Maurizio Arrivabene (Ferrari): Emotionen nutzlos

Von Mathias Brunner
Formel 1
Maurizio Arrivabene

Maurizio Arrivabene

​Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene weiss: Es wird langsam ungemütlich. Wir haben zehn Rennen hinter uns, Ferrari ist ohne Sieg, Team-Leader Vettel liegt 70 Punkte hinter WM-Leader Rosberg!

In der Formel 1, in welcher viele Probleme schöngeredet werden, ist Maurizio Arrivabene eine erfrischende Ausnahme. Nach dem britischen Grand Prix hat er sich vor die Medienvertreter gestellt und aus seinem Herzen keine Mördergrube gemacht: «Heute ist kein guter Tag. Aber zur Mitte der Saison werden wir nicht aufgeben. Es wird auch ein Tag kommen, an dem wir kein Pech haben. Es wird der Tag kommen, an dem wir unsere Schwierigkeiten gelöst haben. Aufgeben liegt uns nicht.»

«Daher konzentrieren wir uns weiter auf die Saison 2016. Aber erwartet jetzt nicht riesige Evo-Schritte, zunächst einmal müssen wir unsere Probleme in den Griff bekommen. Gleichzeitig haben wir ein Team, das am 2017er Auto arbeitet. Das gilt für die Chassis- wie auch für die Motorenabteilung.»

Arrivabene nimmt sich immer für einige Fragen in englischer Sprache Zeit, dann scharen jeweils sich die italienischen Kollegen um ihn herum, und er kann so reden, wie er aufgewachsen ist.

Im Rahmen seiner Landsleute meint er: «Wir müssen uns sammeln. Unser Ziel kann nicht darin bestehen, mit Red Bull Racing kämpfen zu müssen. Wir müssen zu Mercedes aufschliessen und an ihnen vorbei. Ich bin davon überzeugt, dass unsere mangelnde Konkurrenzfähigkeit hier in England auf die ganz besondere Pistencharakteristik von Silverstone zurückgeht. Gleichzeitig hat diese Strecke auch glasklar aufgezeigt, wo unsere Schwächen liegen, und es liegt an uns, die so schnell als möglich abzustellen. Will heissen – Aerodynamik und Standfestigkeit. Das beschädigte Getriebe von Vettel wird nun in Maranello analysiert.»

«Als Stärke sehe ich heute unsere Antriebseinheit, nach einigen Problemen im Motorumfeld zu Beginn der Saison, die wir lösen konnten. Aber wir können nicht negieren, dass wir bei der Aerodynamik hinterher hinken.»

«Zu meinen Aufgaben als Teamchef gehört es, das Team zusammen zu halten. Ihr kennt mich. Es gibt keine zwei Maurizios. Wenn es nicht gut läuft, dann seht ihr das an meinem Gesicht. Ich muss als Leader aber auch Zuversicht und Stärke ausstrahlen. Nur als Einheit schaffen wir das, nur wenn wir uns auf unsere Aufgaben konzentrieren können. Emotionen bringen da gar nichts.»

Ein italienischer Kollege wirft ein: «Ich habe mich mit Jean Todt unterhalten. Er meint, er sehe niemanden, der Mercedes das Wasser reichen könne.»

Arrivabene: «Mich wundert ein wenig, das zu hören – ausgerechnet aus dem Mund jenes Mannes, der zwar zunächst einige Jahre vergeblich dem WM-Titel hinterher jagte, dann aber mit Ferrari die grösste Siegesserie erzeugte, welche die Formel 1 je gesehen hat. Ein wenig unverständlich.»

Was sagt Maurizio zur Funkaffäre um Nico Rosberg? Arrivabene: «Ich finde es absurd, dass jemand kurz davor ist, seine WM-Führung zu verlieren, weil er einen falschen Funkspruch abgesetzt hat. Für mich gehört der Sprechfunk zum Spektakel der Formel 1. Ich höre die gerne. Und die Fans verstehen das Geschehen besser. Wenn wir das ganz abstellen, fände ich das übertrieben. Und ich finde es richtig, wenn das Team eingreift, wenn die Sicherheit gefährdet ist. Das Schwierige ist – wo fängt die Sicherheit an, wo ist eine solche Nachricht unerlaubte Hilfe? Das müssen wir klarer definieren.»

Wir haben nach zehn Rennen die unerwartete Situation, dass Kimi Räikkönen mit 106 Punkten auf WM-Zwischenrang 3 der beste Nicht-Ferrari-Fahrer ist, acht Punkte vor Sebastian Vettel (WM-Fünfter). Was bedeutet das für Ferrari?

Maurizio Arrivabene: «Schon im Winter habe ich klar gesagt – wir haben zwei Fahrer, die frei fahren dürfen. Aber über den Fahrern stehen die Interessen des Teams. Ich sehe da keine Polemik. Wenn wir eine Stallorder angemessen finden, dann gibt es eine. In Baku haben wir aus strategischen Gründen Sebastian vor Kimi geholt. Ich fand es dann amüsant, dass Räikkönen am Funk geantwortet habt: „Dann soll er sich aber sputen, denn ich will hinter ihm dann keine Zeit verlieren.“»

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