Tests: Mercedes gegen Ferrari – wer deckt Karten auf?

Von Mathias Brunner
Formel 1
Nico Rosberg im Silberpfeil gegen Sebastian Vettel im Ferrari

Nico Rosberg im Silberpfeil gegen Sebastian Vettel im Ferrari

​Einhellige Meinung nach den ersten Tests auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya: Weltmeister Mercedes hat noch nicht gezeigt, was im Silberpfeil steckt. Ändert sich das nun?

Der Verdikt im Formel-1-Fahrerlager ist klar: Die ersten Testfahrten auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya von vergangener Woche haben noch nicht aufgedeckt, wie stark die verschiedenen Rennställe sind. Denn mit Reifenmischungen und Spritmenge kaschiert vor allem Mercedes-Benz, wo sie mit ihrem neuen Silberpfeil für Lewis Hamilton und Nico Rosberg in Wahrheit stehen.

Ein Vergleich: Sebastian Vettel ist bei seiner Testbestzeit von vergangener Woche (1:22,810 min) mit der Pirelli-Reifenmischung ultrasoft gefahren. Der Zweitschnellste, Nico Hülkenberg im Force India, erreichte seine 1:23,110 min auf der zweitweichsten Mischung, supersoft. Da die Reifentechniker von Pirelli von einem Unterschied im Bereich von rund sechs Zehntelsekunden ausgehen, was die weichsten beiden Mischungen angeht, wäre Hülkenberg theoretisch schneller gewesen als Vettel. Logischer Schluss: Entweder der neue Force India ist ein Wunderauto, oder Ferrari hatte noch üppig Sprit an Bord.

Zweite Beobachtung: Nico Rosberg fuhr seine 1:24,867 min auf mittelharten Reifen, das ist die zweithärteste aller fünf Mischungen (hart, mittelhart, weich, superweich, ultraweich). Auch hier geht die Konkurrenz davon aus, dass der Mercedes immer gut betankt war.

Die elementare Frage des zweiten Tests wird sein: Wird Weltmeister Mercedes-Benz auch mal mit wenig Kraftstoff im Tank und den weichsten Mischungen ausrücken? Und was passiert dann auf der Stoppuhr?

Ferrari-Teamachef Maurizio Arrivabene hat bereits festgehalten: «Die heisse Frage derzeit ist nicht, was Ferrari wirklich kann. Sondern wozu Mercedes in Wahrheit in der Lage ist.»

Die Silberpfeile sind bislang Zuverlässigkeits-Wintermeister, sie haben fast doppelt so viele Runden zurückgelegt wie Ferrari!

Mercedes 675 Runden
Toro Rosso 447
Williams 377
Red Bull Racing 369
Ferrari 352
Renault 342
Force India 333
Haas 281
McLaren-Honda 257
Manor 254

Sauber haben wir nicht vergessen, aber die Schweizer fuhren beim ersten Test mit dem 2015er Auto. Ab Morgen, 1. März, ist das neue Modell im Einsatz. Eine Präsentation im eigentlichen Sinne ist nicht geplant, Sauber will um punkt 9.00 Uhr einfach mit der Testarbeit beginnen.

Ganz anders die Scuderia Toro Rosso: Sie werden um 8.15 Uhr am Dienstagmorgen eine kurze Präsentation durchführen. Am neuen Modell werden dann die jüngsten Evoteile prangen, und das Auto wird erstmals in der 2016er Lackierung gezeigt.

Generell stand der erste Test im Zeichen der Standfestigkeit: Mit möglichst vielen Runden wollten die Rennställe ihre neuen Wagen verstehen lernen. Wer da schwächelte, ist schon im Hintertreffen. Sauber muss Arbeit erledigen, welche die anderen elf Teams schon gemacht haben. McLaren-Honda muss nach einem schwierigen Beginn Runden bolzen. Haas will den verstärkten Frontflügel am Wagen haben. Renault hat viele Evo-Teile angekündigt, Williams eine neue Fahrzeugnase.

