Kimi Räikkönen: Ferrari-Misserfolg 2015 programmiert?

Von Mathias Brunner
Formel 1
Schon bei den Wintertests wurde klar: Es läuft nicht rund bei Kimi Räikkönen

Schon bei den Wintertests wurde klar: Es läuft nicht rund bei Kimi Räikkönen

2014 ist Kimi Räikkönen mit Ferrari WM-Zwölfter geworden, sein schlechtestes Schlussergebnis in zwölf Jahren Formel-1-Sport! Welche Aussicht auf Besserung gibt es?

WM-Rang 12, das ist für einen so talentierten Fahrer wie Kimi Räikkönen absolut blamabel – sogar in seiner ersten Formel-1-Saison, 2001 als Grünschnabel bei Sauber, war er besser (WM-Rang 10). Viele Fans fragen sich bange: Tut Ferrari genug, um dem Weltmeister von 2007 zu helfen?

Die Gründe für Räikkönens Probleme mit dem Wagen liegen in drei Bereichen.

Grund 1: Der 2014er Ferrari war generell selten konkurrenzfähig. Als Gegenargument liesse sich hier einwenden – mit dem gleichen Auto ist Fernando Alonso WM-Sechster geworden und hat fast drei Mal so viele Punkte erkämpft wie der Finne. Wir müssen also weitersuchen.

Grund 2: Räikkönen kommt mit der Vorderachse des Ferrari nicht klar. Sie vermittelt ihm zu wenig Gefühl. Das ist auch ein Grund, wieso Kimi immer wieder mit der Lenkung seiner Autos hadert (schon bei Lotus). Umso schlimmer jedoch, dass die Zugstreben-Vorderradaufhängung – teilweise verantwortlich für dieses mangelnde Gefühl – beim 2015er Ferrari bleiben soll.

Grund 3: Kimi kommt mit den Pirelli-Reifen der letzten beiden Generationen nicht mehr so gut klar wie mit dem zuvor verwendeten Gummi. Tatsächlich eroberte Räikkönen in der ersten Saisonhälfte 2013 (damals im Lotus) einen Sieg und fünf zweite Ränge, in der zweiten Saisonhälfte aber nur noch einen zweiten und einen dritten Platz.

Kimis damaliger Lotus-Stallgefährte Romain Grosjean weiss: «Kimi muss die Vorderachse extrem gut spüren können, und das war mit den 2014er Reifen nicht möglich. Ohne dieses Gefühl, das nicht einfach zu erklären ist, geht dir das letzte Quäntchen Vertrauen ins Auto verloren, und das macht eine Menge aus.»

Anders gesagt: Pirelli ging beim Schritt in die neue Turbo-Ära verständlicherweise eher konservativ vor, das erhöhte die Haftung der Reifen nicht, doch Kimi braucht genau diesen Grip an der Vorderachse.

Der 20fache GP-Sieger Räikkönen selber versucht, es so zu erklären: «Das ist einfach mein Fahrstil, und ich werde nicht schneller fahren, wenn ich ihn zu ändern versuche. Seit meiner Zeit als Kartfahrer muss ich tüchtig Grip von der Vorderachse spüren, wenn die vorderen Reifen nicht beissen, dann mag ich das Handling nicht. Ich glaube noch immer, dass es die schnellste Art und Weise ist, eine Kurve zu durchpfeilen, wenn du viel Speed in die Ecke hinein nimmst.»

Wenn dies nicht gegeben ist, dann kann der Finne den Wagen nicht so platzieren, wie er es gerne hätte und auch nicht so bremsen, wie er will. Kimi weiter: «Wenn die Bremsen zum Blockieren neigen, und wenn der Wagen über die Vorderachse zu sehr rutscht, dann wird es zu einem reinen Mutmassen, wo sich das Auto hinbewegen wird.»

Auch die Umstellung auf die elektronisch gesteuerte Hinterradbremse ist dem Fahrstil von Kimi Räikkönen nicht entgegen gekommen. Im Vergleich mit anderen Piloten waren am Ferrari von Kimi öfter blockierende Räder zu sehen als bei anderen Fahrern, bei Fernando Alonso angefangen.

Kimi sagt weiter: «Wenn du nicht den entsprechenden Speed in die Kurve mitnimmst, dann fehlt der dir auch auf der folgenden Geraden. Wir sprechen hier von Nuancen, aber auf eine Runde läppert sich das zusammen. Bei einigen Rennen ging es ganz okay, bei den meisten nicht. Ich werde meinen Stil nicht umstellen. Ich bin immer schon so gefahren. Es kann für einen Rennfahrer nicht die Lösung sein, seinen Fahrstil zu ändern.»

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