Romain Grosjean (Haas): Die Wahrheit über Monaco

Von Mathias Brunner
Formel 1
Romain Grosjean

Romain Grosjean

​Der Genfer Romain Grosjean bestreitet am kommenden Sonntag seinen fünften Monaco-GP (bestes Ergebnis: achter Platz 2014) und räumt mit einigen Mythen um den Strassen-GP auf.
Romain, leider kann kein Leser mit dir in den Haas-Renner einsteigen. Wie würdest du deine Gefühle, deine Eindrücke während einer Monaco-Runde beschreiben?

(Lächelt.) Das ist fast unmöglich! Lass es mich versuchen – es ist eine ständige Jonglage mit den Leitschienen. Die Kunst in Monaco besteht darin, am Limit zu balancieren, aber die Grenzen eben nicht zu überschreiten. Mein Ziel ist es, bei 99 Prozent zu bleiben. Sobald du mehr willst, gerätst du unweigerlich in Schwierigkeiten.

Wenn ich die Piste zu Fuss abgehe, dann glaube ich oft selber nicht, wie schnell wir auf einer so engen Bahn unterwegs sind. Alles passiert unfassbar schnell, wie wenn du einen Film anguckst und auf schnellen Vorlauf stellst. Wenn du ein gutes Auto hast, dann bietet das Fahren in Monaco eine Befriedigung, die intensiver ist als auf den meisten anderen Rennstrecken. Wenn du ein Fahrzeug bewegst, das sich etwas störrisch anstellt, dann hast du den Eindruck, die Piste wirft dich herum wie einen Korken in stürmischer See.

Es ist auch für viele Fans ein besonderes Rennen, nicht zuletzt für die Franzosen, die ja derzeit keinen Grand Prix haben.

Ja, ein gutes Beispiel dafür: Vor diesem Gespräch bin ich von den Boxen ins Fahrerlager gekommen. Ich habe eine Viertelstunde dafür gebraucht! Erstens gehst du viele Umwege, zweitens bist du mit den Fans auf Tuchfühlung, und natürlich will jeder ein Stückchen deiner Zeit. Ich finde das grundsätzlich schön, weil du die Leidenschaft der Formel-1-Freunde hautnah spürst. Gleichzeitig ist es auch ein wenig kompliziert, wenn du schnell von A nach B kommen möchtest.

Wie vielschichtig ist ein Monaco-GP-Wochenende?

Ich sehe es immer als Etappen auf dem Weg zum grossen Ziel. In den ersten freien Trainings versuchst du, einen Rhythmus zu finden und stetig Tempo zuzulegen. Du musst dich im Abschlusstraining in die Position bringen, freie Bahn zu erhalten und diesen Steilpass dann auch zu nutzen. Im Rennen dann hoffst du auf einen sauberen Start, immer mit dem Ziel ein paar Ränge gutzumachen, denn normalweise ist es ganz schwierig, hier zu überholen. Erneut versuchst du, deinen Rhythmus zu finden, wobei das Tempo oft von deiner Position bestimmt ist.

Wenn dein Auto jetzt nicht das beste im Feld ist, gehst du mit der Einstellung ins Rennen: Hier kann alles passieren?

Wohin dieser Grand Prix führen kann, weiss niemand. Vor zwanzig Jahren gewann Olivier Panis im Ligier, damit hätte auch keiner gerechnet. Damals rollten noch drei oder vier Autos, als die Zielflagge fiel, absolut verrückt. 2014 war ich zunächst auf Rang 19, am Ende kreuzte ich als Neunter die Ziellinie und rückte später noch einen Platz auf. Und ich habe keinen einzigen Gegner überholt.

Wo warst du, als Panis gewann?

Ich sass zuhause vor dem Fernseher und habe meinen Augen nicht getraut, was da abgeht.

Das könnte sich am Sonntag wiederholen. Wir haben für Sonntag Regen angesagt.

Schauer, wie ich höre. Und die Meteorologen können nicht mit Sicherheit sagen, ob die noch während des Grand Prix kommen oder erst danach. Bei Regen wird alles in Monaco noch extremer: Du musst irrsinnig aufpassen, die ganzen Fussgängerstreifen oder andere auf den Asphalt gemalten Linien zu meiden. (Beginnt zu lachen.) Also ungefähr wie im Strassenverkehr von Paris!

Hat für dich die Regel noch Bestand, dass ein überdurchschnittlicher Formel-1-Pilot in Monte Carlo etwas Besonders aus dem Helm zaubern kann?

Ich finde, das stimmt mit jedem Jahr weniger. Weil die Autos immer hochgestochener werden, weil selbst die weniger guten Rennwagen eben keine schlechten sind. Die Renner sind auch zunehmend standfester, was beim Fan den Eindruck erwecken kann, die Grands Prix seien langweilig – weil so wenige Autos ausfallen. Ich glaube nicht mehr, dass der Pilot in Monaco einen Riesenunterschied ausmachen kann. Vielleicht im Qualifying noch eher als im Rennen.

Gibt es mehr PR-Auftritt als üblich?

Ja, in der Regel schon. Wobei ich in diesem Jahr darauf geachtet habe, nicht zu viel zu machen. Am Samstagabend nehme ich an einer Veranstaltung von Uhrenhersteller Richard Mille teil, dann noch ein, zwei kleinere Auftritte. Ein Rennwochenende in Monte Carlo braucht sehr viel Energie, und es ist wichtig, sich da nicht zu verzetteln, um genügend mentale Reserven zu haben, wenn du das tust, was eigentlich am wichtigsten ist – fahren.

Ihr habt das Chassis gewechselt?

Ja, schon für den Barcelona-Test. Wir fanden einfach, der Wagen fühlte sich bei den Rennen zuvor seltsam an. Wir wollten etwas anderes versuchen. Jeder weiss, dass wir in China und Russland Schwierigkeiten mit der Abstimmung hatten und das tolle Fahrgefühl von Australien und Bahrain verloren gegangen ist. Beim Spanien-Test haben wir nun den Eindruck gewonnen, dass wir langsam wieder zu diesem guten Gefühl zurückkommen.

Was kannst du hier reissen?

Auf keiner Bahn ist es so schwierig, das vorherzusagen, wie in Monaco: Ich kam schon mit Autos her, von welchen ich dachte – das wird super. Und dann ist alles schief gelaufen. In anderen Jahren ist genau das Gegenteil passiert. Was ebenfalls fast nur auf Monte Carlo zutrifft: Wenn du das Wochenende von der Abstimmung her quasi auf dem falschen Fuss beginnst, dann ist es kaum möglich, den Rückstand wieder wettzumachen. Weil du den veränderten Pistenverhältnissen dann ständig hinterher läufst. Du machst dann Änderungen am Wagen, von denen du hoffst, dass sie die richtigen sind. Ein Schuss ins Blaue.

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