Valtteri Bottas (Cadillac): Warnung vor Chaos mit neuen Autos in Melbourne
Die neue Rennwagen-Generation erzeugt ziemlich viele Fragezeichen. Nicht nur im Angriff und beim Verteidigen, sondern auch beim Start. GP-Veteran Valtteri Bottas warnt vor chaotischen GP-Starts.
Die elf Formel-1-Rennställe lernen die 2026er Autos kennen. GP-Rückkehrer Valtteri Bottas sagt über den Stand der Dinge bei den Formel-1-Neulingen von Cadillac: «Der Wagen läuft, aber das ist nur der erste Schritt. Wir drehen so viele Runden wie möglich, wir lernen mit jeder Fahrt.»
«Wir gehen nun aus der Problembehebungs-Phase über zum tieferen Verständnis des Autos und der Antriebseinheit. Heute hier in Bahrain fühlt es sich an, als hätte das Testen richtig begonnen, das vorher war eher ein Funktionstest.»
«Die Autos erinnern an die Renner von 2014»
SPEEDWEEK.com fragt: Hand aufs Herz, Valtteri, wie sehr unterscheidet sich diese Rennwagen von den früheren Generationen, die du kanntest? Der 36-jährige Finne antwortet: «Es ist ziemlich anders. Das Gefühl im Auto erinnert mich an die Autos von 2014 bis 2016.»
«Das Gefühl ist, dass man etwas mehr rutscht und weniger Abtrieb hat, aber dann ist die Kraft aus den Kurven ganz nett. Im Vergleich zu dem Grip, den wir haben, haben wir massiv Power, sodass man zum Beispiel aus den Kurven jetzt viel länger Gas gibt als vorher.»
«Du brauchst auch eine andere Fahrweise, besonders wenn es um den Qualifying-Modus oder den Rennmodus geht – da gibt es ziemlich grosse Unterschiede bei der Kraft-Entfaltung. Aber es gefällt mir, es macht Spass, wenn der Wagen mehr rutscht.»
«Die grösste Sorge sind überhitzende Reifen»
«Die grösste Sorge für alle sind überhitzende Reifen bei Rennen bei hohen Temperaturen, weil so viel mehr Drehmoment aus den Kurven zur Verfügung steht, wir aber weniger Abtrieb und kleinere Hinterreifen haben. Das wird es sicherlich Probleme geben.»
SPEEDWEEK.com hakt nach: Welcher Aspekt ist für den Fahrer am schwierigsten zu meistern? Der WM-Zweite von 2019 und 2020 meint: «Ich schätze, den Umgang mit dem Motor werden die Fahrer bald im Griff haben. Man macht entweder seine Qualifying-Runden oder fährt konstant und versucht, das Energie-Management zu optimieren.»
«Dann hast du ein echtes Problem»
«Aber beim Rennen geht es dann mehr um Angriff und Verteidigung, weil man dort viel grössere Unterschiede machen kann. Und wenn man da einen Fehler macht, wenn etwa die Batterie schon früh in der Runde leer ist, dann hat man ein echtes Problem. Der Einfluss der Batterie ist also viel grösser als früher.»
«Wir stecke alle in der steilsten Lernkurve, die wir je erlebt haben. Bei uns kommt hinzu, dass wir ein neues Team sind. Da muss man schon mit Schwierigkeiten rechnen, das ist normal. Aber ich sage immer – es geht nicht darum, wo wir in Melbourne starten, sondern wo wir am Ende der Saison stehen.»
Viele Fahrer verbremsen sich hier in Kurve 10, auch der zehnfache GP-Sieger Bottas. Valtteri erklärt: «Heute war da Rückenwind, dann ist das ratz-fatz passiert. Aber ein Punkt, den man beachten sollte, ist, dass sich alle Fahrer noch ans Energie-Management gewöhnen und wir in verschiedenen Runden verschiedene Dinge ausprobieren, was die Bremspunkte ziemlich variabel macht.»
Der Grund für die vielen Verbremser
«Was mich da kalt erwischt hat, war, dass ich in dieser Runde deutlich mehr Energie-Einsatz in die Kurve hinein hatte, sodass ich viel schneller angeschossen kam – das hatten wir so vorher nicht. Wir kamen immer mehr oder weniger mit der gleichen Geschwindigkeit an, aber jetzt kann das um 10 bis 20 km/h variieren, was die Bremspunkte natürlich verändert. Das sind also die Dinge, die wir jetzt mit diesen neuen Autos und unseren Einheiten lernen.»
Die Autos sind kompakter geworden und leichter. Der 246-fache GP-Teilnehmer Bottas findet: «Du merkst den Unterschied stark. Es fühlt sich nach den Rennwagen an, die wir von 2014 bis 2016 hatten, nicht ganz so klein und leicht, aber es geht in diese richtige Richtung, ein bisschen wendiger und agiler.»
«Die Autos werden sich rasant entwickeln»
«Im Moment monieren viele Piloten den mangelnden Grip, aber wir wissen, wie dieser Sport funktioniert und wie sehr sich diese neue Rennwagen-Generation entwickeln wird. Die Rundenzeiten werden von Anfang bis Ende der Saison so stark sinken, dass sich alles griffiger anfühlen wird.»
Zur Lernkurve gehören auch die Starts. Valtteri Bottas glaubt, dass wir ein wenig Chaos erleben könnten: «Wir müssen da zehn Sekunden auf dem Gas bleiben, um den Turbo voll auf Touren zu bringen, da musst du Drehzahlen und Kupplung in Einklang bringen. Das ist alles noch ein wenig inkonstant.»
«Ich gehe davon aus, dass ich in Australien eher weiter hinten starten werde. Ist da für mich genug Zeit, wenn das Licht ausgeht, um den Turbo auf Drehzahl zu bringen? Das ist etwas, woran wir arbeiten müssen.»
Bahrain-Test 11. Februar, Tag 1
1. Lando Norris (GB), McLaren MCL40-Mercedes, 1:34,669 min (58 Runden)
2. Max Verstappen (NL), Red Bull Racing RB22-Red Bull Ford, 1:34,798 (136)
3. Charles Leclerc (MC), Ferrari SF-26, 1:35,959 (80)
4. Esteban Ocon (F), Haas VF-26-Ferrari, 1:35,578 (115)
5. Oscar Piastri (AUS), McLaren MCL40-Mercedes, 1:35,602 (54)
6. George Russell (GB), Mercedes W17, 1:36,108 (56)
7. Lewis Hamilton (GB), Ferrari SF-26, 1:36,433 (52)
8. Pierre Gasly (F), Alpine A526-Mercedes, 1:36,765 (49)
9. Nico Hülkenberg (D), Audi R26, 1:36,861 (73)
10. Alex Albon (T), Williams FW48-Mercedes, 1:37,437 (68)
11. Kimi Antonelli (I), Mercedes W17, 1:37,629 (30)
12. Arvid Lindblad (GB), Racing Bulls VCARB03-Red Bull Ford, 1:37,945 (75)
13. Carlos Sainz (S), Williams FW48-Mercedes, 1:38,221 (77)
14. Sergio Pérez (MEX), Cadillac-Ferrari, 1:38,828 (58)
15. Gabriel Bortoleto (BR), Audi R26, 1:38,871 (49)
16. Valtteri Bottas (FIN), Cadillac-Ferrari, 1:39,150 (49)
17. Lance Stroll (CDN), Aston Martin AMR26-Honda, 1:39,883 (36)
18. Franco Colapinto (RA), Alpine A526-Mercedes, 1:40,330 (28)
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