WM-Duell Rosberg mit Hamilton: Alles wieder offen

Von Mathias Brunner
Lewis Hamilton und Nico Rosberg nach dem Monaco-GP

Lewis Hamilton und Nico Rosberg nach dem Monaco-GP

​Nach dem Grand Prix von Russland und vier Siegen in Folge von Nico Rosberg stand es in der WM gegen Lewis Hamilton 100:57. Nun aber ist der Vorsprung auf 24 Punkte geschrumpft.

Nico Rosberg war immer skeptisch. Als der Mercedes-Pilot von Sieg zu Sieg eilte – von Mexiko 2015 bis Russland 2016 sieben Mal in Folge – hat der Deutsche wiederholt gewarnt: «Ich weiss, dass die Siegesserie irgendwann zu Ende geht, ich bin mental darauf vorbereitet.»

Dann folgte die spektakuläre Kollision der beiden Silberpfeile in Spanien, also Nullrunde für Rosberg und seinen WM-Rivalen Lewis Hamilton. In Monaco war Nico im Rennen von der Rolle – Reifen und Bremsen zu kalt, der WM-Leader eierte nur herum und wurde von der Box gebeten, ausgerechnet seinem härtesten Gegner Platz zu machen. Hamilton bezeichnete später Nico als «echten Gentleman», Rosberg wirkte wenig geschmeichelt.

Nach seinem zweiten Monaco-Sieg (nach 2008) bezeichnet Lewis Hamilton das Titelduell wieder als «lebendig. Klar ist der Vorsprung von Nico noch immer beträchtlich, aber sein Polster wird kleiner. Ich weiss, wie er sich fühlt, denn ich war auch schon in seiner Position. Dein Leben ist einfacher, wenn die Punktereserve grösser ist.»

Hamilton spielt damit geschickt auf dem Medienklavier, denn er weiss natürlich, dass seine Aussagen veröffentlicht werden. Er hält den Druck damit auch ausserhalb des Rennwagens aufrecht.

Hamilton ist zudem gleich doppelt im Aufschwung: Erstens wegen seines Sieges in Monte Carlo, zweitens weil es nun nach Kanada geht, wo Lewis 2007 seinen ersten GP-Triumph erringen konnte und insgesamt vier Mal gewonnen hat (auch 2010, 2012 und 2015).

Was sagt die Statistik?

Nun liegt Rosberg also noch um 24 Punkte vor dem dreifachen Weltmeister Lewis Hamilton. Was sagt die Statistik, wie solche Duelle in der Vergangenheit ausgegangen sind?

Ein Blick in die Grand-Prix-Historie seit Beginn der Formel-1-Weltmeisterschaft in Silverstone 1950 zeigt: Noch nie hat ein Pilot, der die ersten drei Rennen der Saison oder öfter gewonnen hat, in der gleichen Saison den WM-Titel verloren. Nigel Mansell (der 1992 sogar bei den ersten fünf Saison-GP triumphiert) wurde 1992 mit Williams ebenso Weltmeister wie Ayrton Senna 1991 (vier Siege), Michael Schumacher 1994 (4), Damon Hill 1996 (3) und Michael Schumacher 2000 (3).

Und doch haben drei Formel-1-Fahrer sogar noch grössere Rückstände in WM-Titel gedreht.

2012 lag Sebastian Vettel bei zehn ausstehenden Rennen 44 Punkte hinter Fernando Alonso (Ferrari). Aber am Ende holte sich der Heppenheimer den dritten Titel in Folge.

2007 lag Kimi Räikkönen im Kampf gegen das McLaren-Duo Fernando Alonso und Lewis Hamilton sechs Rennen vor dem Finale in Brasilien um zwanzig Punkte zurück, nach heutigem Punktesystem sind das 45 Zähler. Aber am Schluss war er beim Duell der McLaren-Stars in Interlagos der lachende Dritte.

1964 lag John Surtees um (nach heutigem System) 55,5 Punkte hinten, hatte am Ende aber wie Räikkönen viele Jahre später um einen winzigen Punkt die Nase vorn.

Auch aus solchen Gründen will Nico Rosberg nicht vom WM-Titel sprechen. Für den nunmehr 18fachen GP-Sieger gilt eine andere Mathematik. Es sind noch 15 Rennen zu fahren, also gibt es für 375 Punkte abzuholen. Da sehen 24 Punkte nicht so beruhigend aus als Vorsprung.

Nico Rosberg sagt: «Ich bin jetzt lange genug in der Formel 1 um zu wissen, wie das Pendel mal in die eine, mal in die andere Richtung schwingen kann. Ich hätte nie damit gerechnet, dass ich die ersten vier Rennen gewinnen kann, und ich bin der Letzte, der annehmen würde, dass diese Serie ewig weitergeht. Sport ist immer ein stetes Auf und Ab. Ich weiss, dass ich mit dem Gedanken zu jedem Rennen reise: Ich kann gewinnen. Das alleine reicht, um mich glücklich zu machen.»

Vielleicht bleibt Nico Rosberg aber auch so vorsichtig, weil er weiss: Er hat auch 2014 und 2015 die WM angeführt, aber am Ende war er doch nur Zweiter.

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