Nico Hülkenberg: Sensation 2010, Auslaufmodell 2019

Von Mathias Brunner
Nico Hülkenberg 2010 in Brasilien mit Sebastian Vettel (links) und Mark Webber (rechts)

Nico Hülkenberg 2010 in Brasilien mit Sebastian Vettel (links) und Mark Webber (rechts)

​Vor neun Jahren war der damalige Williams-Fahrer Nico Hülkenberg die Sensation im Abschlusstraining von Interlagos: Pole-Position zum Grand Prix von Brasilien. Nun steht er vor dem Formel-1-Aus.

Er war vor neun Jahren die Sensation der Königsklasse: Der junge Williams-Pilot Nico Hülkenberg stellte 2010 in Interlagos sein Auto auf die Pole-Position, als hätte der Emmericher nie etwas Anderes getan. In seinem 18. Formel-1-Abschlusstraining profitierte er von wechselhaften Bedingungen, er ging zum idealen Zeitpunkt mit Slicks auf die brasilianische Rennstrecke und war letztlich eine Sekunde schneller als Sebastian Vettel (Red Bull Racing-Renault), gefolgt von Mark Webber. Nico: «Damit hatte keiner gerechnet, auch ich nicht.» Vettel lobte: «Hut ab, das hat Nico toll gemacht. Die Verhältnisse waren tückisch, es war sehr leicht, einen Fehler zu machen.»

Neun Jahre später steht Hülkenberg vor dem Aus in der Formel 1, er fällt mit grosser Wahrscheinlichkeit zwischen Stuhl und Bank: Bei Renault hat ihn Teamchef Cyril Abiteboul ausrangiert, der Pariser verspricht sich vom jungen Esteban Ocon mehr. Verhandlungen mit Haas sind gescheitert. Bei Alfa Romeo-Sauber sass Antonio Giovinazzi mit gütiger Hilfe von Ferrari zu fest im Sattel. Zu Williams will Hülkenberg nicht zurück, die Briten sind heute das Schlusslicht der Formel 1.

Le-Mans-Sieger Hülkenberg begegnet dem drohenden Ende seiner Grand-Prix-Karriere mit Galgenhumor. Auf die Frage, welche Wege ihm künftig noch offenstünden, spottete er: «Pizzabäcker.» In Texas sagte der 175fache GP-Teilnehmer: «Ich bereue nichts, ich sehe die Formel 1 nicht als unerledigtes Geschäft. Ich habe über Jahre hinaus konstant Leistung gebracht. Ich finde, das spricht für eine gewisse Qualität. Gewiss, ich würde gerne eine bessere Bilanz vorweisen können. Aber ich kenne die Gründe, wieso das nicht passiert ist. Ich bin mit mir selber im Reinen.»

Zum kommenden Brasilien-GP meint der 32-Jährige: «Ich mag Brasilien als Land, ich mag São Paulo als Stadt. Der Kurs ist traditionell, und es herrscht auf der Rennanlage immer eine ganz besondere Stimmung. Einige Kurven machen mächtig viel Spass – etwas das Senna-S gleich nach Start und Ziel. Die Runde ist zwar verhältnismässig kurz, aber durch die Höhenunterschiede und einige Neigungswinkel der Kurven wirkt sie nie langweilig. Es ist eine Strecke, die ich gern habe.»

«Interlagos war immer gut zu mir. In jedem Rennen konnte ich in die Punkte fahren. Die Chemie scheint einfach zu stimmen, ich fühle mich in der Stadt und auch auf der Strecke wohl. Ich mag die brasilianische Lebensart und die Menschen.»

Die Brasilien-Bilanz von Nico: Achter 2010, Fünfter, trotz der Flugeinlage, 2012 (2011 war Hülkenberg nur Testfahrer von Force India), Achter 2013, Achter 2014, Sechser 2015, Siebter 2016, Zehnter 2018, Ausfall 2018.

Hülkenberg ist seit der Sommerpause jedes Mal in die Top-Ten gefahren: Achter in Spa-Francorchamps, Fünfter in Monza, Neunter in Singapur, Zehnter in Russland, Zehnter in Suzuka (später von der FIA disqualifiziert), Zehnter in Mexiko, Neunter in Texas.

Nico meint: «Wir sind schnell genug, in Brasilien den Platz hinter den drei Top-Teams einzunehmen. Das muss unser Ziel sein.»

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