History: Formel-1-Legende «Black Jack» Brabham

Von Mathias Brunner
Formel 1

​An diesem 2. April wäre John Arthur Brabham 94 Jahre alt geworden. «Black Jack» Brabham ist das klassische Beispiel eines Piloten, der sich aus dem Nichts zum Formel-1-Champion hochgearbeitet hat.

John Arthur «Jack» Brabham wird in der Ahnengallerie der Formel 1 auf immer einen Ehrenplatz haben: Er war 1966 der erste Grand-Prix-Fahrer, der in einem Rennwagen seines eigenen Namens Weltmeister wurde – schwer vorstellbar, dass je ein anderer Racer so etwas schaffen wird.

Der am 2. April 1926 in Hurstville (New South Wales) geborene Brabham begann schon 1947, eigene Sportwagen zu konstruieren. Ein Teil des Rüstzeugs dafür hatte er sich als Mechaniker bei der Royal Australian Air Force geholt. Bei Midget-Rennen in Australien verfeinerte er seine unnachahmlichen Slides. Er lernte auch, nötigenfalls seine Gegner mit einem Sandregen einzudecken, um seine Position zu verteidigen. Zeit seiner Karriere fuhr Brabham diamanthart, oft an der Grenze der Fairness balancierend, bei wenigen Gelgenheiten auch darüber hinaus.

Sein früherer Gegner Sir Stirling Moss sagt: «Mit Jack Brabham hatte ich die härtesten Gefechte überhaupt. Er hat sein Auto gerne ganz an den Rand der Piste tragen lassen und so allerlei Steine aufgewirbelt. Einmal fuhren wir in Neuseeland gegeneinander, und an meinem Wagen brach die Halbachse. Obwohl ich sein härtester Konkurrent war, offerierte er mir die Halbachse seines Ersatzautos. Ich nahm dankend an und holte mir den Sieg, Jack wurde Zweiter. Das war damals so. Jack hat immer alles versucht, um mich auf der Piste zu schlagen. Aber er war auch hilfsbereit.»

Von 1955 bis 1970 bestritt Brabham in der Formel 1 insgesamt 126 Rennen für die Rennställe Cooper, Maserati, Lotus und für das von ihm selbst gegründete Team Brabham, wo er mit dem Techniker Ron Tauranac eine ideale Ergänzung gefunden hatte.

Jack Brabham gewann 14 Rennen und wurde drei Mal Formel-1-Weltmeister (1959, 1960, 1966), zwei Mal mit Cooper, 1966 im eigenen Rennwagen. Noch 1970, in seiner letzten GP-Saison, war er Siegfahrer und hätte mehr Rennen gewinnen müssen als die Saisoneröffnung in Südafrika. Doch in Monaco rutschte er unter dem Druck von Jochen Rindt von der Bahn, in England ging ihm der Sprit aus, wieder erbte Rindt.

Zu wenig Sprit hatte schon bei seinem ersten WM-Titelgewinn eine dramatische Rolle gespielt: Beim letzten Rennen der Saison 1959 in Sebring ging Brabham als Leader der Weltmeisterschaftswertung mehrere hundert Meter vor der Ziellinie der Sprit aus. Er schaffte es jedoch, seinen Wagen noch auf dem vierten Platz über die Ziellinie zu schieben, dann brach er neben seinem Renner zusammen. Da in der Saison nur die besten fünf Resultate eines Fahrers in die Wertung eingingen, hätte er in diesem Rennen mindestens Zweiter werden müssen, um mehr Punkte als seine Konkurrenten zu haben. Seine Titelkontrahenten Tony Brooks und Stirling Moss hätten diesen Grand Prix gewinnen müssen, um eine Titelchance zu haben. Da Brooks Dritter wurde und Moss ausfiel, wurde Brabham Weltmeister.

1961 trat Brabham mit seinem Cooper beim Indy 500 an. Der britische Renner mit Heckmotor wirkte gegen die wuchtigen Indy-Roadster fragil und zwergenhaft. Was Jack auf den Geraden an Power fehlte, holte er in den Kurven durch besseres Handling auf. Er wurde Neunter und löste im IndyCar-Sport die Heckmotor-Revolution aus. Acht Jahre später waren die Frontmotor-Roadster ausgestorben.

