Ross Brawn über Ferrari: «Ich will nicht spekulieren»

Von Mathias Brunner
Ross Brawn in Texas, in der Mitte (mit Brille) Mattia Binotto

Ross Brawn in Texas, in der Mitte (mit Brille) Mattia Binotto

​Max Verstappen hat in den Raum gestellt, Ferrari habe vor dem Austin-GP getrickst – und deshalb in Texas so schlecht abgeschnitten. Was Formel-1-Sportchef Ross Brawn vermutet einen anderen Grund.

Red Bull Racing-Star Max Verstappen spottete nach der ernüchternden Leistung von Ferrari in Texas: «Das passiert eben, wenn man nicht mehr trickst.» Die Unterstellung lautet, dass Ferrari möglicherweise in Sachen Benzinfluss eine Grauzone im Reglement nutzte, um in bestimmten Situationen durch mehr mehr Spritfluss mehr Leistung und damit bessere Beschleunigung zu erzeugen. Die FIA hat immer betont, dass der Ferrari legal sei.

Ferrari habe vor dem USA-GP in Austin nachbessern oder ein cleveres System ausbauen müssen, so mutmasst die Konkurrenz, und das würde ihrer Meinung nach erklären, wieso Sebastian Vettel und Charles Leclerc in Texas nicht mehr so stark waren.

Mattia Binotto war ausser sich vor Wut. «Ich habe hier einige Kommentare von Gegnern gehört über eine technische Direktive und die angebliche Auswirkung auf unser Auto. Ich bin von einigen Kommentaren sehr enttäuscht. Um genau zu sein, hatte Seb am Samstag gute Chancen, hier die Pole zu erringen, die Abstände waren klein, es hat nicht viel gefehlt. Charles verlor das dritte Training, wir mussten einen anderen Motor einbauen, der weniger Leistung abgab. Wir hätten also durchaus auf dem üblichen Niveau fahren können.»

«Im Rennen waren wir schwach, aber das lag nicht am Speed auf den Geraden. Solche Aussagen sind falsch und nicht gut für den Sport. Da sollten einige Leute mit ihren Worten vielleicht ein wenig vorsichtiger umgehen.»

«Diese Direktive ist die 35. des Jahres, so wie üblich werden wir die zuhause im Werk in aller Ruhe anschauen. Wir haben aufgrund dieser Direktive an unserem Motor überhaupt nichts geändert.»

Was sagt Formel-1-Sportchef Ross Brawn? Der 64jährige Engländer sagt in seiner Nachbesprechung des USA-GP: «Nach den Sommerferien fiel auf, dass Ferrari offenbar ein Durchbruch gelungen war – sechs Pole-Positions in Folge und drei Siege. Aber in Amerika schien Ferrari einen Rückschritt zu machen. Sebastian Vettel wurde in der Austin-Quali geschlagen, wenn auch nur knapp, um 12 Tausendstelsekunden, im Rennen jedoch landete Charles Leclerc verblüffende 52 Sekunden hinter Sieger Bottas auf Rang 4.»

«Die Ferrari-Fahrer hatten vor allem im ersten Rennteil Mühe, als sie auf den mittelharten Pirelli unterwegs waren, da nahm ihnen die Konkurrenz eine Sekunde pro Runde ab. Auf harten Reifen war der Wagen von Leclerc konkurrenzfähig, aber da war der Schaden schon angerichtet und die Chance auf einen Podestplatz dahin.»

«Von aussen ist dies Form-Baisse nur schwer zu erklären, und ich will nicht darüber spekulieren, ob das etwas mit der FIA-Direktive punkto Spritdurchfluss-Messung zu tun hat. Mir fällt vielmehr auf: Ferrari hatte in Texas Mühe, vorwiegend mit den Reifen. Sie brachten sie nicht auf Temperatur. Das haben Mercedes und Red Bull Racing in Austin bessere Arbeit geleistet. Ich bin sicher, in Maranello wird fieberhaft analysiert, was in Amerika schiefgelaufen ist.»

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