Nigel Mansell: «Moderne GP-Fahrer kennen das nicht»

Von Mathias Brunner
​Nigel Mansell (65) kann nur darüber schmunzeln, wenn er an die jüngste Turbohybrid-Ära der Formel 1 denkt. Der Formel-1-Champion von 1992 sagt, was modernen Grand-Prix-Fahrern entgeht.

Seit Jahren ist davon die Rede: Wann knacken die modernen 1,6-Liter-V6-Turbomotoren der Formel 1 die magische Grenze von 1000 PS? Über Leistungszahlen reden Motortechniker von Mercedes oder Ferrari so freimütig wie über ihr Monatssalär. Aber weit sind die gegenwärtigen Hybridmotoren von den 1000 PS nicht mehr.

Nigel Mansell kann darüber nur müde lächeln. Der 187fache GP-Teilnehmer ist Mitte der 80er, Anfang der 90er Jahre nicht nur gegen Mehrfach-Weltmeister wie Nelson Piquet, Alain Prost und Ayrton Senna angetreten, gegen Piquet (Williams) und Prost (Ferrari) sogar im gleichen Team, er hat sie auch geschlagen. 31 seiner 187 Rennen konnte der Engländer gewinnen. Er ist zudem der einzige Fahrer, der für kurze Zeit sowohl Formel-1-Weltmeister (1992) als auch IndyCar-Champion (1993) gewesen ist.

Im FIA-Magazin «Auto» sagt der 65-Jährige: «Die Formel 1 wird nie mehr so sein, wie sie einmal war. Unsere damaligen Turbo-Renner zu bändigen, das war das Berauschendste und Furchteinflössendste, was du in deinem Leben machen konntest.»

«Mein Auto von 1987, der Williams FW11B, nichts kommt an dieses Auto heran, nichts in der Welt. Die modernen GP-Fahrer kennen das nicht, sie werden nie erfahren, wie sich solch ein Rennwagen anfühlt. Im Abschlusstraining hatten wir um die 1500 PS, der BMW-Motor soll sogar noch kraftvoller gewesen sein. Wir hatten durchdrehende Räder im sechsten Gang auf den Geraden, bei 290 km/h. Das kannst du fast nicht in Worte fassen. Du bist in eine Kurve gestochen, und du hast wirklich den Eindruck gehabt, dass dich dein Wagen umbringen will.»

«Wir sind damals auf der früheren Pistenführung von Silverstone gefahren. Also mit 320 Sachen die Hangar-Geraden hinunter, dann hast du in Stowe eingelenkt, volle Kanne, der rechte Fuss blieb voll auf dem Gas, das Auto driftete zur Pistenbegrenzung nach aussen. Du bist einer Auslaufzone nahegekommen, die aus Drahtzäunen mit 15 Zentimeter dicken Holzpfählen bestand.»

«Wenn eine Kurve hinter dir lag, hast du regelrecht aufgeatmet, aus zwei Gründen – erstens hast du in den Kurven aufgrund der Fliehkräfte kaum Atem schöpfen können, zweitens hattest du ein Gefühl von: ‘Ich hab’s geschafft!’».

«In Sachen Sicherheit haben wir in den 80ern und 90ern langsam Fortschritte gemacht, aber die Technik war teilweise auf einem Stand, der gewisse Massnahmen verunmöglichte. Es war ziemlich grimmig.»

Gilles Villeneuve tot, Riccardo Paletti tot, Elio de Angelis tot, Philippe Streiff im Rollstuhl, Didier Pironi und Jacques Laffite ebenfalls mit Unfällen, welche ihre Formel-1-Karriere beendet haben, die Liste war erschreckend.

Nigel Mansell möchte keine Sekunde missen: «Es waren grandiose Zeiten. Als ich angefangen habe, waren im Feld Alan Jones, Niki Lauda, Keke Rosberg, Nelson Piquet, Mario Andretti, Alain Prost, alles Fahrer, die schon Weltmeister waren oder den Titel noch holen würden. Du hattest ein halbes Dutzend weiterer GP-Sieger, dann den aufstrebenden Ayrton Senna. Der Druck in einem qualitativ so hochwertigen Feld war immens. Aber du hast wirklich den Eindruck gehabt, einer Elite anzugehören.»

Aller Erfolge mit Frank Williams ungeachtet: Mansell hegt eine besondere Schwäche für Ferrari. Die Tifosi nannten Mansell aufgrund seiner Unerschrockenheit bewundernswert «Il leone», den Löwen.

Mansell weiter: «Die zwei Jahre mit Ferrari, kein Geld der Welt kann so etwas kaufen. Von Ferrari engagiert zu werden und dann für die Italiener gleich den ersten Grand Prix zu gewinnen, 1989 in Rio, also besser geht’s nicht. Obschon Ferrari ein hochpolitisches Team war, haben die beiden Ferrari-Jahre in meinem Herzen einen besonderen Platz.»

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