Gines: Sturzursache in Schleiz – Pylone im Vorderrad

Von Esther Babel
IDM Superbike
Augenzeugen unter den Streckenposten gibt es nicht. Doch die Fahrer, Mathieu Gines selbst und auch die ausgewerteten Daten des Teams gehen bei ihren Berichten alle in die selbe Richtung.

Das IDM Superbike-Wochenende von Mathieu Gines vom Team van Zon-Remeha-BMW endete auf dem Schleizer Dreieck mit zwei gebrochenen Unterarmen. Zwei Operationen hat der Franzose inzwischen hinter sich. Das nächste IDM-Rennen in Assen wird er auf jeden Fall verpassen und auch sein Start beim Langstrecken-WM-Finale in Oschersleben dürfte gestrichen sein. In der IDM kann Gines damit seine Chance auf den Titel so ziemlich begraben. Marvin Fritz reist mit einem 32-Punkte Vorsprung auf Gines nach Assen. Florian Alt auf Platz 3 hat sogar schon 69 Punkte Rückstand auf Fritz.

Als in Schleiz der Sturz von Gines während des Rennens vermeldet wurde, dachte jeder an einen Ausrutscher auf der durch den einsetzenden Regen glitschig gewordenen Strecke oder an eine verunglückte Attacke auf Fritz. Aber gleich nach der Zieldurchfahrt, da wurde Gines noch medizinisch versorgt, berichteten zahlreiche Konkurrenten von der Sturz-Szene.

«Das sah echt seltsam aus», berichtete einer seine Kollegen. «Er ist über irgendwas drüber.» Das Irgendwas entpuppte sich bei genauerer Nachfrage unter den Fahrern als Pylone. Einer der Vorderleute hatte im Durcheinander der Startphase und des Regens, bei dem einige Gas stehen liessen und andere Gas rausnahmen und mit einem Abbruch rechneten, eine der am Rand aufgestellten Pylone nach eigener Aussage touchiert. Diese flog dann zurück auf die Strecke und verfing sich in Gines’ Vorderrad. Es kam zum Sturz.

«Das halbe Feld dahinter hat das so gesehen», versichert ein weiterer Superbike-Fahrer, der hinter Gines unterwegs war. Gines’ Teamchef Werner Daemen nimmt bei seinen Erläuterungen das Wort Pylone bewusst nicht in den Mund. Doch der Unfall wurde im Team akribisch analysiert, denn auch Daemen, der selbst schon in Schleiz Rennen gefahren ist, stellte sich die Frage: Wie kann man an dieser Stelle stürzen?

Datensammlung und Zeugensuche

Ausgewertet wurde alles, was die Technik zu bieten hat. Daten-Aufzeichnungen wurden übereinander gelegt, GPS Daten wurden ausgewertet. «Eine Pylone sehe ich dadurch natürlich nicht», erklärt Daemen. «Aber er hatte Null Bremsdruck aber dennoch ist die Gabel 32 Millimeter eingetaucht. Alles andere war wie in den Runden zuvor. Also irgendwas war da.»

Daemen ist kein Typ für großes Geschrei und Drama. Auch bei dem herben Verlust, den der Sturz und die Verletzung von Gines für sein Team darstellt. Sein Wunsch: «Wir müssen daraus lernen, dass so was in Zukunft nicht mehr passiert. Auch bei uns in Zolder, wo wir regelmässig Rennen organisieren und auch auf dem Lausitzring gibt es Pylone. Diese sind allerdings im Boden fest und im oberen Teil biegsam. Wenn man da drüber fährt, knicken die um und stellen sich wieder auf.»

Auf Nachfrage von SPEEDWEEK.com beim Vorsitzenden Sportkommissar Stefan Beck gab es erst einmal Verwunderung. «Das kann ich leider nicht bestätigen», so Beck anfänglich. «Dazu habe ich keinerlei Information bekommen.» Beck setzte sich anschliessend ans Telefon und machte sich über die Umstände des Unfalls schlau.

«Bisher habe ich als Aussage bekommen», meinte er dann wenig später, die Streckenposten an der Kohlbachtribüne sind etwa 100 Meter von der Sturzstelle entfernt, «dass Gines an der Stelle, wo die Pylonen stehen, von der Fahrbahn abgekommen ist und deswegen weggerutscht ist. Und das bei Vollgas. Deswegen stehen da auch Pylonen, damit erkennbar ist, dass dort kein Asphalt vorhanden ist. Außerdem wird auch gemutmaßt, dass eine Pylone eigentlich nach außen fliegt, wenn sie von einem Bike touchiert wird. Wenn also ein Fahrer das Ding berührt, fliegt das normal weg und nicht rein, aber auch das ist nur reine Theorie. Die Physik ist ja manchmal tükisch.»

Am vergangenen Samstag gab es nun nochmals ein Treffen zwischen dem Sportkommissar und dem Leiter der Streckensicherung. «Wir haben alle noch ausstehenden Infos gesammelt», erklärt Beck. «Es ist als tatsächlich so wie angenommen, keiner der Sportwarte in dem Bereich konnte sehen, was genau passiert ist. Das ging wahrscheinlich alles wirklich viel zu schnell und der Pulk der Fahrer hat keine freie Sicht auf den Fall gegeben. Was neu ist: eine Pylone muss schon in Runde 1 touchiert worden sein und ist nach außen weggeflogen. Nach dem Sturz von Gines standen an der Stelle keine Pylonen mehr. Ob die aber durch den Sturz weggeflogen sind, oder den Sturz verursacht haben, kann ich weder bestätigen noch dementieren. Ich habe leider keinen Augenzeugen.»

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