Trotz Crash und Platz 17: Rookie Razgatlioglu ist schon jetzt angekommen
Auf dem Papier las sich der erste MotoGP-Rennauftritt von Toprak Razgatlioglu bescheiden. Doch im Kleingedruckten finden sich Fakten, die dem Superbiker ein fabelhaftes Einsteigerzeugnis ausstellen.
Dass MotoGP-Neueinsteiger Toprak Razgatlioglu bei seinen ersten Rennen in der Königsklasse keine Sensation herausfahren würde, war allen klar. Allein die Tatsache, dass der Umsteiger aus der Superbike-Welt für Yamaha aktiv ist, schloss beim aktuellen Leistungsstand der M1 ein Spitzenergebnis aus.
Für sich betrachtet schlug sich der erste MotoGP-Pilot aus der Türkei aber viel besser, als die Zahlen auf den Ergebniszetteln in Buriram dokumentierten. Toprak war in das Event am Freitagmorgen mit einer 1:31,1 min und Position 21 gestartet. Damit war «El Turco» aber bereits auf weniger als 0,3 sec an Jack Miller herangerückt und auch auf Yamaha-Referenz Quartararo war der Rückstand auf 0,6 sec geschrumpft. Damit war der Pramac-Pilot höher in die Meisterschaft eingestiegen – als bei den Wintertests. Statt 2,1 sec wie beim Test in Thailand fehlten die Bestzeit von Marco Bezzecchi nur noch 1,7 sec.
Rückstand halbiert
Und auch im Qualifying feilte Razgatlioglu weiter. Auch wenn die Späne immer feiner wurden, die Nummer 7 fand weitere zwei Zehntel zur Referenzmarke und kam nun auf 1:30,1 min. Absolut beeindruckend dann der Auftritt in seinem ersten MotoGP-Rennen überhaupt. Von Platz 21 losgefahren, war Toprak schneller als Quartararo. Auf die schnellste Rennrunde von Marc Marquez fehlten nun bereits nur noch 1,1 s. Auf der klar unterlegenen Yamaha hatte der Rookie die Elite binnen weniger Tage halbiert. Aber: Razgatlioglu sah die Flagge nicht, Sturz in Runde 10.
Pramac-Teammanager Gino Borsoi hatte seinem Schützling trotz Abflug danach öffentlich applaudiert: «Sehr schade, dass Toprak gestürzt ist, denn sein Tempo war – genau wie das von Jack – sehr konkurrenzfähig. Er konnte sich innerhalb einer Sekunde pro Runde hinter der Spitzengruppe halten, und für seinen ersten MotoGP-Sprint ist das ein außergewöhnliches Niveau.»
Gnadenloser erster Grand Prix
Am Rennsonntag bekam der Rookie dann die volle Härte der Königsklasse zu spüren. Dass das Management der 300-PS-M1 über 26 Runden bei 60 Grad Asphalttemperatur zu viel war, überraschte nicht. Razgatlioglu musste sich im Feld wieder hinter die Yamaha-Kollegen Quartararo, Rins und Miller reihen. Auf den Franzosen büßte er über die Distanz gut acht Sekunden ein, im schnellsten Umlauf aber nur 0,2 sec!
Realist Razgatlioglu nach seinem ersten Grand Prix in der Medieninformation seines Teams: «Es war mein erstes komplettes Rennen in der MotoGP und natürlich hatte ich mir ein besseres Ergebnis erhofft. Aber es war ein langes und sehr anspruchsvolles Rennen – 26 Runden bei dieser Hitze sind körperlich sehr anstrengend.»
Toprak weiter: «Wir hatten deutliche Probleme mit dem Hinterradgrip, insbesondere im längeren Verlauf des Rennens, aber ich möchte die Schuld dafür nicht anderen geben. Ich weiß, dass ich noch viel zu lernen habe, und gleichzeitig wissen wir, dass Yamaha hart daran arbeitet, das Paket zu verbessern.»
Trotz bescheidener Ergebnisse steht, dass Toprak Razgatlıoglu seinen Platz in der MotoGP bereits gefunden hat. Rookie-Kollege Diogo Moreira, der auf der konkurrenzfähigen Honda 13. wurde und in der Spitze 0,4 sec schneller als der Yamaha-Athlet fuhr, dürfte die Nummer 7 schon bald direkt hinter – oder vor sich sehen.
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