforderte Einsatzdauer des Antriebsstrangs herauszuholen. Honda wird im Qualifying aufholen, da zweifle ich nicht, aber die Haltbarkeit im Rennen auf höchstem Niveau muss erst erreicht werden. Das braucht wohl Zeit.

Fürchtest du nach Ricciardos Wechsel zu Renault um dessen Karriere?

Nein. Er ist eine Wette eingegangen, und die will er gewinnen, keine Frage. Was ich weiß ist, dass Red Bull sehr fair mit ihm war. Die Zeit wird es uns zeigen. Bei Renault sind viele exzellente Leute an der Arbeit. Wenn Renault leistungsmäßig aufholen kann, wird Dany vorn dabei sein.

Porsche kommt Ende des Jahres werkseitig in die Formel E. Was erwartest du davon?

Obwohl es viele Einheitsteile in der Elektroserie gibt, ist auch sehr viel Technologie enthalten. Daher meine ich, das ist die komplexeste Art von Motorsport, die Porsche seit Langem angegangen ist. Es ist eine Herausforderung, die optimale Leistung bei maximaler Effizienz abzurufen, deswegen sind so viele Hersteller in der Formel E involviert bzw. gehen noch hinein. Das Feld ist schon jetzt höchst ausgeglichen.

Ist Porsche als Neueinsteiger Außenseiter in Saison sechs?

BMW ist derzeit vorn dabei, nützt das vergangene Lernjahr mit Andretti optimal. Ich will das nicht als Ausrede hernehmen, aber wir haben kein Warm-up und stürzen uns voll hinein. Wir müssen Geduld haben, aber wir sind sehr ehrgeizig!

Bei zehn Herstellern unter den zwölf Teams der nächsten Saison besteht doch die Gefahr, dass es einige bei ausbleibendem Erfolg bald nicht mehr freut.

Absolut. Porsche muss sofort sicherstellen, nicht in diese Position zu kommen!

Wenn die Testfahrten beginnen, wirst du da aktiv werden?

Nein. Das machen die Stammfahrer (bisher ist nur Neel Jani bestätigt, die Red.), die brauchen jeden Kilometer Erfahrung. Aber ich werde oft dabei sein und mich einbringen, wenn es gewünscht wird.

Porsche bringt gegen Jahresende den ersten vollelektrischen Sportwagen Taycan auf den Markt. Du fuhrst ihn bereits, was hältst du davon?

Ich bekam ja meine erste Erfahrung mit E-Power mit dem 919 in der Langstrecken-WM, der unglaubliche Leistung aus Verbrenner-Turbo und E-Motor entwickelte. Ein E-Sportwagen mit mehreren hundert PS Leistung wird Kunden dann überzeugen, wenn sie die Erfahrung damit gemacht haben.

Und dein persönlicher Eindruck vom Taycan?

Zu allererst beeindruckte mich die Haltung der Techniker: Die ließen mich frei fahren und ersuchten mich nie, auf irgendetwas aufzupassen. Ich hatte freie Bahn. Freilich muss man sagen, dass derzeit noch die Möglichkeiten des Ladens, vor allem der Schnellladung, limitiert sind.

Bekam der Taycan viel vom Weltmeister-919 mit?

Ja, speziell bei den Bremsen, bei der Software, bei den Batterien. Da gab es viel Technologietransfer.

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