Sebastian Vettel: «Funk war teilweise Kindergarten!»

Von Mathias Brunner
Formel 1
Sebastian Vettel in Singapur

Sebastian Vettel in Singapur

Formel-1-Champion Sebastian Vettel spricht ausführlich über die Einschränkung im Sprechfunkverkehr: «Viele Informationen können die Fahrer überhaupt nicht abrufen.»

Sebastian, die Boxenfunk-Einschränkung ist derzeit der grosse Aufreger. Was ist deine Meinung?

Das ist wirklich nicht einfach zu beantworten. Generell muss man sagen: Die modernen GP-Autos sind mit ihren Antriebseinheiten sehr kompliziert, vieles muss von aussen überwacht und gemanagt werden. Wir haben ja nicht zufällig so viele Bildschirme in der Box stehen. Und wir fliegen auch nicht das ganze Personal um die halbe Welt hier nach Singapur, auf dass sie sich die Sehenswürdigkeiten angucken und abends ein Steak mit einem kühlen Bier geniessen!
Wir haben schon immer die Autos genau überwacht, aber bei der Modellgeneration 2014 gibt es eben noch viel mehr zu überwachen. Viele Informationen, die wir ins Cockpit erhalten, haben damit zu tun, wie man so ein Auto betreibt, um es beispielsweise innerhalb des zulässigen und optimalen Betriebsfensters zu halten, was die Energierückgewinnung angeht. Wenn ein Teil dieser Informationen wegfällt, dann könnte das an diesem Wochenende ziemlich interessant werden.

Welche Rolle spielt es dabei, dass ihr ein eingeschränktes Display benutzt?

Das ändert für mich gar nichts. Denn die Infos, die ich abrufen kann, sind die gleichen wie bei anderen. Vielleicht sieht es auf dem grossen Display ein wenig schicker aus! Die Ausgangslage ist simpel: Ohne Infos von aussen musst du dich selber darum kümmern. Beim Benzinverbrauch ist das ziemlich einfach, da sehe ich nicht die grosse Schwierigkeit. Das Schwierige ist das Management der ganzen Elemente einer Antriebseinheit und wie sie zusammenspielen. Denn einen Teil der Informationen können wir gar nicht abrufen. Gerade wenn es darum geht, wieviel Energie wir noch zur Verfügung haben.

Gibt es einen Plan, das Lenkrad zu wechseln?

Nein, derzeit nicht.

Du bist ein reiner Racer – findest du die Einschränkung aus dieser Sicht eine gute Sache?

Manche Dinge, die da abgefragt oder mitgeteilt wurden, fand ich schon ein wenig Kindergarten. Wenn dann so viel ins Auto gefunkt wird, dann kann ich die Fans gut verstehen, wenn sie den Eindruck gewinnen, dass die Fahrer fremdgesteuert sind. Von daher habe ich nichts gegen die Einschränkung. Allerdings hört die Öffentlichkeit nur einen verschwindend kleinen Teil der Sprüche. Wir reden hier von gut 300 Mitteilungen, und die meisten sind technisch trocken und ein wenig langweilig.

Das Problem sehe ich wie erwähnt darin, dass die Autos eben sehr kompliziert sind. Das Auto läuft nur dann gut, wenn alle Komponenten in Harmonie sind, und da haben wir als Fahrer teilweise überhaupt keine Möglichkeit, das einzusehen oder zu steuern. Da bist du von aussen abhängig.

Siehst du durch die Einschränkung ein Sicherheitsproblem?

(Schmunzelt.) Also hier in Singapur ist man sicher gut beraten, wenn man beide Hände am Lenkrad behält! Aber wir haben nun mal die neuen Regeln. Doch die Rennställe verbessern sich ja auch ständig. Wenn ich daran denke, was wir alles während der ersten Rennen machen mussten und wie das heute aussieht, dann haben wir schon Fortschritte gemacht. Es gibt aber auch Trainings oder Rennen, wo du sehr viel verstellen musst.

Was mich eher stört: Es geht ja in vielen Belangen um die Zuverlässigkeit, und da fragst du dich als Pilot dann schon – musste das jetzt sein, dass ich mich auch noch darum kümmere? Aber die Regeln sind für alle gleich.

Was kann denn passieren?

Es gibt in Sachen Energie ein Limit, das von der FIA vorgegeben ist. Aber dieses Limit kann ich an Bord nicht einsehen. Und auch dieser Einklang zwischen den verschiedenen Elementen, das ist kaum vom Fahrer zu managen, damit nicht eine Komponente sagt – so, ich habe jetzt keine Lust mehr, macht ihr mal alleine weiter! Ich gebe zu: ich tu mich schwer, das genau zu erklären. Es fällt mir auch keine bessere Art ein. Diese Autos sind nun mal enorm kompliziert. Also das könnte schon die eine oder andere Überraschung geben. Letztlich sind die ganzen Details zum Energieverbrauch Dinge, die interessieren die wenigsten Fans, aber wenn du als Pilot dann stehenbleibst, dann ist es schon blöd.

Ist es dabei ein Vorteil für dich, dass du dich sehr für die ganze Technik interessierst?

Es ist schon so, dass ich eben im Detail wissen will, wie das alles zusammenspielt. Insofern weiss ich grob Bescheid, was da alles auf uns zukommt. Seit das klar ist, arbeiten wir daran, dass das Information-Umsetzen für den Piloten vereinfacht wird.

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