Irre Gerüchte: Ferrari und Hamilton – WM-Ausschluss?

Von Mathias Brunner
Formel 1
Sebastian Vettel im Ferrari

Sebastian Vettel im Ferrari

​Die Formel 1 ist stets Nährboden der wildesten Gerüchte, so auch zum WM-Finale von Abu Dhabi. Wir greifen vier der abenteuerlichsten auf und gehen auf Erklärungssuche.

Die Formel 1 ist die grösste Seifenoper der Welt, von Millionen weltweit verfolgt. Es liegt in der Natur der Sache, dass dabei auch einige Geschichten auftauchen, die in den Bereich gehören: Elvis lebt. Oder die klassische Beispiele davon sind, wie aus einer Mücke ein Elefant gemacht wird. Oder wie Missverständnisse zu vermeintlichen Exklusivmeldungen führen. Schauen wir uns vier scheinbar irre Gerüchte an, die im Fahrerlager des Yas Marina Circuit kursieren.

Morddrohung bei Ferrari?

Eine in der Hitze des Moments geäusserte Warnung führte im Netz zur Übertreibung, Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene habe einem englischen Kameramann den Tod angedroht. «Mach das noch einmal, und ich schneide dir den Kopf ab», wurde dem Steuermann von Ferrari in den Mund gelegt, was zugegeben ein wenig bedrohlich klingt. Tatsächlich filmte der TV-Experte einige Details des roten Renners etwas zu intensiv für den Geschmack der Ferrari-Truppe, überdies stiess besagter Kameramann dabei mit einem Mechaniker zusammen. Ferrari dementiert nicht, dass sich Arrivabene darüber aufgeregt hat, kommentiert den exakten Wortlaut nicht, aber mit einem Mord in der Boxengasse ist dennoch so bald nicht zu rechnen.

Ferrari vor dem WM-Ausschluss?

SPEEDWEEK.com-Leser wissen: Mercedes ist bei der FIA vorstellig geworden, um zu klären, was bei der Entwicklung im Rahmen von Kooperationen mit anderen Rennställen erlaubt ist. Mercedes-Teamchef Toto Wolff hat das Vorgehen der Weltmeister am Samstag im Fahrerlager des Yas Marina Circuit ausführlich erläutert (mehr dazu lesen Sie online), die FIA-Kommissare stehen vor einer schwierigen Aufgabe, wie wir in unserer Hintergrundgeschichte erläutert haben (auch das online). Das Urteil kommt heute Sonntag noch vor dem Start zum WM-Finale.

Aus zwei und zwei haben einige nun sieben gemacht: Je nach Urteil der FIA-Fachleute, so glauben sie, dürfe Ferrari in Abu Dhabi gar nicht mehr zum Rennen antreten, stehe gar vor dem WM-Ausschluss! Mit der Argumentation, dass die Untersuchung nachweisen könnte – gewisse Teile wurden gar nicht selber entwickelt. Das breche die Regel, Konstrukteur des eigenen Autos zu sein.

Toto Wolff kann darüber nur den Kopf schütteln: «Das ist meiner Ansicht nach eine falsche Interpretation der Zusammenhänge. Uns geht es überhaupt nicht um 2015. Wir protestieren ja auch nicht gegen einen bestimmten Gegner. Uns geht es darum, was 2016 und besonders im Hinblick auf 2017 erlaubt ist.»

Zudem hat die FIA im Frühling die Zusammenarbeit zwischen Ferrari und HaasF1 beleuchtet und keine Regelwidrigkeit gefunden.

Verliert Lewis Hamilton seinen Titel?

Auch eine nette Schmonzette: Lewis Hamilton zittere um seinen WM-Titel. Hintergrund – FIA-Techniker werden nach der WM die Motoren von Ferrari und Mercedes zerlegen, um im Detail zu klären, ob alle Teile dem Reglement entsprechen. Dies passiert deshalb nach der WM, weil die Rennställe mit dem Kontingent von vier Aggregaten pro Saison beim Finale hier in Arabien am Anschlag sind, was den Einsatz der Antriebseinheiten angeht. Aufgemacht werden die Triebwerke von Sebastian Vettel und Lewis Hamilton. Solche Kontrollen sind in der Formel 1 nicht ungewöhnlich, nur werden sie in der Regel nicht zu einem möglichen WM-Ausschluss aufgebauscht.

Die Motorhersteller stehen in ständigem Kontakt mit dem Autoverband, was Entwicklungen angeht. Es wird lieber zwei Mal nachgefragt als Gefahr zu laufen, sich auf illegales Terrain zu begeben. Firmen wie Ferrari oder Mercedes können es sich schlicht nicht leisten, mit den Motoren zu tricksen.

Für den überaus unwahrscheinlichen Fall, dass die FIA-Spezialisten doch etwas Fragwürdiges finden, würde dem Reglement entsprechend ein Verfahren eingeleitet. Zu welcher Strafe das führen würde, ist abhängig von der Schwere des Vergehens. Zu behaupten, Hamilton zittere um seinen Titel, ist etwas weit hergeholt.

Lässt Renault die Rückkehr platzen?

Noch immer hat Renault nicht offiziell bestätigt, den Lotus-Rennstall zurückzukaufen. Daraus zimmern Schwarzmaler: Die Franzosen kneifen im letzten Moment, Absichtserklärung zum Kauf von Lotus hin oder her, und kehren nicht offiziell in die Formel 1 zurück.

Die Wahrheit ist: Hinter den Kulissen wird auf höchsten Niveau ums Geld gepokert. Renault fordert von den Formel-1-Rechtehaltern Sonderzahlungen, wie sie die Formel-1-Traditionsteams erhalten. Und dieses Geld soll nicht gestaffelt fliessen, wie es ursprünglich angedacht war, sondern zeitnah ausbezahlt werden. Denn Renault-Chef Carlos Ghosn fürchtet: Wenn die Wettbewerbshüter der EU die Geldverteilung unter den Teams beleuchten und als ungerecht einstufen würden, dann könnte es mit den Sonderzahlungen sehr schnell vorbei sein. Überdies wollen die Franzosen die Übernahme von Lotus mit diesem Sonderzahlungs-Betrag abfedern.

Von allen Räuberpistolen im Abu-Dhabi-Fahrerlager ist diese Geschichte die weitaus gefährlichste. Denn am 7. Dezember tagt in London das Oberste Gericht über einen weiteren Vorstoss von Lotus-Gläubigern. Die Zeit drängt, und Renault scheint im Armdrücken mit Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone als Vertreter der Rechtehalter am längeren Hebel zu sitzen. Bernie Ecclestone kann es sich schlicht nicht leisten, Renault als Werksrennstall und Motorhersteller zu verlieren.

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