Was Mercedes-Benz wirklich kann, ist in einer Bemerkung von Technikchef Paddy Lowe versteckt: «Wir haben von 2015 auf 2016 einen grössen Schritt gemacht als von 2014 auf 2015.» Vor allem die neue Hainase mit einer extrem kleinen Frontflügelaufhängung macht den Gegner Kopfzerbrechen.

Die Meinungen im Fahrerlager gehen weit auseinander. Einige gehen so weit zu behaupten, dass Mercedes sein wahres Potenzial sogar erst in Australien aufdecken wird. Andere verweisen auf Dauerläufe während des ersten Tests, als Nico Rosberg und Sebastian Vettel auf mittelharten Reifen Zeiten fuhren, die nur um wenige Zehntel variierten. Aber erneut ist hier das grosse Fragezeichen die Spritlast.

Mercedes bleibt als einziges Team beim Programm, das Tagesprogramm unter seinen Stars jeweils aufzuteilen. Den kompletten Testplan (so weit bekannt) sowie alle alle bisherigen Barcelona-Testzeiten mit den entsprechenden Reifen sehen Sie weiter unten.

Erster Wintertest Barcelona, die Bestzeiten

1. Sebastian Vettel (D), Ferrari SF16-H, 1:22,810 (Di) U
2. Nico Hülkenberg (D), Force India VJM09-Mercedes, 1:23,110 (Mi) S
3. Kimi Räikkönen (FIN), Ferrari SF16-H, 1:23,477 (Do) U
4. Daniel Ricciardo (AUS), Red Bull Racing RB12-TAG Heuer, 1:23,525 (Di) U
5. Sergio Pérez (MEX), Force India VJM09-Mercedes, 1:23,650 (Di) S
6. Daniil Kvyat (RU), Red Bull Racing RB12-TAG Heuer, 1:24,293 (Do) U
7. Alfonso Celis (MEX), Force India VJM09-Mercedes, 1:24,840 (Do) S
8. Nico Rosberg (D), Mercedes F1 W07 Hybrid, 1:24,867 (Di) M
9. Marcus Ericsson (S), Sauber C34-Ferrari, 1:25,237 (Di) W
10. Kevin Magnussen (DK), Renault RS16, 1:25,263 (Do) W
11. Max Verstappen (NL), Toro Rosso STR11-Ferrari, 1:25,393 (Do) M
12. Lewis Hamilton (GB), Mercedes F1 W07 Hybrid, 1:25,409 (Mo) M
13. Esteban Gutiérrez (MEX), Haas VF-16-Ferrari, 1:25,524 (Di) W
14. Valtteri Bottas (FIN), Williams FW38-Mercedes, 1:25,648 (Di) W
15. Romain Grosjean (F), Haas VF-16-Ferrari, 1:25,874 (Mi) W
16. Pascal Wehrlein (D), Manor MRT05-Mercedes, 1:25,925 (Di) W
17. Felipe Nasr (BR), Sauber C34-Ferrari, 1:26,053 (Do) W
18. Fernando Alonso (E), McLaren MP4-31-Honda, 1:26,082 (Di) W
19. Jolyon Palmer (GB), Renault RS16, 1:26,189 (Di) W
20. Carlos Sainz (E), Toro Rosso STR11-Ferrari, 1:26,239 (Mi) M
21. Felipe Massa (BR), Williams FW38-Mercedes, 1:26,483 (Do) W
22. Jenson Button (GB), McLaren MP4-31-Honda, 1:26,860(Mo) W
23. Rio Haryanto (RI), Manor MRT05-Mercedes, 1:28,266 (Do) W

U = ultraweiche Reifen, S = superweich, W = weich, M = mittelhart

Barcelona-Testzeiten, 4. Tag (Donnerstag, 25. Februar)

