Formel 1

Fahrstil Max Verstappen: Formel-1-Regeln sind löchrig

Von - 02.09.2016 12:17

​SPEEDWEEKipedia: Leser fragen, wir finden die Antwort. Heute: Es wird kontrovers über die Fahrweise von Max Verstappen diskutiert. Aber was ist darüber eigentlich im Formel-1-Reglement zu finden?

In loser Reihenfolge gehen wir in Form von «SPEEDWEEKipedia» auf Fragen unserer Leser ein. Dieses Mal will Stefan Hut aus Berlin wissen: «Der Fahrstil von Max Verstappen bleibt ein heisses Thema. Ihr habt doch unlängst geschrieben, wie Piloten aus den USA zwischen Verteidigen und Blockieren unterscheiden. Aber was sagt eigentlich das Formel-1-Reglement?»

Kritik wird unter Max Verstappens Gegnern vor allem deswegen laut, weil die anderen Fahrern finden: Der Niederländer lässt sein Auto in der Bremszone beim Verteidigen zu lebhaft herumwandern. Und genau darauf haben die Spitzenfahrer aus den USA in unserem Artikel hingewiesen. Hier nochmals die wichtigsten Aussagen in Kürze.

Der vierfache IndyCar-Meister Scott Dixon aus Neuseeland sagt: «Für mich ist die grösste Unterscheidung – wenn du auf deinen Hintermann reagierst, dann ist das Blockieren.»

Der Australier Will Power, IndyCar-Meister 2014, vertief: «Wenn du die Linie wechselt, nachdem das der Hintermann schon getan hat, dann ist das für mich unerlaubtes Blockieren und sollte bestraft werden. Verteidigen hingegen ist – du suchst dir eine Seite aus, um dich für die folgende Kurve zu schützen, in der Regel ist das die Innenseite, dann aber bleibst du auf dieser Linie.»

Der dreifache Indy-500-Sieger Hélio Castroneves sieht es so: «Wenn du dich als vorne liegender Fahrer auf eine Linie festlegst, dann gibst du dem Gegner die Richtung vor. Die Körpersprache deines Autos sagt gewissermassen – also ich lege mich hier fest, wo immer du dein Glück versuchen willst, ist ab jetzt deine Sache. Am schlimmsten finde ich Fahrer, die immer mit einem Auge im Rückspiegel zur Sache gehen: Ich greife an, lege mich also auf eine Seite fest, dann merke ich, wie mein Vordermann darauf reagiert. Dann weiss keiner, wie das ausgeht.»

Und exakt das erzeugt bei Verstappen ein mulmiges Gefühl. Sky-Formel-1-Experte Martin Brundle warnt: «Wenn das so weitergeht, dann kommt ein grosser Unfall auf uns zu.»

Um auf die Frage unseres Lesers zurückzukommen: Verstappen operiert in einer Grauzone des Reglements.

Artikel 27.6 des Sportgesetzes definiert, dass beim Verteidigen nur ein Richtungswechsel erlaubt ist. Damit soll Zickzackfahren auf der Geraden verhindert werden. Viele Beobachter fanden beim Duell von Max mit Kimi Räikkönen in Ungarn, Verstappen sei zu oft herumgezackt. Die Rennkommissare sahen das nicht so. Es gab keine Untersuchung, also auch keine Strafe.

Artikel 27.7 besagt dann: «Jeder Fahrer, der seine Position auf einer Geraden und vor einer Bremszone verteidigt, darf bei einem ersten Manöver die volle Breite der Rennstrecke benutzen – vorausgesetzt, kein signifikanter Teil des ihm folgenden Fahrzeugs liegt beim Überholversuch bereits an seiner Seite.»

Das war in Belgien beim erneuten Duell zwischen Max und Kimi grenzwertig. Aber erneut erkannte die Rennpolizei keinen Handlungsbedarf. Und Fernando Alonso meinte: «Für mich ging das Manöver von Verstappen in Belgien in Ordnung, weil Kimi nicht an der Seite von Verstappen lag.»

Wie oft im Regelwerk der Formel 1 gibt es für die Rennkommissare ein Hintertürchen. Denn unter 27.5 steht zu lesen: «Zu keiner Zeit darf ein Auto in einer unnötig langsamen oder unberechenbaren Weise bewegt werden, die für Gegner oder andere Personen als gefährlich eingestuft werden kann.»

Wittern die Regelhüter unsportliches Verhalten, kann einem Pistensünder eine Warnflagge gezeigt werden (halb weiss, halb schwarz). Diese Flagge wird nur einmal gezeigt, bei wiederholtem Vergehen setzt es eine Strafe.

FIA-Rennleiter Charlie Whiting hat sich gestern Donnerstag die Meinung der Ferrari-Fahrer Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen angehört, und es gab auch ein Gespräch mit Max Verstappen. Heute Freitagnachmittag wird der Fahrstil von Max Verstappen bei der Fahrerbesprechnung ein elementares Thema sein. Ausgang ungewiss.

Für Manor-Fahrer Esteban Ocon ist das alles nicht neu. Er sagt: «Max ist schon 2014 in der Formel 3 so gefahren.»

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