Lewis Hamilton (Mercedes): Letzter, Erster – wie das?

Von Mathias Brunner
Lewis Hamilton ist gut drauf

Lewis Hamilton ist gut drauf

Vielleicht war Kanada der ungewöhnlichste Formel-1-Samstag von Weltmeister Lewis Hamilton. Am Morgen noch Letzter, am Nachmittag Schnellster. Wie geht so etwas?
Lewis, wir haben ein höchst seltsames Training zum Kanada-GP hinter uns. Wie hat das eigentlich die Arbeit für das Rennen beeinträchtigt?

Heute Morgen war wirklich eine Katastrophe, aber gestern, als es ja geregnet hat, war das gar nicht so schlimm. Als es zu schütten begann, hatten wir eigentlich das ganze geplante Programm durch. Wir haben auch ermutigende Dauerläufe auf dem weichen Reifen fahren können. Dann begann es zu regnen. Ohne die Niederschläge hätte ich vielleicht noch ein paar Runden zurückgelegt und dann den anderen Reifen ausprobiert. Am Samstagmorgen dann gab es ein paar Probleme.

Aber was genau war eigentlich das Problem am Samstagmorgen? Es ist doch eher ungewöhnlich, dass der WM-Leader keine konkurrenzfähigen Zeiten fahren kann und Letzter ist.

Zunächst einmal sind wir verhältnismässig spät rausgefahren. Wir haben eigentlich nur zwei Läufe gemacht. Die Reifen erfordern einige Runden Aufwärmphase. Im Grunde machst du eine erste Zeit, um auf Nummer sicher zu gehen, und dann kommt die Volle-Attacke-Runde. Als ich dann auf die Bahn ging, war es noch recht kühl. Ich griff herzhaft an, aber die vorderen Reifen waren noch nicht richtig auf Temperatur, daher haben die Räder blockiert. Damit habe ich mir eine wunderbare Bremsplatte eingefahren. Damit konnte ich nicht weiterfahren, weil ich Vibrationen so schlimm waren, dass mir fast die Augen aus dem Schädel gefallen sind. Ich kam also rein, holte mir einen anderen Satz Reifen, und mit dem gelang mir das Kunststück, exakt das Gleiche nochmals zu tun! Als Ergebnis hatte ich keine konkurrenzfähige Zeit vorzuweisen.

Das Ganze war sehr negativ, weil ich überhaupt kein Gefühl fürs Auto aufbauen konnte. Ich war mir auch nicht sicher, wie ich die Balance am Wagen verändern soll. Ich konnte meinen Ingenieuren nicht sagen, was ich vom Fahrzeug halte, weil ich es selber nicht gespürt hatte. Da wir uns nicht sicher waren, haben wir das Auto fürs Qualifying überhaupt nicht angerührt.

Aber du warst dann zu Beginn des Abschlusstrainings sofort auf Zeiten. Wie geht denn das?

Das hat mich selber überrascht. Ich hätte nicht erwartet, wie schnell ich im richtigen Quali-Rhythmus drin bin. Im Grunde ging es nur darum, auf die Bahn zu gehen und dann Schritt um Schritt das Richtige zu tun. Man hat das vielleicht nicht mitbekommen, aber ich machte im ersten Quali-Segment mit dem ersten Reifensatz einen etwas längeren Lauf als üblich, das hat mich in den richtigen Rhythmus zurückgebracht und mir gezeigt, dass wir nicht auf dem Holzweg sind.

Wir haben dich in der letzten Schikane vor Start und Ziel nun mehrfach tüchtig über die Randsteine rumpeln sehen. Gibt es einen besonderen Grund dafür?

So gut wie jeder Kurve in der Formel 1 ist eine Herausforderung, aber die letzte Kurve hier hat es wirklich in sich. Das liegt zum einen daran, aus welch irrem Speed wir darauf zukommen. Dann ändert hier oft die Windrichtung. Am Freitag hatten wir auf der langen Geraden zur letzten Kurve hin einen Gegenwind, oder der Wind kam leicht von der Seite. Das hilft dir dann, noch später als sonst zu bremsen. Der Wind bremst gewissermassen mit. Am Samstag war es ein Rückenwind, das hat alles auf den Kopf gestellt und auch den Bremspunkt verändert. Aber generell gewinnst oder verlierst du in den Kurven am meisten Zeit, nicht auf den Geraden, also versucht natürlich jeder, das Limit zu finden. Das ist in dieser letzten Kurve besonders knifflig, daher gibt es dort auch mehr Ausrutscher als in den meisten anderen Kurven. In dieser Kurve kannst du leicht eineinhalb bis zwei Zehntelsekunden gewinnen, wenn alles passt. Aber es muss wirklich passen.

Bist du vom stattlichen Abstand zu Ferrari erstaunt?

Wir hatten erwartet, dass sie um einige Zehntelsekunden in unserer Nähe sein würden. Jetzt sind sie etwas weiter hinten als wir gedacht hatten. Aber eigentlich achten wir gar nicht so sehr auf die Gegner, einschliesslich Ferrari. Wir konzentrieren uns auf die Arbeit am eigenen Wagen. Doch ja, die Lücke ist grösser als ich es erwartet hatte.
Wie gross ist die Sorge für morgen, was das Aufwärmen der Reifen betrifft, wenn wir daran denken, wie oft es hier Safety-Car-Phasen gibt?
Wir erwarten fürs Rennen ungefähr die gleichen Temperaturen wie im Qualifying. Und ich hatte am Samstag keine Probleme mit dem Reifenaufwärmen. Vielleicht fährst du eine Runde mehr oder so, um sie nachhaltig aufzuwärmen, aber dann sind sie in Ordnung. Aber da sitzen alle im gleichen Boot. Im Rennen wird nicht das Aufwärmen das Thema sein, sondern Reifenverschleiss und daher –abbau.

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