Motorentechniker warnt: Hockenheim ist Turbo-Killer

Von Mathias Brunner
Formel 1
Selbst wenn die langen Waldgeraden von Hockenheim der Historie angehören – die südbadische Rennstrecke ist auch für die neuen Formel-1-Antriebseinheiten eine Höchstbelastung.

Cedrik Staudohar ist einer von hunderten Formel-1-Spezialisten, deren Namen den meisten Grand-Prix-Fans wenig sagt. Der Franzose ist Stellvertreter von Rémi Taffin, dem Einsatzleiter von «Renault Sport F1» auf den verschiedenen Rennstrecken. Vor dem Hockenheim-GP verrät Staudohar, wieso die deutsche Rennstrecke für die 2014er Antriebseinheiten eine ganz besondere Belastung bedeuten.

«Wie in Silverstone werden auch in Hockenheim die Antriebseinheiten mit langen Vollgaspassagen belastet, wir sprechen hier von rund zwei Dritteln der ganzen Bahn! Die Fahrer werden in der ersten Hälfte der Runde vier Mal mehr als 300 km/h erreichen. Das bedeutet viel Stress für den Verbrennungsmotor, den Turbo und die MGU-H.» (Alle Elemente werden weiter unten erklärt, M.B.)

Staudohar weiter: «Das stadionartige Motodrom mit drei engen Ecken sowie die Haarnadel am Schluss der Vollgaslinks namens Parabolica sind die besten Gelegenheiten, um Bremsenergie zu speichern. Fast alle Kurven sind langsam oder mittelschnell, das Aufladen der Energiespeicher sollte also kein Problem sein.»

«Hockenheim ist deshalb für die Antriebseinheiten so hart, weil alle Elemente gleichermassen belastet werden. Es hilft dabei nicht, dass in Süddeutschland um diese Zeit hochsommerliche Temperaturen gemessen werden können, das kommt zur überdurchschnittlich Betriebstemperatur der Antriebseinheit hinzu.»

Das alles ist insofern massgeblich, weil viele Formel-1-Fahrer in Sachen verbrauchter Aggregate unaufhaltsam einer Strafe entgegen gehen. Eine Liste der bislang verwendeten Einheiten finden Sie hier, die Werte beziehen sich auf die Anzahl bereits benutzter Antriebseinheitselemente.

Vor Hockenheim-GP: Wer was verbraucht hat

V6-Motor – Turbolader – MGU-K – MGU-H – Batterie – Elektronik
Sebastian Vettel (Renault): 4 – 4 – 3 – 4 – 2 – 2

Daniel Ricciardo (Renault): 3 – 3 – 3 – 3 – 2 – 2

Lewis Hamilton (Mercedes): 3 – 3 – 3 – 3 – 3 –3

Nico Rosberg (Mercedes): 3 – 3 – 3 – 3 – 3 – 3

Fernando Alonso (Ferrari): 3 – 3 – 3 – 3 – 3 – 4
Kimi Räikkönen (Ferrari): 3 – 3 – 3 – 4 – 3 – 3
Romain Grosjean (Renault): 3 – 3 – 3 – 2 – 2 – 3

Pastor Maldonado (Renault): 4 – 4 – 4 – 4 – 2 – 3

Jenson Button (Mercedes): 3 – 3 – 3 – 3 – 2 – 2
Kevin Magnussen (Mercedes): 3 – 3 – 3 – 3 – 2 – 2
Nico Hülkenberg (Mercedes): 3 – 3 – 3 – 3 – 2 – 2

Sergio Pérez (Mercedes): 3 – 3 – 3 – 3 – 2 – 2
Adrian Sutil (Ferrari): 3 – 3 – 3 – 3 – 3 – 3

Esteban Gutiérrez (Ferrari): 3 – 3 – 3 – 3 – 3 – 3

Jean-Eric Vergne (Renault): 3 – 3 – 3 – 2 – 3 – 3

Daniil Kvyat (Renault): 4 – 4 – 4 – 3 – 2 – 2
Felipe Massa (Mercedes): 3 – 3 – 3 – 3 – 2 – 3

Valtteri Bottas (Mercedes): 3 – 3 – 3 – 3 – 2 – 2
Jules Bianchi (Ferrari): 4 – 4 – 3 – 4 – 2 – 2
Max Chilton (Ferrari): 3 – 3 – 3 – 3 – 3 – 3
Kamui Kobayashi (Renault): 2 – 2 – 2 – 2 – 3 – 4
Marcus Ericsson (Renault): 2 – 2 – 2 – 2 – 2 – 3

Strafe für Motorschäden: Das müssen Sie wissen

Generell darf ein Fahrer im Verlauf der ganzen Saison nur fünf Antriebseinheiten verwenden (bis Ende 2013 waren es acht Saugmotoren pro Saison, nächstes Jahr werden es nur noch vier sein). Jetzt wird es kompliziert – denn die Antriebs-Einheit wird in Sachen Reglement in sechs Elemente aufgeteilt:

– V6-Verbrennungsmotor






– Turbolader

– MGU-K (steht für «motor generator unit – kinetic»; also der Generator für die kinetische Energie, die beim Bremsen gesammelt wird)


– MGU-H (steht für «motor generator unit – heat»; also der Generator für jene Energie, die beim Turbolader gesammelt wird)

– Batterie-Paket


– Kontroll-Elektronik für jedes einzelne dieser Elemente

Sollte ein sechstes Element gebraucht werden (sagen wir: ein Turbolader muss ersetzt werden oder eine Steuereinheit der kinetischen Energierückgewinnung), so muss der betroffene Fahrer in der Startaufstellung um zehn Ränge zurück. Für jedes weitere sechste Element der verschiedenen Motorteile gibt es eine Fünf-Ränge-zurück-Strafe.

Braucht ein Fahrer beispielsweise einen siebten Lader, dann gibt es erneut eine Zehn-Ränge-zurück-Strafe. Für jedes weitere siebte Element wieder die fünf Ränge.


Wichtig dabei: Erhält beispielsweise Sauber-Pilot Adrian Sutil die Strafe «zehn Ränge zurück», er steht jedoch auf Startplatz 17 (von 22), dann muss er den Rest der Strafe beim folgenden GP absitzen (also dort um die restlichen fünf Ränge zurück). Das gilt insgesamt aber nur für maximal zwei GP-Wochenenden.

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