Weniger gut lief es für Brabham in der Königsklasse: Die Rennwagenmarke Cooper wurde 1961 von den neuen Ferrari und von Lotus förmlich überrollt, so dass der zweifache Weltmeister Jack Brabham (Champion 1959 und 1960) in der WM auf Rang 11 absackte.

Der Australier fuhr als typischer Vertreter der Rennfahrer aus den 50er und 60er Jahren so ziemlich alles, was vier Räder hatte. 1957 wurde er mit einem Cooper in Le Mans Dritter (zusammen mit Ian Raby). In einem Matra gewann der dreifache Weltmeister 1970 das letzte grosse Rennen seiner Karriere, die 1000 Kilometer von Paris, zusammen mit François Cevert. Die grössten Erfolge feierte Black Jack aber im offenen Einsitzer.

In den Jahren 1958 und 1966 wurde Brabham britischer Formel-2-Meister. In der Formel-2-Saison 1965 fuhr er mit dem Brabham BT16-Honda in fünf Rennen auf je einen zweiten und neunten Platz sowie in zwei Rennen die schnellste Runde. In der Saison 1966 dominierte er zusammen mit seinem Teamkollegen Denny Hulme im Brabham BT18-Honda. Er gewann diese Formel-2-Meisterschaft mit 36 Punkten und zehn Siegen in zwölf Rennen vor Hulme mit 28 Punkten.

1966 wurde der Hubraum in der Formel 1 auf drei Liter verdoppelt, worauf kein Team vorbereitet war – doch der clevere Brabham hatte eine Idee. Brabham liess von der australischen Firma Repco einen verhältnismässig einfachen V8-Motor bauen, mit dem er aufgrund dessen Zuverlässigkeit die Fahrerweltmeisterschaft 1966 gewann, Basis dazu waren vier Siege zur Saisonmitte hintereinander (Reims, Brands Hatch, Zandvoort und Nürburgring). Dies war gleichzeitig das erste und bisher einzige Mal, dass ein Fahrer in einem selbst konstruierten Wagen Weltmeister wurde.

Als er sich 1970 im Alter von fast 44 Jahren vom aktiven Rennsport zurückzog, hielt der bis dahin als wortkarg geltende Australier eine rhetorisch brillante, selbstironische Rede. Hintergrund seiner sonst eher kurzen Antworten war vielleicht seine Schwerhörigkeit, die er auf den hohen Geräuschpegel der direkt hinter dem Fahrer eingebauten Mittelmotoren zurückführte.

Brabham machte sich 1970 selber über sein angeblich hohes Alter lustig – als er mit Rauschebart und Krückstock zu seinem Rennwagen humpelte, ungeachtet seiner schwarzen Haare, für die er «Black Jack» gerufen wurde.

Brabham verkaufte seinen Rennstall an den späteren Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone – Nelson Piquet holte sich damit 1981 und 1983 den WM-Titel.

Sir Jack Brabham wurde drei Mal Weltmeister. Seine Söhne mühten sich in der Formel 1 weitgehend vergeblich ab: Gary kam bei zwei Versuchen nicht über die Qualifikation hinaus, David bestritt 24 Rennen, blieb aber ohne Punkte.

1966 wurde Brabham mit dem OBE geehrt (Officer of the Order of the British Empire), 2008 wurde er mit dem australischen Gegenstück geadelt, für seine Verdienste im Motorsport als Botschafter.

Noch beim Australien-GP 2014 war Brabham Ehrengast in Melbourne, allerdings in sichtlich zerbrechlicher Verfassung. Am 19. Mai verschloss «Black Jack» für immer die Augen, wegen Versagens der Nieren und der Leber.

Am 11. Juni 2014 erhielt Sir Jack Brabham ein Staatsbegräbnis. Statt Blumen wünschte sich die Familie Spenden für die Organisationen gegen Nierenleiden – Brabham musste in den letzten Jahren seines Lebens regelmässig zur Dialyse.

Mehr über das Leben von Jack Brabham finden Sie auf YouTube, wie beispielsweise in diesem Film:

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