Maurizio Arrivabene (Ferrari): Nachhilfe von MotoGP

Von Nereo Balanzin
Formel 1
Maurizio Arrivabene mit Kimi Räikkönen

Maurizio Arrivabene mit Kimi Räikkönen

Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene spricht im Rahmen des Motorrad-GP von Italien über die Leidenschaft für zwei und vier Räder sowie über den Monza-GP.

Maurizio Arrivabene agierte vor einem Jahr noch als Sponsorship-Manager von Marlboro und hatte in dieser Funktion Ferrari und Ducati unter seinen Fittichen. Heute ist er Teamchef des berühmtesten Rennstalls der Welt, von Ferrari, und hat sich in der Formel 1 als Mann etabliert, dem keiner den Mund verbietet und der die Dinge beim Namen nennt.

Der 58-Jährige aus Brescia kam am Sonntag zum Mugello-GP, «aber ich bin nicht hier, um über Ferrari zu sprechen. Ich bin hier, um mich über Motorräder zu unterhalten», hielt der Italiener gleich mal fest. Nur um dann natürlich trotzdem über Ferrari zu sprechen.

«Ferrari bedeutet für mich nicht nur Arbeit – es ist auch eine Leidenschaft. Ich leiste mir aber auch andere, alte Leidenschaften, zum Beispiel Motorräder. Ich war mit Zweirädern befasst, bevor ich mich vierrädrigen Fahrzeugen zugewandt habe. Ich bin aus unterschiedlichen Gründen zum Italien-GP gekommen. Mugello ist Ferrari, ausserdem bin ich hier, um Valentino Rossi anzufeuern, denn Valentino ist für mich MotoGP in Person. Was er für diese Rennserie geleistet hat und was er hier immer noch leistet, lässt sich mit Worten nicht beschreiben. Und dazu habe ich in meiner alten Funktion so viele Jahre mit Ducati zusammengearbeitet»

Maurizio, wie kannst du deine Leidenschaft und deine Interessen ausbalancieren zwischen den Ducati-Fahrern und Valentino?

Das ist einfach. Dank der Arbeit, die im Vorjahr erledigt wurde, haben wir zwei Italiener bei Ducati. Und auch Valentino ist Italiener. Ich bin ein Fan der Italiener. Es ist etwas Melancholie im Spiel, wenn ich das sage, denn es stand eine Ducati auf der Pole. Die Tifosi rund um die Strecke waren aus dem Häuschen.

Bei Ducati hat Gigi Dall'Igna sein Können ausspielen können, er hat auch die technischen Voraussetzungen und Kapazitäten vorgefunden, um genau jene Dinge zu erledigen, um die Valentino in den Jahren 2011 und 2012 gebeten hat. Wenn diese Geschehnisse schon zwei oder drei Jahre früher passiert wären, wäre unser Leben damals wahrscheinlich einfacher gewesen.

Bei Ducati kämpfen sie jetzt um die Weltmeisterschaft. Wir arbeiten daran, wieder Rennen gewinnen zu können, mit Bescheidenheit und Entschlossenheit. Wir räumen ein, dass Mercedes stärker ist, im Augenblick. Aber bitte, wie gesagt: sprecht mich nicht auf die Formel 1 an.

Ein Rennen zu gewinnen ist schwieriger als darum zu kämpfen, wieder an die Spitze zu kommen?

Wenn du ein Rennen gewinnst, brechen die Dämme. Ich spreche jetzt über Ducati. Das ist wie ein Team wie ein Fussballteam, dass aggressiv stürmt und auf Angriff spielt. Sobald du das erste Tor erzielt hast, liegt alles andere in Reichweite. Ducati braucht nur einen Sieg. Was die Weltmeisterschaft betrifft, sind sie konkurrenzfähig und konstant.

Ducati hat durch das Reglement alle Vorteile der Open-Class.

Jeder Sport hat seine Gesetze. Ich bin nicht hier, um über diese Vorschriften zu fachsimpeln.

Ich würde liebe darüber sprechen, wie die MotoGP-WM funktioniert. Ich wollte in Mugello ein Fahrerlager sehen, vollgestopft mit Menschen. Sie feiern ein Fest. ich bin gegen die Idee, das Paddock leer zu halten und nur für einen exklusiven Zirkel zu öffnen. Was soll exklusiv bedeuten? Leer? Das entspricht nicht meinen Vorstellungen. Ich liebe es, so einen Motorrad-GP zu besuchen, denn die Motorräder sind lebendig, das hat auch damit zu tun, wie dieser Sport vermittelt wird und wie die Fans die Rennen erleben.  Und das hat nichts mit den technischen Vorschriften zu tun.

Werft einen Blick auf die Tribünen. Wenn du dort eine Erdnuss in die Luft geworfen hättest, wäre sie nicht auf den Boden gefallen, weil jeder Platz besetzt war. Ich denke, was die Kommunikation betrifft, kann die MotoGP der Formel 1 ein paar Lektionen erteilen.

Wie sieht es um die Zukunft der Formel 1 in Monza aus?

Der Formel-1-GP von Italien ist gleichzusetzen mit Monza. So wie der GP von Italien in der MotoGP mit Mugello in einem Atemzug genannt wird. ​Ich werde mich nicht in die Politik einmischen, das ist nicht mein Geschäft.

Ich sage nur: In der MotoGP muss man die wichtigen Rennen bewahren, also Mugello, Assen, Jerez.  In der Formel 1 würden wir dann von Hockenheim sprechen, das nicht auf dem Kalender steht, von Spa-Francorchamps, Silverstone, Monza, Monte Carlo. Und wir müssen uns der Unterschiede bewusst werden: Was mir im Paddock von Mugello aufgefallen ist, bei den Motorrädern, das Fahrerlager ist lebendig, voll mit jungen Menschen. Die Wiederbelebung von Italien, mit kleinen Kindern, muss uns sehr willkommen sein. Jemand muss Valentino die Hand reichen. Er ist ein würdiger Repräsentant unserer Nation.

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