3. Training Silverstone: Sebastian Vettel Schnellster

Von Vanessa Georgoulas
Formel 1
Sebastian Vettel durfte sich im verregneten dritten freien Training auf dem Silverstone Circuit über die Bestzeit freuen

Sebastian Vettel durfte sich im verregneten dritten freien Training auf dem Silverstone Circuit über die Bestzeit freuen

Die Mercedes-Stars Nico Rosberg und Lewis Hamilton verzichteten im dritten freien Training zum Grossbritannien-GP auf eine Rundenzeit und sorgten damit für die erste Trainingsbestzeit von Sebastian Vettel in diesem Jahr.

Der berüchtigte britische Regen hatte sich in der Nacht auf Samstag über Silverstone festgesetzt und erst am Morgen wieder aufgehört. Zum letzten freien Training zum Grossbritannien-GP mussten Formel-1-Stars auf nass glänzendem Asphalt ausrücken, trotzdem entschieden sich einige Piloten dafür, die Intermediates-Reifen aufziehen zu lassen. «Das ist vernünftig», erklärte denn auch der ehemalige GP-Pilot und Sky Sport1-Experte Marc Surer. «Die Strecke trocknet sehr schnell ab, denn sie fällt überall ein bisschen ab.»

Auch dass die Nachwuchstalente der GP3 die grössten Pfützen im Qualifying weggefegt hatten, kam den Formel-1-Fahrern entgegen. So berichtete McLaren-Star Jenson Button schon auf seiner ersten Runde von trockenen Stellen und Williams-Fahrer Valtteri Bottas erklärte über Boxenfunk: «Die Strecke ist sehr viel besser als erwartet, überall gibt es schon trockene Stellen.» Auch Marussia-Pilot Jules Bianchi liess sein Team wissen, dass es wohl nicht mehr lange gehen würde, bis die Strecke trocken war.

Max Chilton: Regen-Chance verpasst

Der von Ferrari geförderte Franzose irrte sich: Schon eine Viertelstunde nachdem die Boxenampel auf grün gesprungen war setzte der Regen wieder ein, wie Mercedes-Star Lewis Hamilton an die Box funkte: «Da kommt noch mehr Regen.» Bianchis Teamkollege Max Chilton war das Wetter zu diesem Zeitpunkt schon egal: Ein Getriebeschaden sorgte für ein frühes Trainingsende des jungen Briten.

Surer weiss: «Am Samstagmorgen muss bereits das Renngetriebe verbaut sein, das heisst also, fünf Plätze zurück. Wobei es bei Chilton wahrscheinlich keine fünf Plätze gibt, die er zurückversetzt werden könnte – so weit hinten, wie sich die Marussia-Renner für gewöhnlich platzieren. Einzig der Regen könnte hier für Überraschungen sorgen.»

Später Auftritt der Stars

Die Formel-1-Rookies Daniil Kvyat und Kevin Magnussen kämpften derweil mit unterschiedlichen Problemen: Während sich der Russe im Toro Rosso über starkes Übersteuern beklagte und verzweifelt funkte: «Das Auto ist sehr schwer zu fahren», erklärte McLaren-Neuling Magnussen über Boxenfunk: «Ich kann das Auto nicht richtig fühlen, da ist zu wenig Haftung auf der Vorderachse.» Surer kommentierte trocken: «Das ist genau das Gegenteil von dem, was wir von Kvyat gehört haben. Sein Auto schiebt über die Vorderachse.»

Die Stars des Formel-1-Feldes liessen sich Zeit mit ihren gezeiteten Runden. Zur Mitte der letzten Trainingsstunde hatten sich mit Red Bull Racing-Aufsteiger Daniel Ricciardo, Magnussen, dem Lotus-Duo Romain Grosjean und Pastor Maldonado, den Toro Rosso-Piloten Jean-Eric Vergne und Kvyat, Button, Marcus Ericsson im Caterham, Bianchi und Ericssons Teamkollegen Kamui Kobayashi erst zehn Piloten eine Rundenzeit gutschreiben lassen.

