Regenrennen: Weniger Safety-Car, mehr Heldentum

Von Adam Cooper
Formel 1
Die ersten Runden des britischen Grand Prix 2016 hinter dem Safety-Car

Die ersten Runden des britischen Grand Prix 2016 hinter dem Safety-Car

​Nach dem Start zum britischen Grand Prix in Silverstone war Kritik laut geworden: Das Führungsauto blieb viel zu lange auf der Bahn. Nun wird erwogen, auch auf nasser Bahn stehende Starts zu machen.

Die Formel 1 hat ein echtes Problem: Die Fahrer werden oft nicht mehr als Helden am Lenkrad wahrgenommen. Die viel zu detaillierten Anweisungen der Renningenieure sollen mit einer Funkeinschränkung eingedämmt werden. In England und in Ungarn hat das prompt zu Strafen für Nico Rosberg und Jenson Button geführt. Hier besteht noch Handlungsbedarf in Sachen Feinarbeit.

Eine andere Baustelle: das Fahren hinter dem Safety-Car. Nach einem Regenguss vor dem britischen Grand Prix wurde das Rennen hinter dem Führungswagen von Bernd Mayländer begonnen. Der frühere GP-Fahrer Martin Brundle war nicht der einzige, der sich aufregte: «Wir haben doch Regenreifen, wieso lässt man die Piloten nicht damit ins Rennen gehen?»

Formel-1-Rennleiter Charlie Whiting auf den Vorwurf, das Safety-Car sei in England zu lange auf der Bahn gewesen: «Das letzte Wort in Sicherheit habe ich, und Sicherheit geht vor. Lieber zu viele Runden hinter dem Safety-Car als zu wenige.»

Dennoch ist die Kritik nicht abgeklungen: In dieser Woche wird im Rahmen der Strategiegruppensitzung (Donnerstag, 28. Juli) darüber gesprochen, ob die Formel 1 nicht auch auf nasser Bahn einen stehenden Start zeigen sollte.

Angedacht ist: Die Autos drehen sehr wohl einige Runden hinter dem Führungswagen. Dann aber schert der nicht aus, und es kommt zu einem fliegenden Start, sondern das Safety-Car fährt in die Boxengasse, und die Renner nehmen ihre eigentlichen Startpositionen ein. Auf diese Weise müssten die Wagen das Rennen auf den Regenreifen aufnehmen und könnten beim Ausscheren des Safety-Car nicht sofort an die Box, um Intermediates abzuholen.

Mercedes-Teamchef Toto Wolff findet die Idee gut: «Ich finde, wir hätten in England das Feld früher von der Leine lassen sollen. Die Fahrer sollen hinter dem Safety-Car für eine oder zwei Runden ein Gefühl für die Verhältnisse aufbauen können, aber dann wollen die Fans doch einen normalen Start und das Rennen sehen. Vielleicht sind wir nach dem Unfall von Jules Bianchi beim Thema nasse Strecke ein wenig zu vorsichtig geworden. Klar erfordert so ein Unfall, dass Lehren gezogen werden und dass die Sicherheit erhöht wird. Aber wir dürfen dabei auch nicht ausser Acht lassen, was die Quintessenz des Rennsports ist – Ausnahmekönner, die am Lenkrad der kraftvollsten Rennwagen sitzen und knifflige Verhältnisse meistern. Und das können sie durchaus. Die Fans sollen die Fahrer wieder als Helden wahrnehmen.»

Weltmeister und WM-Leader Lewis Hamilton: «Wenn ich mich richtig erinnere, dann hatten wir in Silverstone 2008 einen Start auf nasser Bahn. Ich glaube, wie waren damals auf Intermediates unterwegs, aber die Piste war noch ziemlich nass. Ein Start auf nasser Bahn ist aufregend, mindestens so packend wie einer auf trockener Strecke. Ich bin dafür.»

Jenson Button gibt zu bedenken: «Der Start in England hinter dem Safety-Car war in Ordnung, weil wir sonst in den ersten Runden alle in einem Kiesbett gelandet wären, einige davon kopfüber. Auch ich bin der Ansicht, dass der Führungswagen zu lange auf der Bahn war. Allerdings lag da in Kurve 1 keine Pfütze, das war eher schon ein See. Grundsätzlich habe ich nichts gegen Starts auf nasser Bahn, das hatten wir früher ja auch. Aber wir dürfen nicht ignorieren, wie viel Wasser auf der Bahn steht. Es gibt Situationen, in welchen die Reifen das Wasser einfach nicht mehr verdrängen können, auch Regenreifen nicht. Das hat dann mit Fahrkönnen nichts mehr zu tun. Und dann kommen wir am Safety-Car nicht vorbei.»

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