Rosberg trumpft auf

Von Peter Hesseler
Formel 1
Rosberg von oben im neuen Silberpfeil

Rosberg von oben im neuen Silberpfeil

Aber die Tagesbestzeit von Barcelona am letzten Streckentag vor dem Saisonbeginn am 27. März sagt wenig aus – Kleine Schlussbilanz.

Starker Niederschlag über den gesamten Tag verteilt machte den letzten Vorbereitungstag von Barcelona, den letzten vor dem Saisonauftakt in Melbourne (27. März) überhaupt, zu einem fragwürdigen Vergnügen. Manche Teams verzichteten auf konsequente Arbeit, da Fahrzeugentwicklung bei Nässe ohnehin nicht möglich ist. Allenfalls die Nutzung der Intermediate- und Regenreifen, Starts bei Nässe und Ähnliches lässt sich an Tagen wie diesem erproben. Zeitweise war es zu gefährlich, überhaupt auszurücken, so dass am Morgen fast gar nicht gefahren wurde.

Die Zeiten vom Tage sind wenig aussagekräftig. Aber der Pflicht halber sei erwähnt: Nico Rosberg beendete im Mercedes GPW-02 den letzten Streckentag vor Saisonbeginn mit der Tagesbestzeit von 1:43,814 Minuten, gefolgt von Pastor Maldonado im Williams (1:44,333) und Lewis Hamilton (McLaren-Mercedes, 1:44,560).

Für die Statistiker ist festzuhalten, dass Mercedes GP die Reihe der vier Vortests mit zwei Bestzeiten in Folge beendet. Es gibt schlechtere Signale…

Nach diesem (Un-)Wettertag ist für uns der Stand relevant, der sich am Freitagabend nach einem ergiebigen und trockenen Testtag ergab. Schon da hatten nämlich Sebastian Vettel mit Red Bull Racing, Nick Heidfeld mit Renault und Adrian Sutil mit Force India ihre Koffer gepackt.

Weltmeister Vettel sagte: «Unsere Vorbereitung war gut. Wir haben eine Menge Kilometer gemacht. Ich glaube, wir sind mehr denn je gefahren vor einer Saison, was positiv ist. Jetzt freuen wir uns nur noch auf den Start in Melbourne. Wenn ich nach dem Tempo gefragt werde, kann ich nur sagen: Wir sind da (wo wir sein wollen) oder zumindest nahe dran. Ganz genau kann man das jetzt noch nicht wissen. Aber bin ich guter Ding? Ja, bin ich.»

Red-Bull-Racing-Entwicklungschef Ian Morgan lobte die Haltbarkeit des RB7 und das Tempo «aus der Box heraus. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.»

Michael Schumacher, der am Samstag auf Zeitenjagd verzichtete, aber Freitag Schnellster war, zieht Bilanz: «Uns ernst zu nehmen, ist nicht allzu verkehrt». In der Position des Favoriten sieht er sich und Mercedes GP indes nicht. Aber nach seiner Toprunde vom Freitag, nicht mal auf den schnellsten verfügbaren Reifen erzielt, sagt er auch selbst: «Diese Zeit war nicht so schlecht. Ich bin jetzt definitiv optimistischer.»

Für Mercedes GP sind diese Töne wie Musik. Schumis Optimismus fusst vor allem darauf, dass sich die im Computer vorausberechneten Zeitvorteile und die Wirkung der Neuteile auf der Strecke bestätigten. Das bedeutet: Mercedes GP ist hinsichtlich der Fahrzeugentwicklung ein wichtiger Schritt gelungen, wenngleich Experten glauben, dass zu den Red-Bull-Renault im Qualifikations-Trimm immer noch eine volle Sekunde fehlt.

Auch Fernando Alonso ist zuversichtlich. Er fuhr am verregneten Schlusstag nur fünf Runden und sein Team packte zwei Stunden vor dem offiziellen Ende die Koffer. «Wir sind so gut vorbereitet wie vor einem Jahr», sagt der spanische Ferrari-Pilot. Und vor einem Jahr gewann er den Auftakt in Bahrain. Ferrari hat ein sehr zuverlässiges Auto, was in den ersten Überseerennen zum entscheidenden Vorteil werden kann.

«Kleinigkeiten werden den Ausschlag», sagt Alonso, «und zwar zwischen uns Red Bull Racing und anderen. Wir sind aber dabei und es hängt in Australien, Malaysia und China daran, wer an und auf der Strecke das Beste aus seinen Möglichkeiten macht.»

Nick Heidfeld war am letzten Renault-Testtag (Freitag) wegen eines Getriebeproblems nicht mit dem geplanten Programm (Rennsimulation) durchgekommen, sein Team lobte aber das am Morgen demonstrierte Tempo und die Fahrzeug-Balance, besonders hinsichtlich eines gleichmässigen Verschleisses der Pirellireifen.

Mit unzufriedenen Untertönen äusserte sich Adrian Sutil, der betonte, er sei am Freitag 26 Runden gefahren. Was nicht die Welt ist…

Auch schaffte Sutils Team wegen des Zeitaufwands der Abstimmungsänderungen nicht, die geplante Qualifikationssimulation durchzuführen. Immerhin konnte Adrian noch auf superweichen Reifen ausrücken. Er sieht beim Tempo noch viel Potenzial. Das Team schaffte es nicht, die Neuerungen richtig ans Laufen zu bringen.

Force-India Einsatzleiter Dominic Harlow lobte die Standfestigkeit des VJM04, der insgesamt mit mehr als 5500 gefahrenen Testkilometern ausgestattet ist. Er kündigte neue Teile für den Saisonauftakt in Melbourne an.

Team Lotus beendete den Barcelona-Test, ebenfalls schon am Freitag, in Hochstimmung. Heikki Kovalainen spulte zwei Renndistanzen ab und zeigte sich begeistert, auch vom Tempo. «In Melbourne können wir den Schritt vorwärts, den wir für 2011 geplant haben, umsetzen.» Technikchef Mike Gascoyne spricht schon jetzt gegenüber dem Vorjahr, dem ersten des Teams in der F1, von einer gewaltigen Verbesserung. Die Gesamt-Kilometer-Leistung aller Vortests liegt bei Team Lotus knapp über 4000. Daran lässt sich ablesen, dass das Auto oft und lange gestanden hat. Ohne diesen letzten, gelungenen Testtag hätte Team Lotus die Alarmglocken läuten müssen.

Sauber, Williams und Toro Rosso haben schnelle Autos, die für Punkte und vielleicht für Überraschungserfolge gut sind. Probleme macht, vor allem bei Sauber und Williams, die Standfestigkeit der KERS-Einheiten.

Timo Glock wird mit Virgin eine bessere Rolle spielen als 2010, aber trotzdem vorwiegend im Hinterfeld anzutreffen sein.

Am Dienstag werden die Fahrzeuge für den Transport nach Melbourne verladen. Es kann endlich losgehen.

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