Schrecksekunde für Romain Grosjean

Mit einem spektakulären Dreher sorgte Grosjean kurz nach Halbzeit für Unterhaltung auf der Start-Ziel-Geraden. Der Lotus-Pilot kam auf die Randsteine und drehte sich fast in die Mauer. Surer erklärte: «Wen wundert’s bei einem so schlecht liegenden Auto. Dass er da nicht innen anschlägt, liegt daran, dass er die Bremse rechtzeitig gelöst hat.»

Nach seinem Dreher erklärte Grosjean seinem Renningenieur: «Irgendetwas stimmt nicht an der Hinterachse, ich komme rein.» Und Surer rätselte: «Da war vielleicht vorher schon etwas, das wir nicht gesehen haben.» Und Ex-GP-Pilot Anthony Davidson grinste: «Was da nicht stimmte, ist: Im Regen sollte man nicht über die Randsteine fahren, schon gar nicht eingangs der Start-Ziel-Geraden in Silverstone.»

Red Bull Racing: Im Regen stark

Einen guten Eindruck hinterliessen die Red Bull Racing-Piloten Daniel Ricciardo und Sebastian Vettel, welche die Spitze der Zeitenliste besetzten. Davidson lobte: «Bei Daniel ist klar zu sehen, dass er Formel-3-Erfahrung aus Grossbritannien mitbringt – er fährt ganz andere Linie, weil er eben weiss, wo die Bahn bei Regen am Besten ist. Bei solchen Verhältnissen ist im Abschlusstraining alles möglich – ich traue Red Bull Racing hier zu, Mercedes in die zweite Startreihe zu pfeffern!» Red Bull Racing-Teamchef Christian Horner bestätigte denn auch, dass seine Schützlinge im besten Fall geschätzte drei Zehntelsekunden von den Mercedes-Spitzenreitern entfernt seien.

Für Unterhaltung sorgte Bianchi schliesslich im letzten Drittel des Trainings. Der Franzose bretterte Eingangs der Stowe-Kurve in die Reifenstapel. Surer analysierte: «Da war er einfach zu schnell. Das innere Rad steht und da hat er nicht einmal mehr die Chance, wie Hamilton vor ihm rechts in der Auslaufzone die Kurve zu kriegen.» Der 24-Jährige aus Nizza hatte Glück im Unglück: Der Aufprall fiel vergleichsweise sanft aus – mehr als ein zerknüllter Frontflügel sollte dabei nicht kaputt gegangen sein.

Sebastian Vettel ohne Konkurrenz

In den letzten Minuten wurde es dann wieder ruhig auf der Strecke. Mercedes-Motorsportdirektor Toto Wolff erklärte: «Natürlich sind diese Bedingungen alles andere als perfekt und es macht nicht viel Sinn, jetzt auszurücken.» Auch Ferrari meldete, dass man vorzeitig aufhöre, um Reifen zu sparen. Fernando Alonso drehte keine gezeitete Runde. Auch die McLaren-Piloten verzichteten darauf, in den letzten zehn Minuten auszurücken.

Mercedes-Pilot Nico Rosberg stimmt seinem Chef zu: «Das waren sehr schwierige Bedingungen da draussen. Es war richtig stürmisch, wir hatten fast 40 km/h Wind. Wenn ich nun in eine Kurve mit 100 km/h fahre und so starken Rückenwind habe, dann fehlt mir die Haftung, denn für das Auto ist es so, als ob ich nur 60 km/h fahre. Dann funktioniert die Aerodynamik nicht. Umgekehrt habe ich enorm viel Grip, wenn der Wind von vorne kommt.»

Da die Silberpfeile ganz darauf verzichteten, eine Rundenzeit in den Asphalt zu brennen, durfte sich Sebastian Vettel erstmals in diesem Jahr über die Trainingsbestzeit freuen. Hinter ihm reihten sich Ricciardo, Maldonado, Grosjean, Sauber-Pilot Adrian Sutil, Kvyat, Magnussen, Button, Bottas und Ferrari-Star Kimi Räikkönen auf den restlichen Top-Ten-Plätzen ein.

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