1. Kimi Räikkönen (FIN), Ferrari SF16-H, 1:23,477 (76 Runden)
2. Daniil Kvyat (RU), Red Bull Racing RB12-TAG Heuer, 1:24,293 (92)
3. Alfonso Celis (MEX), Force India VJM09-Mercedes, 1:24,840 (75)
4. Kevin Magnussen (DK), Renault RS16, 1:25,263 (152)
5. Max Verstappen (NL), Toro Rosso STR11-Ferrari, 1:25,393 (110)
6. Felipe Nasr (BR), Sauber C34-Ferrari, 1:26,053 (119)
7. Nico Rosberg (D), Mercedes F1 W07 Hybrid, 1:26,187 (86)
8. Lewis Hamilton (GB), Mercedes F1 W07 Hybrid, 1:26,295 (99)
9. Felipe Massa (BR), Williams FW38-Mercedes, 1:28,483 (35)
10. Esteban Gutiérrez (MEX), Haas VF-16-Ferrari, 1:27,802 (89)
11. Rio Haryanto (RI), Manor MRT05-Mercedes, 1:28,266 (51)
12. Fernando Alonso (E), McLaren MP4-31-Honda, keine Zeit (3)

Barcelona-Testzeiten, 3. Tag (Mittwoch, 24. Februar)

1. Nico Hülkenberg (D), Force India VJM09-Mercedes, 1:23,110 (92 Runden)
2. Romain Grosjean (F), Haas VF-16-Ferrari, 1:25,874 (73)
3. Kimi Räikkönen (FIN), Ferrari SF16-H, 1:25,977 (58)
4. Kevin Magnussen (DK), Renault RS16, 1:26,014 (103)
5. Nico Rosberg (D), Mercedes F1 W07 Hybrid, 1:26,084 (74)
6. Carlos Sainz (E), Toro Rosso STR11-Ferrari, 1:26,239 (152)
7. Felipe Nasr (BR), Sauber C34-Ferrari, 1:26,392 (112)
8. Lewis Hamilton (GB), Mercedes F1 W07 Hybrid, 1:26,421 (77)
9. Daniil Kvyat (RU), Red Bull Racing RB12-TAG Heuer, 1:26,497 (74)
10. Felipe Massa (BR), Williams FW38-Mercedes, 1:26,712 (109)
11. Jenson Button (GB), McLaren MP4-31-Honda, 1:26,919 (51)
12. Rio Haryanto (RI), Manor MRT05-Mercedes, 1:29,808 (72)

Barcelona-Testzeiten, 2. Tag (Dienstag, 23. Februar)

1. Sebastian Vettel (D), Ferrari SF16-H, 1:22,810 (125)
2. Daniel Ricciardo (AUS), Red Bull Racing RB12-TAG Heuer, 1:23,525 (112)
3. Sergio Pérez (MEX), Force India VJM09-Mercedes, 1:23,650 (101)
4. Nico Rosberg (D), Mercedes F1 W07 Hybrid, 1:24,867 (172)
5. Marcus Ericsson (S), Sauber C34-Ferrari, 1:25,237 (108)
6. Esteban Gutiérrez (MEX), Haas VF-16-Ferrari, 1:25,524 (78)
7. Valtteri Bottas (FIN), Williams FW38-Mercedes, 1:25,648 (134)
8. Pascal Wehrlein (D), Manor MRT05-Mercedes, 1:25,925 (71)
9. Fernando Alonso (E), McLaren MP4-31-Honda, 1:26,082 (119)
10. Jolyon Palmer (GB), Renault RS16, 1:26,189 (42)
11. Max Verstappen (NL), Toro Rosso STR11-Ferrari, 1:26,539 (121)

Barcelona-Testzeiten, 1. Tag (Montag, 22. Februar)

