Marc Surer über Vettel: Von Ferrari zu Mercedes-Benz?

Von Mathias Brunner
Formel 1

​Verblüffend: Gut zwei Drittel der gegenwärtigen Formel-1-Fahrer haben für 2021 kein Cockpit bestätigt. Wir haben Marc Surer zu einem kleinen imaginären Rundgang durchs Startfeld eingeladen.

Hand aufs Herz, hätten Sie gewusst, welche Fahrer von ihren Rennställen bereits für die kommende Saison bestätigt sind? Es sind nur sechs: Charles Leclerc (Ferrari), Max Verstappen (Red Bull Racing), Lando Norris (McLaren), Esteban Ocon (Renault), Sergio Pérez (Aston Martin) und George Russell (Williams). Das war Grund genug, sich mit Marc Surer ein wenig über die Situation in den zehn Teams zu unterhalten, angefangen mit Mercedes-Benz und Ferrari.

Marc, Lewis Hamilton hat immer beteuert, dass Mercedes seine Familie sei. Aber vor kurzem hat er eine entsprechende Instagram-Nachricht vom Netz genommen. Wie ernsthaft hat Lewis Hamilton deiner Meinung nach an einen Wechsel zu Ferrari gedacht?

Ich glaube, die Entscheidung von Hamilton hängt eher davon ab, was bei Mercedes passiert. Auch er spürt vielleicht, dass das Verhältnis zwischen Teamchef Toto Wolff und dem neuen Daimler-Chef Ola Källenius nicht mehr so eng ist wie zuvor zwischen Wolff und Dieter Zetsche. Bei diesen beiden hatte ich immer das Gefühl: Die sind ein Herz und eine Seele.

Aus Marketing-Sicht muss Mercedes klar sein: Es gibt keine bessere Werbung als die Formel 1. Schon der frühere Mercedes-Rennleiter Norbert Haug hat dem Vorstand immer vorgerechnet, wie viel Geld in die Hand genommen werden müsste, um ohne Formel 1 eine solche Präsenz in der Öffenlichkeit zu bekommen.

Wie geht es bei Mercedes weiter? Es kann Zufall sein oder nicht, dass sich Toto Wolff privat bei Aston Martin als Investor engagiert. Möglicherweise jedoch spürt Hamilton, dass diese grosse Mercedes-Ära in der Formel 1 dem Ende zugeht. Eine Überlegenheit ist vielleicht auch nicht mehr so gross, wenn mit einem Budgetdeckel gearbeitet werden muss. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich Hamilton viele Gedanken macht.

Findest du grundsätzlich, die Karriere eines herausragenden Formel-1-Fahrers ist ohne Ferrari unvollendet?

Das ist natürlich schon das i-Tüpfelchen auf eine grosse Karriere. Aber bei Hamilton gilt zu bedenken: Er ist bereits für zwei verschiedene Rennställe Weltmeister geworden, im Gegensatz zu Sebastian Vettel. Aus dieser Perspektive muss er nicht unbedingt nach Maranello. Aber der Mythos Ferrari lockt jeden – auch Lewis Hamilton.

Wer ist bei Mercedes für Valtteri Bottas eine echte Alternative?

Ich würde auf jeden Fall einen jungen Piloten ins Auto setzen, und George Russell drängt sich hier auf. Bottas ist für mich eine erstklassige Nummer 2, aber ich sehe ihn nicht als künftigen Weltmeister. Wenn du einen jungen Piloten aufbaust, dann hast du immerhin die Aussicht, einen Fahrer zu finden, der eines Tages den Platz von Hamilton einnehmen kann.

Was passiert letztlich bei Mercedes?

Ich glaube, wenn Hamilton bleibt, dann wird er sich dafür einsetzen, dass auch Bottas bleibt. Denn er weiss genau, dass er mit diesem Fahrer keine Probleme hat.

In Italien wird spekuliert, Sebastian Vettel sei für 2021 nur ein Einjahresvertrag angeboten worden, zu einem Drittel seines bisherigen Gehalts. Ist das aus deiner Sicht für einen Fahrer wie Vettel akzeptabel?

Die Frage ist eher: Wo will Vettel denn hin? Das weiss Ferrari ganz genau, und somit sitzen sie bei den Verhandlungen am längeren Hebel. Vettel hat damals bei Ferrari einen sehr lukrativen Vertrag erhalten. Es ist klar, dass er eine Einbusse hinnehmen muss. Das ist weniger ein Fall von mangelnder Wertschätzung, sondern eher Poker auf hohem Niveau.

Gilt für Vettel: Ferrari oder Aufhören? Oder erkennst du Anzeichen, dass ihn McLaren reizen würde?

Wieso keine Alternative, die Mercedes heisst? Ich weiss jetzt nicht, ob Hamilton ihn als Teamgefährten akzeptieren würde. Wenn Vettel nochmals Weltmeister werden will, dann wird er nicht zu McLaren ziehen. Dort dauert das einfach zu lange, zumal die Einführung der neuen Rennwagengeneration um ein Jahr verschoben worden ist. McLaren wird mit dem Mercedes-Motor 2021 weiter Fortschritte machen, aber diese Schritte werden kleiner, und ich glaube nicht, dass sie im kommenden Jahr um den Titel mitfahren.

Vettel zu Mercedes, das wäre doch ein Knaller. Und die Traditionsfirma hätte wieder einen Deutschen im Wagen. Als Nico Rosberg 2016 Weltmeister wurde, konnten sie das wegen seines Rücktritts gar nicht richtig nutzen.

Welche Vor- und Nachteile siehst du für Ferrari bei einem Engagement von Daniel Ricciardo oder Carlos Sainz?

Beide wären tolle Nummer-2-Fahrer. Ricciardo weiss, wie man Rennen gewinnt, damit wäre er die bessere Wahl. Er ist reif genug, Situationen richtig einzuschätzen, und wenn sich eine Chance auf den Sieg bietet, dann schlägt er zu, das hat er mehrfach bewiesen. Sainz würde Leclerc nicht gefährden können.

Ich halte Antonio Giovinazzi für mental zu wenig stark, um ein Ferrari-Fahrer zu sein, zumal als Italiener, was den Druck noch erhöht. Was meinst du?

Ich weiss nicht, wo Giovinazzi künftig noch unterkommen will. Er hat zu lange gebraucht, um zu punkten, er hat viele Fehler gemacht. Er schlägt Kimi eigentlich nur dann, wenn Räikkönen keine Lust hat.

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