Funk: Teams sauer, Fahrer belastet, FIA überfordert?

Von Mathias Brunner
Formel 1
Nicht alle Nachrichten auf den Boxentafel werden eingeschränkt

Nicht alle Nachrichten auf den Boxentafel werden eingeschränkt

SPEEDWEEKipedia: Leser fragen, wir finden die Antwort. Heute: Wie wollen die Regelhüter des Automobil-Verbands FIA die Einhaltung des Boxenfunk-Einschränkung eigentlich überprüfen? Die Antwort wird Sie verblüffen.

In loser Reihenfolge gehen wir in Form von «SPEEDWEEKipedia» auf Fragen unserer Leser ein. Dieses Mal will Andrea Monti aus Lugano wissen: «In der Formel 1 soll doch ein Teil des Funkverkehrs ab sofort verboten sein. Mir ist nicht ganz klar, wie der Automobilverband das überprüfen will. Wisst Ihr darüber mehr?»

Zur Erinnerung: Die FIA hat zum Singapur-GP eine Einschränkung der Kommunikation verhängt. Gestützt auf Artikel 20.1 des Sportgesetzes muss der Fahrer seinen Rennwagen «alleine und ohne Hilfe» bewegen. Die FIA hatte genug von all den unterstützenden Funksprüchen der Techniker und untersagt grundsätzlich jede Kommunikation, die der Leistungsfähigkeit des Autos dienen, das gilt auch für Infos über die klassische Boxentafel.

Aber viele Detailfragen bleiben ungeklärt, daher dauerte die Sitzung der FIA mit den Teammanagern dieses Mal fast drei Mal so lang wie üblich! Später heute Freitag will der Autoverband darüber informieren, ob ein Teil der Funkverkehr-Einschränkungen wieder aufgehoben werden …

Derzeitiger Stand der Dinge: Die Fahrer sind sauer, weil man ihnen viel mehr Hausaufgaben aufhalst. Einige von ihnen gehen mit ellenlangen Listen von Bedienungsabläufen zu Bett. Die Teams sind sauer ob der Kurzfristigkeit der Regeländerung und weil die Einschränkungen nicht alle gleich treffen (Stichwort: unterschiedliche Lenkräder). Die FIA wirkt unglücklich, weil der Schritt vor Singapur nicht im Detail durchdacht worden ist.

Nun zur Frage: Grundsätzlich hören wir im Fernsehen nur einen kleinen Teil der abgesetzten Funksprüche und das erst noch zeitversetzt. Weltmeister Sebastian Vettel grinst: «Die meisten Sprüche sind sehr technisch, sehr trocken, sehr langweilig. Da geht es um irgendwelche Einstellungen der Technik.»

Im Laufe eines Rennens sind zwischen 200 und 300 Funkkontakte zwischen Box und Fahrer keine Seltenheit. Wenn wir das aufs ganze Feld hochrechnen, merken wir schnell: Wir reden hier von Informationsaustausch im vierstelligen Bereich. Wie will die FIA das überprüfen?

In Singapur stellt sich heraus: Was es nicht geben wird – dass eine FIA-Fachkraft für jedes Team oder sogar für jeden Fahrer abgestellt wird, um mitzuhören. Hingegen wird der komplette Funkverkehr mitgeschnitten, zur späteren Kontrolle in Streitfragen.

Wie also will die FIA sicherstellen, dass sich alle ans Verbot halten?

Die Rennställe werden aus zwei Gründen kaum wagen, gegen die Regeln zu verstossen, wie immer die auch im Detail aussehen werden: Erstens, weil der Gegner wie bislang mithört und bei Verfehlungen mit dem Finger zeigt. Die schärfsten Regelhüter sind nicht die Vertreter des Autoverbands, sondern die Gegner. Und zweitens, weil sich die Rennställe vor der Blossstellung in den Medien und schlechter Publicity sowie vor einer Strafe fürchten.

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