Sebastian Vettel: «Daniil Kvyat hat wenigstens Eier»

Von Mathias Brunner
Formel 1
Kvyat rutscht in Russland Vettel ins Heck

Kvyat rutscht in Russland Vettel ins Heck

​Ferrari-Star Sebastian Vettel spricht über die Affäre Kvyat: «Was in Russland mit mir passiert ist, das war nicht wichtig. Da war der Wechsel bei Red Bull doch schon beschlossene Sache.»

Sebastian, wie blickst du auf den Russland-GP zurück?

Ich glaube, die Bilder sprechen für sich. Daniil Kvyat hat sich in der ersten Kurve ein wenig vertan, hat mich angeschubst und ist dann wohl auch noch in den Wagen von Daniel Ricciardo gerutscht. In der dritten Kurve lag Pérez auf der Innenseite, ich sah, wie der Mexikaner verzögerte, Lewis hat dann auch Tempo rausgenommen, ich ebenfalls, dann prallte Kvyat nochmals in mich. Da ist der Russe vielleicht zu wenig vorausschauend gefahren. Mein Rennen war zu Ende, und es ist wohl nachzuvollziehen, dass ich enttäuscht und wütend war. Daher bin ich auch an den Kommandostand von Red Bull Racing gegangen, zu Christian Horner, und habe ihm gesagt, er solle bitteschön ein Wörtchen mit seinem Piloten wechseln.

Nach dem Rennen hatte Daniil Kvyat wenigstens die Eier, das Telefon ich die Hand zu nehmen, mich anzurufen und sich bei mir zu entschuldigen. Schon so mancher 30-Jährige ist mir in die Kiste gefahren und hatte diesen Mut nicht – eben zu sagen: Ich habe Mist gebaut. Das ist für mich wichtiger, als nun weiter auf Kvyat herumzuhacken. Fehler passieren, der Russe hat seinen Patzer eingestanden, damit ist die Affäre für mich erledigt. Ein Fehler kann allen passieren, mir auch, vielleicht schon hier in Spanien oder in zwei Wochen in Monaco. Das kann eben vorkommen, wenn ein Pilot sich am Limit bewegt.

Was danach passiert ist, dass er zu Toro Rosso geschickt wurde, das hat nach meinen Informationen nichts mit dem Unfall mit mir zu tun. Da war der Wechsel bei Red Bull doch schon beschlossene Sache.

Die schlechte Nachricht für Kvyat war eine gute für Verstappen: Es ist klar, dass Red Bull Racing das grössere Team ist, mit mehr Ressourcen. Aber Toro Rosso ist derzeit nicht weit weg von Red Bull Racing, insofern hat Daniil keine schlechten Karten.

Ist die Entscheidung zu hart?

Ich finde, man muss das aus einer anderen Perspektive sehen. Red Bull ermöglicht jungen Fahrern viele Chancen. Diese Chancen gilt es zu nutzen. Ich erhielt auch eine solche Chance, der Druck damals war gewiss nicht kleiner. Wenn ich keine Leistung gebracht hätte, würde ich heute vielleicht nicht vor euch sitzen. Ob die Entscheidung um Kvyat nun fair war oder nicht, darüber will ich nicht richten. Ich sehe das Positive: Wie junge Piloten von einer Firma gefördert werden. Das ist das Zentrale. Ich habe eine hohe Meinung von Daniil. Ich halte ihn für überdurchschnittlich talentiert, mit einem tollen Grund-Speed. Der Russe verdient es, in der Formel 1 zu bleiben.

Wieso hat Ferrari auf den kommenden beiden Strecken von Barcelona und Monaco eine bessere Chance als auf den letzten beiden in China und Russland?

Das Potenzial ist da, ich fühle mich wohl im Wagen. Vor allem jedoch sollte die Pistencharakteristik von Spanien und Monaco besser zum Ferrari passen als die Streckenverläufe in Shanghai und Sotschi. In China war Mercedes immer sehr stark, in Russland auch. Barcelona ist ein guter Gradmesser, ob der Ferrari so gut ist wie wir das glauben. Monaco dann hat seine eigenen Gesetze. Dort kann der Fahrer auch mehr Unterschied ausmachen als auf anderen Bahnen.

Ist Barcelona wegweisend für die folgenden Rennen – wegen der vielen Updates, die alle bringen?

Das ist nicht mehr so wie vor zehn Jahren, als während der Saison zwei oder drei markante Evo-Schritte kamen. Heute ist die Entwicklung viel intensiver und kommt gleichmässig bei jedem Rennen sofort ans Auto, das klassische Vorgehen war von einem ganz anderen Rhythmus. Die Teams haben keine Zeit mehr, mit Verbesserungen zu warten. Insofern ist jedes Rennen wichtig. Und für Barcelona wie für jede Piste gilt: Man muss eben alle Puzzleteilchen zusammensetzen, dann erst ergeben sich Siegchancen.

Ferrari-Präsident Marchionne hat gemeint, ihr hättet drei von vier Rennen gewinnen können.

Ich weiss nicht genau, was das geschrieben wurde. Mir reicht, was er mir gesagt hat. Für mich ist elementar, dass es ihm wichtig ist, was wir machen. Er ist so wütend und enttäuscht wie wir selber auch, dass wir aus verschiedenen Gründen ein besseres Ergebnis in den ersten vier Grands Prix verpasst haben und noch ohne Sieg sind. Er steht hinter uns, das ist mir wichtig, und nicht irgendwelches Gerede über Druck oder Erwartungen. Wir wollen Ferrari an der Spitze sehen, da machen wir uns selber schon genug Druck. Wir arbeiten Tag und Nacht, um dieses gemeinsame Ziel zu erreichen.

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