Bernie Ecclestone zu Mercedes: Wie Michael Schumacher

Von Mathias Brunner
Formel 1
Niki Lauda mit Bernie Ecclestone bei einer Mercedes-Veranstaltung 2014

Niki Lauda mit Bernie Ecclestone bei einer Mercedes-Veranstaltung 2014

​Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone verteidigt in Sotschi erneut die TV-Berichterstattung aus Suzuka, als die Silberpfeile im Japan-GP kaum zu sehen waren.

Bernie Ecclestone ist nach Sotschi gereist. Es gibt vieles zu erklären: Den angeblichen Verkauf der Mehrheitsanteile an der Formel 1, die Möglichkeit, dass Red Bull aus dem Sport aussteigt – und die TV-Kontroverse von Japan, als im Grossen Preis in Suzuka die Silberpfeile fast nie im Bild zu sehen waren.

Formel-1-Promoter Ecclestone spielt das herunter: «Die Leute sagen doch immer, dass in der Formel 1 nicht überholt werde. Also haben wir ihnen mal ein paar Überholmanöver gezeigt. Wenn man die Zahlen analysiert, dann kommt heraus, dass alle Teams ungefähr gleiche lang gezeigt wurden.»

Ecclestone verweist auf den Unterhaltungswert seines Sports: «Es ist doch nicht gut, immer nur einen zu zeigen. Wir hatten das gleiche Problem mit Michael Schumacher. Die Fans wollen einfach nicht nur ein Auto alleine auf der Strecke sehen. Wenn wir an der Spitze Duelle haben, dann ist das prima.»

Nach dem Japan-GP hatte Niki Lauda, Aufsichtsrats-Chef des Mercedes-Rennstalls, angekündigt, dass er sich mit seinem früheren Brabham-Arbeitgeber Ecclestone darüber unterhalten wolle, wieso die Mercedes kaum gezeigt worden seien. Dazu sagt Bernie hier in Russland: «Was bitte hat das mit Niki Lauda zu tun? Viele Leute sind über irgend etwas unglücklich. Er ist zu mir gekommen, aber wir haben uns über ganz andere Dinge unterhalten.»

Mercedes verschmäht: Ein Druckmittel?

In der Formel 1, ein verlässlicher Brutherd von Verschwörungstheorien, wurde nach dem Japan-GP feilgeboten: Die überlegenen Mercedes von Lewis Hamilton und Nico Rosberg seien mit voller Absicht so selten zu sehen gewesen, weil man dem aktuellen Formel-1-Weltmeister eine reindrücken wolle.

Die einen fabulierten, das liege an der Überlegenheit von Mercedes; andere verbreiten, man habe Mercedes einen Denkzettel verpassen wollen – entweder wegen der Reifendruckaffäre von Monza oder wegen der Weigerung, Red Bull mit Motoren zu beliefern. In Sachen Phantasie kennen Verschwörungsanhänger keine Grenzen.

Tatsache jedoch ist: Die Silberpfeile waren während des Qualifyings und Rennens wirklich verhältnismässig selten im Bild zu sehen. Das fiel auch Niki Lauda auf: «Keine Ahnung, warum das so war, auch ich fand es ziemlich seltsam, dass selbst die Boxenstopps nicht zu sehen waren. Wir haben Lewis nur gesehen, wie er die Box wieder verliess.»

Die Auswertung des Kollegen vom Formel-1-Blog f1broadcasting.wordpress.com ergab: Die Silberpfeile waren im knapp eineinhalb Stunden dauernden Rennen insgesamt bloss 5 Minuten und 56 Sekunden prominent im Bild zu sehen – die Startwiederholung mit einberechnet! Am längsten waren die Silberpfeile auf der letzten Runde im Bild zu sehen: Hamilton war eine Minute und zehn Sekunden im Bild, als er seinen 41. Sieg eroberte.

Auch beim Startmanöver von Hamilton an Rosberg waren die Mercedes-Renner mit 55 sec relativ lange im Bild. Die Onboard-Aufnahmen, die nach dem Rennen von vielen TV-Sendern ausgestrahlt wurden, gab es während der Live-Übertragung jedoch nicht zu sehen. Auch im Qualifying wurden die schnellsten Runden von Rosberg und Hamilton in den ersten zwei Qualifying-Abschnitten nicht ausgestrahlt.

Ist das normal?

Zum Vergleich – in Singapur waren es gute 10 Minuten Bilder mit Silberpfeilen, in Italien gar 30 Minuten, 26 in Belgien und stattliche 45 in Ungarn! Das hat das Motorsport-Magazin nachgerechnet.

Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone, dessen Firma FOM (Formula One Management) für das welweite TV-Signal aus Japan zuständig war, wehrt sich gegen solche Vorwürfe. Gegenüber den Kollegen der «Welt» erklärt Ecclestone die Vorkommnisse in Japan so: «Wir haben vor ein paar Wochen über die TV-Berichterstattung gesprochen und sind zum Schluss gekommen, dass die Mittelfeld-Teams zu wenig häufig gezeigt werden. Nur die Leader zu zeigen, das ist doch fad. Wir tun das, um die Rennställe aus dem Mittelfeld zu unterstützen. Sowohl Toto Wolff als auch Niki Lauda kennen diese Betrachtungen und verstehen sie. Es gibt keine Manipulation.»

Als Beweis wird angeführt, dass nicht nur die Mercedes in Japan kaum zu sehen waren, sondern auch die Ferrari von Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen. Aber auch dafür haben Verschwörungstheoretiker eine Erklärung bereit: Auf diese Weise solle Ferrari gefügig gemacht werden, Red Bull Racing und Toro Rosso mit 2016er Motoren auszurüsten.

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