Max Bartolini (Yamaha) weiß: «Von außen betrachtet erscheint es verrückt»
Mit gewaltigen Anstrengungen hat Yamaha neben dem laufenden MotoGP-Rennbetrieb 2024 und 2025 erstmals einen V4-Motor entwickelt. Doch bis zurück an die WM-Spitze ist es ein langer Weg.
Im Herbst 2024 lief Yamahas neuer V4-Motor erstmals in Japan auf dem Prüfstand, im Vorjahr wurde er regelmäßig auf der Strecke getestet und Testfahrer Augusto Fernandez setzte ihn bei ersten Rennen ein. Beim finalen MotoGP-Test 2025, Ende November in Valencia, waren alle vier diesjährigen Yamaha-Fahrer mit dem neuen Motorrad mit V4-Aggregat unterwegs, um das Konzept für die an diesem Wochenende beginnende Saison zu erproben. Mit ihm soll der Schritt zurück an die Spitze gelingen, den letzten WM-Titel gewann Yamaha 2021 mit Fabio Quartararo.
Als sich die Hersteller für die MotoGP ab 2027 auf die Hubraumreduktion von 1000 auf 850 ccm einigten, kam auch Yamaha zu dem Schluss, dass aufgrund der zukünftigen Aero-Vorschriften ein V-Motor die beste Lösung darstellt. 2026 nutzt die japanische Marke mit den drei Stimmgabeln im Logo, um sich Know-how anzueignen.
«Yamaha verfügt über sehr viel Erfahrung mit dem Reihenvierzylinder», hielt Technikchef Max Bartolini im Exklusiv-Interview von SPEEDWEEK.com fest. «Beim V4 ist alles anders, etwa die Temperatur des Bikes, der Spritverbrauch, die Öltemperatur. Du musst sehr viele Bereiche im Auge behalten, das macht es so schwierig. Es war eine große Herausforderung für uns, dass wir in der vergangenen Saison bei drei Veranstaltungen mit Wildcard antraten. Wir gingen den steinigen Weg, um in dieser Saison keine so schwierigen Situationen vorzufinden.»
Auch neue Yamaha M1 ist nicht ebenbürtig
Nach den Wintertests in Sepang und Buriram ist festzuhalten: Auch das neue Motorrad ist der Konkurrenz nicht ebenbürtig. Jack Miller beendete die finalen Vorsaison-Tests in Thailand als bester M1-Pilot mit einer Sekunde Rückstand auf Platz 16. Die Markenkollegen Quartararo, Alex Rins und Toprak Razgatlioglu wurden im 22-Mann-Feld 17., 20. und 21.
Quartararo hat die Hoffnung inzwischen verloren und wird sich nach dieser Saison und sieben Jahren mit Yamaha
Yamaha: 2026 ist ein Probelauf für 2027
Natürlich will Yamaha 2026 bestmöglich abschneiden, aber in Wirklichkeit dient diese Saison der Vorbereitung auf 2027. Dann wird nicht nur der Hubraum um 15 Prozent gesenkt, sondern auch die Aerodynamik beschnitten und das höhenverstellbare Fahrwerk verboten. Hinzu kommt, dass Pirelli Michelin als Reifenlieferant ablöst. Die Meisterschaft bekommt einen technischen Neustart, wodurch sich ins Hintertreffen geratenen Herstellern Chancen eröffnen.
«Der 850er ist in vielen Teilen ein Bruder unseres jetzigen Motors», erklärte Bartolini. «Einige Teile werden wir ändern, weil sich nach und nach herausstellt, dass wir das anders machen können. Das Basiskonzept des Motors ist aber sehr ähnlich. Von außen betrachtet erscheint es verrückt, dass wir für nur ein Jahr einen V-Motor mit 1000 ccm gebaut haben. Aber das gibt uns die Möglichkeit, diesen Motor zu verstehen und das richtige Bike um ihn herum zu bauen.»
Bartolini erwartet nichts Revolutionäres
Rechnet der Italiener mit revolutionären Ideen der Konkurrenz? «Bei der Entwicklung eines neuen Motors ist schwierig zu vergessen, was man über den bisherigen weiß», überlegte Bartolini. «Wenn du schnell bist, verfügst du bezüglich deines Motors über viel Wissen. Wenn jemand keine echte Schwäche an seinem Aggregat ausmacht, dann wird er auch nichts Grobes ändern. Dann wird der Motor wie geschrumpft und es geht mit der bekannten Technik weiter. Alle werden einen V-Motor einsetzen, ich kann mir höchstens vorstellen, dass jemand zum Beispiel mit der Zündfolge experimentiert. Jeder Hersteller wird versuchen, die verlorene Leistung wiederzufinden. Deshalb erwarte ich, dass wir in den kommenden Jahren erleben, wie technisch schnell aufgeholt wird.»
Im Vorjahr verwendete Yamaha zirka 90 Prozent seiner Ressourcen auf die Entwicklung des V4 mit 1000 ccm, 10 Prozent für den 850er. «Während der Saison 2026 wird sich das verschieben, zum Ende hin werden wir 90 Prozent für den 850er aufwenden», so Bartolini. «Es hängt etwas davon ab, wie gut die Entwicklung läuft. Wenn du ein Parallelprojekt beginnst, dann hast du am Anfang immer nur ein paar Ressourcen dafür übrig. Es gibt keinen Moment, in dem man den Schalter umlegt, das ist ein fließender Übergang.»
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