Kai Ebel & Formel-1-VIP: cool, lächerlich, sprachlos

Von Mathias Brunner
Formel 1
Kai Ebel: Über Geschmack lässt sich nie streiten

Kai Ebel: Über Geschmack lässt sich nie streiten

Teil 2 unseres Interviews mit RTL-Hansdampf Kai Ebel: Welche Promis pflegeleicht sind, welche zickig, und wieviele Hemden nun wirklich in seinem Schrank hängen.

Der Weg zur Formel 1 begann für Kai Ebel mit dem Abi am neusprachlichen Gymnasium in Mönchengladbach. Nach dem Wehrdienst studierte er an der deutschen Sportschule in Köln, Ebel besitzt einen Abschluss als diplomierter Sportlehrer. Seit 1988 ist Ebel bei RTL als Sportredakteur tätig, seit 1992 berichtet er bis heute von den Rennstrecken. Selbst wenn der GP-Zirkus aus mehreren tausend Spezialisten besteht, ist die Gefahr nicht so gross, dass Kai Ebel untergeht. Wikipedia: «Ebel ist auch bekannt für seine extravagante und bunte Kleiderwahl, für die er 2009 anlässlich des 25. Geburtstages von RTL zum Moderator mit dem schlechtesten Modegeschmack gekürt wurde.» Aber, um zwei geflügelte Worte zu bemühen, über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten, und die Quelle erreicht nur, wer gegen den Strom schwimmt …

Kai, im ersten Teil unseres Gesprächs haben wir über die Formel-1-WM gesprochen und über einzelne Piloten. Jetzt würde ich gerne ein wenig über die Promis reden. Du bist ja nicht eben aufs Maul gefallen. Bei welchem Interviewpartner jedoch wurdest du zum Fan?

Zum Fan vielleicht nicht, aber überrascht werde ich oft. Vor allem dann, wenn du eine Antwort erhältst, mit der du überhaupt nicht gerechnet hättest. Nach dem Terror-Anschlag von New York reisten wir zum Bahrain-GP. Viele hatten Angst davon, nach Arabien zu reisen. Just bei diesem Rennen war Michael Jackson Stargast, im VIP-Tower bei den Scheichs. Ich habe dann Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone interviewt und gesagt – Mensch, Bernie, jetzt haben wir einen Weltstar wie Michael Jackson hier, werden wir ihn denn auch auf der Startaufstellung sehen? Bernie antwortete: «Gebt mir zwei Minuten, dann kommt er aus dem Turm runter, zusammen mit Osama bin Laden.» Da war ich dann auch sprachlos.

Heidi Klum habe ich in einer Startaufstellung mal ein Geburtstags-Ständchen gesungen, das war ganz nett. Bei Lionel Richie habe ich das Interview singend begonnen – hello, is it me you’re looking for? Das fand er lustig. Es ist halt schon cool, wenn Prominente bei einem solchen Spass auch mitmachen. Andere sind für ihren Status verblüffend zugänglich, einen Sting oder einen Michael Douglas bekommst du immer für ein Interview. Und dann hast du einen David Beckham, mit gefühlten 1000 Fotografen und TV-Kameras um ihn herum, und der sagt dir dann allen Ernstes, er sei privat hier und wolle keine Interviews geben. Lächerlich! Wieso ist er dann überhaupt in der Startaufstellung? Da möchte man am liebsten den Arzt konsultieren.

Jetzt mal Hand aufs Herz: Wieviele Hemden besitzt du wirklich?

(Lacht) Um die hundert?

Was? Das kann unmöglich sein ...

Hm, okay, es müssten schon mehr sein. Ich sortier eben schnell mal wieder welche aus. Dann lass mich so antworten: Es könnte wohl reichen, um jeden Tag im Jahr ein frisches anzuziehen.

Wer kann dir im Fahrerlager in Sachen Modestil das Wasser reichen?

Es geht ja nicht nur um bunt, es geht um modisch und schick. Adrian Sutil hat da ein gutes Händchen. Ich glaube, nahe kommt mir Eddie Jordan – auffällig, aber auch gut.

Vom deinem ersten Grand Prix bis zu Brasilien 2013 – in welcher Art hat sich die Formel 1 am meisten verändert?

Das ist schwer zu sagen, weil es ein schleichender Prozess war. Am Anfangs war alles etwas chaotischer. Man musste im wahrsten Sinne des Wortes um seine Antworten kämpfen. Es gab keine festen Medientermine. Es gab auch dieses Gatter nicht, wo die Fahrer von TV-Mannschaft zu TV-Mannschaft wechseln.

In Sachen Sicherheit war ganz wichtig, dass nach dem Tod von Roland Ratzenberger und Ayrton Senna in Imola etwas getan wurde. Da waren auch die Fahrer selber sehr aktiv, die sich in der neuen Pilotenvereinigung organisierten.

Ein Wendepunkt war auch der Einstieg von Red Bull. Ich fand die Entwicklung von Red Bull Racing bemerkenswert. Viele haben das heute schon fast vergessen, aber jahrelang galt RBR ja nur als die Party-Truppe – immer laute Musik, die tollsten Partys, die aparten La Unas, die Fahrerlagerzeitung, dazu Gags wie die Werbung für den Star-Wars-Film, wo dann die Boxenmannschaft schon mal verkleidet als galaktische Sturmtruppe auftrat. Das muss man sich mal vorstellen! Und diese Spasstruppe fährt nun allen um die Ohren. Das hätte keiner für möglich gehalten, auch die so genannten Experten nicht. Das finde ich eine unglaubliche Entwicklung. Aber im Grunde hätte man ahnen müssen, was da auf uns zukommt: Didi Mateschitz ist ein Mann mit Visionen, Dr. Helmut Marko hat das entsprechend umgesetzt, eine irre Erfolgsgeschichte!

Oh, da fällt mir ein, du hast doch nach Momenten gefragt, die einem in Erinnerung bleiben. Jeder weiss, dass Didi Mateschitz eigentlich keine TV-Interviews gibt, und normalerweise respektiere ich diesen Wunsch. In Abu Dhabi, nach dem ersten WM-Titel von Sebastian Vettel, ist Mateschitz weg geeilt, ich mit der Kamera hinterher, dann habe ich ihn bei der Boxenmauer gestellt und gesagt: «So, Herr Mateschitz, jetzt kommen Sie mir hier nicht weg, jetzt müssen Sie uns etwas sagen.» Er meinte: «Um Gotteswillen, was soll i denn ...» Dann aber hat er uns ein prima Interview gegeben. Da bin ich fast etwas stolz darauf.

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