1. Sebastian Vettel (D), Ferrari SF16-H, 1:24,939 (69 Runden)
2. Lewis Hamilton (GB), Mercedes F1 W07 Hybrid, 1:25,409 (155)
3. Daniel Ricciardo (AUS), Red Bull Racing RB12-TAG Heuer, 1:26,044 (86)
4. Valtteri Bottas (FIN), Williams FW38-Mercedes, 1:26,091 (80)
5. Alfonso Celis (MEX), Force India VJM09-Mercedes, 1:26,298 (57)
6. Jenson Button (GB), McLaren MP4-31-Honda, 1:26,860 (83)
7. Carlos Sainz (E), Toro Rosso STR11-Ferrari, 1:27,180 (55)
8. Marcus Ericsson (S), Sauber C34-Ferrari, 1:27,555 (88)
9. Pascal Wehrlein (D), Manor MRT05-Mercedes, 1:28,292 (54)
10. Romain Grosjean (F), Haas VF-16-Ferrari, 1:28,399 (31)
11. Jolyon Palmer (GB), Renault RS16, 1:29,356 (37)

Die wichtigsten Termine

Präsentationen/Roll-out
1. März: Präsentation Toro Rosso (Circuit de Barcelona-Catalunya, 8.15 Uhr)
1. März: Sauber (Circuit de Barcelona-Catalunya, 9.00 Uhr)

Formel-1-Wintertests
1.–4. März: Spanien (Barcelona)

2. Barcelona-Test: So wird gefahren
Mercedes
Dienstag 1. März: Nico Rosberg (Morgen), Lewis Hamilton (Nachmittag)
Mittwoch 2. März: Lewis Hamilton (Morgen), Nico Rosberg (Nachmittag)
Donnerstag 3. März: Nico Rosberg (Morgen), Lewis Hamilton (Nachmittag)
Freitag, 4. März: Lewis Hamilton (Morgen), Nico Rosberg (Nachmittag)
Ferrari
Dienstag und Donnerstag: Kimi Räikkönen
Mittwoch und Freitag: Sebastian Vettel
Williams
Dienstag und Mittwoch: Valtteri Bottas
Donnerstag und Freitag: Felipe Massa
Red Bull Racing
Dienstag und Donnerstag: Daniil Kvyat
Mittwoch und Freitag: Daniel Ricciardo
Force India
Dienstag und Donnerstag: Nico Hülkenberg
Mittwoch und Freitag: Sergio Pérez
Toro Rosso
Dienstag und Donnerstag: Max Verstappen
Mittwoch und Freitag: Carlos Sainz
Sauber
Dienstag und Donnerstag: Felipe Nasr
Mittwoch und Freitag: Marcus Ericsson
McLaren-Honda
Dienstag und Donnerstag: Fernando Alonso
Mittwoch und Freitag: Jenson Button
Manor
Dienstag: Rio Haryanto
Weiteres Programm wird erst am Dienstag definiert
Renault
Dienstag und Mittwoch: Kevin Magnussen
Donnerstag und Freitag: Jolyon Palmer
Haas F1
Dienstag und Mittwoch: Esteban Gutiérrez
Donnerstag und Freitag: Romain Grosjean

Formel-1-WM
20. März: Australien (Melbourne)
3. April: Bahrain (Sakhir)
17. April: China (Shanghai)
1. Mai: Russland (Sotschi)
15. Mai: Spanien (Barcelona)
29. Mai: Monaco (Monte Carlo)
12. Juni: Kanada (Montreal)
19. Juni: Aserbaidschan (Baku) *
3. Juli: Österreich (Spielberg)
10. Juli: Grossbritannien (Silverstone)
24. Juli: Ungarn (Budapest)
31. Juli: Deutschland (Hockenheim)
28. August: Belgien (Spa-Francorchamps)
4. September: Italien (Monza)
18. September: Singapur
2. Oktober: Malaysia (Sepang)
9. Oktober: Suzuka (Japan)
23. Oktober: USA (Austin) **
30. Oktober: Mexiko (Mexiko-Stadt)
13. November: Brasilien (Sao Paulo)
27. November: Abu Dhabi (Insel Yas)
* Strecke noch nicht homologiert
** Finanzierung noch nicht gesichert

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