Nach Renault-Rettung: Muss Lotus noch vors Gericht?

Von Mathias Brunner
Formel 1
​SPEEDWEEKipedia: Leser fragen, wir finden die Antwort. Heute: Renault-Chef Carlos Ghosn hat die Übernahme des Lotus-Rennstalls bestätigt. Muss das Team jetzt noch vor Gericht?

In loser Reihenfolge gehen wir in Form von «SPEEDWEEKipedia» auf Fragen unserer Leser ein. Dieses Mal will Gian-Luigi Amici aus Bellinzona wissen: «Am Freitag wurde bekannt, dass Renault den Lotus-Rennstall übernimmt, Konzernchef Carlos Ghosn hat das bestätigt. Das hat mich zur Frage geführt – heute Montag, 7. Dezember, müsste Lotus doch in England vors Gericht. Hat sich das mit der Übernahme durch die Franzosen erledigt?»

Zur Erklärung müssen wir ein wenig ausholen: Ende September hat der Oberste Gerichtshof in London dem Lotus-Rennstall eine letzte Frist zur Bezahlung der Steuerschuld in Höhe von rund 3,6 Millionen Euro eingeräumt – bis zum 7. Dezember 2015, also heute Montag. Lotus konnte damals eine Absichtserklärung von Renault vorweisen, nach welcher die Franzosen den Rennstall als Enstone übernehmen wollen.

Lotus stand wegen der Steuersache schon zum dritten Mal vor Richter Colin Birss: Die Steuerbehörde Ihrer Majestät hatte in London den Antrag gestellt, den Rennstall für zahlungsunfähig zu erklären. Es geht um rund 3,6 Millionen Euro ausstehender Zahlungen der so genannten direkten Steuern (Her Majesty's Revenue and Customs). Diese direkten Steuern werden unmittelbar beim Steuerschuldner festgesetzt und erhoben. Zu den direkten Steuern zählen Steuern auf das Einkommen und das Vermögen.

Lotus wäre der dritte Formel-1-Rennstall innerhalb gut eines Jahres, der in die Zahlungsunfähigkeit rutschen würde. Wohin das führen kann, haben wir 2014 bei Caterham und Marussia gesehen – Caterham trat nach einer kurzen Pause noch beim WM-Finale von Abu Dhabi an, konnte aber letztlich nicht gerettet werden und wurde aufgelöst; Marussia wurde gerettet und trat zur WM 2015 als Manor-Marussia wieder in der Formel 1 an. Für 2016 konnte ein Handel mit Mercedes (Motoren) und Williams (Hinterachse) abgeschlossen werden.

Zurück zu Lotus: Rechtsvertreter von Renault hatten Ende September vor dem Gericht dargelegen können, dass die Steuerschuld beglichen wird. Weil die Übernahme eines Rennstalls Zeit jedoch brauche, wie sie beteuerten, hat das Gericht eine neue Frist angesetzt – bis eben zum 7. Dezember. Tatsächlich unterzeichnete Renault-Chef Carlos Ghosn, wie Leser Amici richtig sagt, die Verträge erst in der vergangenen Woche. Bei Lotus in Enstone knallten die Korken.

Lotus-Geschäftsleiter Matthew Carter sagt zum anstehenden Gerichtstermin gegenüber Autosport: «Wir müssen vor Gericht erscheinen, das ist unumgänglich. Es ist auch sehr wahrscheinlich, dass bis heute nicht alle Schulden beglichen sein werden. Es geht also darum, dem Gericht zu beweisen, welche Fortschritte erzielt worden sind und ihm die unterzeichneten Verträge mit Renault zu zeigen. Dann liegt es am Richter zu entscheiden. Aber die beste Lösung für die Gläubiger ist natürlich, dass der Rennstall nicht geschlossen wird im Moment, in welchem wir für die Zukunft eine so tolle Lösung gefunden haben. Wir hoffen also, dass der Termin reibungslos abläuft.»

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